Mein erster Triathlon (nach zwanzig Jahren)!
27. Juni 2008
So, jetzt bin ich endlich wieder an den Punkt zurückgekehrt, von dem mich meine Diabetesmanifestation vor mehr als zwanzig Jahren ganz weit weg katapultierte: Ich traue mich wieder, einen Triathlon zu absolvieren und kann es auch!
Und im Nachhinein sind die unbezwingbaren Problemberge, vor denen ich mich stehen sah und die mich davon abhielten, einen Triathlon zu versuchen, doch eher “Peanuts” …
- Problem 1: Unterzuckerung während des Schwimmens
Sicherlich ist das weiterhin der Ober-Gau während Training und Wettkampf. Schließlich kann ich beim Laufen oder Radfahren stehen bleiben, habe festen Boden unter den Füßen, kann mich gegebenenfalls hinsetzen und problemlos schnellwirkende Kohlenhydrate zuführen. Beim Schwimmen geht das selbstverständlich nicht, hier muss ich – wenn auch bei geringerer Belastung – irgendwie weiter schwimmen, um nicht den Grund des Sees als (ewigen) Rastplatz auszutesten
…
Und woher die benötigten Kohlenhydrate nehmen? – Eine Radflasche Cola mitführen? – Meinen Laufgürtel umbinden? – Ein Versorgungsfloß hinter mir herziehen?
Die einzige Möglichkeit scheinen Gels zu sein, die man sich in die Schwimmhose oder, aber darauf kam ich erst während des Triathlons, in den Neoprenanzug steckt.
Denn zunächst hatten die Gels ihren Platz zwischen meine beiden Badekappen gefunden – aber irgendwie war es ihnen dort zu eng, sodass nach etwa der Hälfte der Strecke sich die eine Badekappe selbstständig machte und eine Bootstour für meine Gels organisierte. Instinktiv griff ich nach dem Trio und schwamm noch ein wenig weiter, die Kappe und die beiden Gels in der Hand haltend. Sehr unbequem und vor allem: langsam. Kurz überlegte ich, ob ich es riskieren könnte, ohne Gels bis in die Wechselzone zu kommen, aber 500 Meter erschienen mir doch zu weit, zu riskant. Ohne zu überlegen stopfte ich sofort alles unter meinen Neo … und fand den idealen Platz:
Unter dem Anzug im Brustbereich ist das Material relativ elastisch, sodass sich dort leicht Platz für die Gels schaffen lässt und ich komme leicht durch die Halsmanschette an die Gels ran. - Problem 2: Schwimme ich mit meiner Insulinpumpe?

Da meine Animas 1200 IR wasserdicht ist, habe ich es riskiert, mit meiner Pumpe zu schwimmen. Eine gute Entscheidung, denn die Pumpe hatte keine Probleme mit dem Wasserkontakt unter dem Neo. Möglich wurde es durch eine der wenigen Triathlonhosen mit mittiger Rückentasche (Orca distance226 plus, eine nach dem Schwimmen schnell trocknende, hochwertige Radhose mit tollem Polster, in der man auch hervorragend laufen kann – die reißverschlusslose Tasche habe ich rechts und links ein wenig zugenäht, damit die Pumpe nicht herausfallen kann). - Problem 3: Blutzucker messen während des Radfahrens
Obwohl ich dachte, zumindest eine Schönwetter-Lösung gefunden zu haben, bewährte sie sich nicht (vgl. Radfahren und seinen Blutzucker bestimmen). Das auf dem Oberrohr montierte Blutzucker-Messgerät erhitzte sich zu sehr, eine Messung nach dem Triathlon war nicht mehr möglich. Ich hatte also Glück, dass die Kombination Fahrtwind und Noch-nicht-ganz-so-heiß dafür sorgten, dass ich zumindest während des Radfahrens noch bequem messen konnte.
Hier besteht also nach wie vor Optimierungsbedarf … - Problem 4: BE-Transport bei einem Triathlon-Shirt ohne nennenswerte Taschen
Auch dieses Problem löste sich in Nichts auf, insbesondere dank der Hinweise des Triathleten Sascha Danz, der mir das Wundermittel Maltodextrin empfahl.
Dieses weitgehend geschmackslose Pulver lässt sich bis zu einer Konzentration von 50 g pro 100 ml anreichern, das heißt, eine Flüssigkeitsmenge von 100 ml kann ca. 4 BE tragen, eine Fahradflasche mit einer Füllhöhe von 700 ml fasst als maximal 28 BE (sollte in dieser Konzentration aber vor der Aufnahme mit Wasser verdünnt werden) … eine Menge, die auch für einen Ironman reichen könnte!
Da die Radstrecke mit 43 Kilometern vergleichsweise kurz war, hatte ich in der Flasche 8 BE und diese Menge, das wusste ich, würde dicke reichen. Zur Sicherheit klebten, mit Tesafilm befestigt, noch zwei Gels auf meinem Oberrohr, die auch als Hypohelfer fungieren sollten, denn die langkettigen Kohlenhydrate des Maltodextrins gehen im Fall der Fälle unter Umständen zu langsam ins Blut.
Da durch die beschriebenen Lösungen ich endlich wieder das (Selbst-)Vertrauen hatte, einen Triathlonwettkampf erfolgreich absolvieren zu können, startete ich am vergangenen Sonntag ohne Angst beim Berlin Triathlon 2008.
Und es hat sich gelohnt, absolut!
Neben dem riesigen Spaß, den die Abfolge dieser verschiedenen Disziplinen machte, war ich auch als 60. von insgesamt 212 Triathleten im Ziel mit meinem Ergebnis hochzufrieden: Ich habe für die 1500 Meter Schwimmen, 43 Kiometer Radfahren und 10 Kilometer Laufen 2:31:47 h benötigt.
Sicherlich ist diese Zeit steigerungsfähig, insbesondere wenn man bedenkt, dass bis vor sechs Wochen die Vorbereitung meines ersten Ultras (vgl. Gelassen über den Rennsteig) anstand und ich erst in der Woche danach mit dem Schwimm- (8x) und Radtraining (10x) angefangen habe (ich bin die letzten drei Jahre nicht einmal geschommen und war in diesem Jahr erst einmal eine längere Strecke radgefahren!).
Organisiert war der Triathlon eher suboptimal: Den verschiedenen Startwellen wurden verschiedene Schwimmstrecken erlaubt (die Strecke der ersten Welle war ca. 150 Meter kürzer), die zehn Runden Radstrecke wurden nicht überprüft (es finden sich in der Ergebnisliste eine ganze Reihe von Radzeiten, die so gar nicht mit Schwimm- und vor allem Laufleistung übereinstimmen) und die Laufstrecke war nicht vollständig gesperrt, sodass man Slalom durch die zahlreichen sonntäglichen Spaziergänger laufen musste, die sich zudem äußerst ignorant verhielten, sich kaum für den Triathlon interessierten und sich demenstprechend auf Kollisionskurs bewegten.
Das ist sehr schade, denn eigentlich bietet der landschaftlich schöne Triathlon im Herzen der Stadt Berlin so viele Möglichkeiten, insbesonders eine traumhaft schöne Schwimmstrecke um die Insel der Jugend herum und eine reizvolle Laufstrecke am Ufer der Spree.
Da aber dennoch meine positiven Erlebnisse überwiegen, gibt’s nur eins: Auf ein neues beim Mitteldistanztriathlon BerlinMan Ende August – bei einer hoffentlich besseren Organisation …
Das Triathlonfieber hat mich jedenfalls erfasst und verlangt nach mehr!
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Tags: Ausrüstung, Diabetes, Laufen, Radfahren, Schwimmen, Triathlon, Wettkampf

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