Berlin Marathon vs. asics GRAND 10

13. Oktober 2008

Nein, selbstverständlich lassen sich diese beiden Veranstaltungen nicht vergleichen, zu groß sind die Unterschiede. – Doch gerade diese sind so aufschlussreich, dass ich beide, den Marathon und den 10 Kilometer-Lauf, nebeneinander stellen möchte.

Zunächst wäre da die Organisation: Während die einen Veranstalter quasi ein Jahr lang rausposaunen “Hier kommen wir! Wir sind so toll!”, war es schwierig, Informationen über den anderen Lauf zu sammeln: Eher zufällig habe ich überhaupt von der Premiere des 10 Kilometer-Laufs erfahren, auf der Website gab es lange Zeit nur unzureichende Informationen (außer dem Hinweis, es gehe durch den Zoo, um dem neuen regierenden Bärliner Bürgermeister Knut zu huldigen, fand sich mehr oder weniger nichts) und auch das ganze Drumherum (Messe und Startnummernausgabe, Startort, Zeitmessung durch Transponder-Nummer) wollte so gar nicht in mein Bewusstsein dringen.

Aber dann, im unmittelbaren Umfeld des Laufs – und darauf kommt es letztlich an (!) -, war alles ganz anders:

  • Während die einen mit Rücksicht auf ihre Gewinnmaximierung eine für den Läufer völlig unzumutbare Messe veranstalten (Erreichbarkeit, Location, Goodie-Bag, Angebote), …
    … ist die andere zwar sehr klein, aber zumindest hervorragend zu erreichen, absolut stressfrei, freundlich und es gibt richtig leckere Pasta, zu denen man, im Gegensatz zu der Nudel-Party der SCC-Gewinnoptimierer (deren Nudeln hatten aufgrund ihrer Geschmacklosigkeit das Wort “Pasta” nicht verdient!), eingeladen wurde.
  • Während die einen trotz eigentlich unbegrenzten Platzes im Tiergarten es seit Jahren nicht fertig bringen,
    - ein funktionierendes, vor allem ausreichend Platz bietendes Läufer-Dorf am Start aufzubauen (so nah möchte ich meinen Mitmenschen eigentlich nicht sein, wer keine Ellbogen zeigt wird nie seinen Kleiderbeutel abgeben),
    - entsprechend großzüge, funktionierende Start-Blöcke anzubieten (der Weg zu den sowie der Aufenthalt in den Startblöcken ist eine absolute Zumutung: Kämpfen eigentlich die Anti-Legebatterie-Initiativen auch gegen den SCC? – Ach so, stimmt, wir machen das ja im Gegensatz zu den Hühnern freiwillig.) und
    - endlich einmal eine freundliche, umfangreiche Zielverpflegung zu organisieren (auch hier vermisse ich dieses bei vielen Läufen vorhandene Läufer verbindende Wir-stärken-uns-gemeinsam-Event, das Läufer-Fest nach dem Lauf; stattdessen: “Hier haste ‘nen Beutel, wirst schon nicht verhungern.”, Berliner Charme halt oder doch Massentierhaltung?), …
    … funktioniert es beim deutlich kleineren Lauf einfach besser:
    - Vor dem Start ist im eigentlich kleinen Läufer-Dorf ausreichend Platz (gut, als das Hauptfeld eine Stunde nach dem Start eintrifft, wird es auch hier eng …),
    - stehen bis auf die Stoßzeit 25 Minuten vor dem Start ausreichend Dixies zur Verfügung (im Tiergarten verhindert die unzulängliche Toilettenversorgung bereits eine Stunde vor dem Start nicht die eklige Überdüngung des Parks),
    - erlaubt der Schlosspark ein genussvolles Einlaufen und
    - die Startblöcke sind auf dem für das Event fast schon zu kleinem Schlossplatz sehr geschickt aufgebaut (dass wieder viel zu langsame Läufer meinen, aus der ersten Reihe starten zu müssen, und es auch trotz Kontrollen immer wieder dorthin schaffen, kann scheinbar bei keinem Lauf der Welt verhindert werden …).

Gut, zur Ehrenrettung des Marathons muss ich zugeben, dass eine achtfache Läufermenge (40.000 statt 5.000) auch deutlich schwieriger zu handeln ist, allerdings haben die SCC-Gewinnoptimierer auch viel mehr Geld zur Verfügung und eine über dreißig-jährige Erfahrung, aus der sie aber irgendwie in den letzten Jahren keine Schlüsse ziehen möchten – zumindest keine zum Wohle der Läufer.
Und der neue muss seinen Härtetest erst noch bestehen. Dann nämlich, wenn die Läuferzahl im nächsten Jahr aufgrund des großen Debut-Erfolges deutlich wächst. Für 5000 Starter war das gesamte organisatorische Umfeld genau richtig, 1000 mehr hätten es dieses Jahr vermutlich nicht sein dürfen.

Dennoch zeigt sich der Berlin-Marathon in einer Hinsicht unschlagbar: die Stimmung an der Strecke. Was sich hier Meter für Meter an Jubel, Begeisterung, Anfeuerung und Musik abspielt, ist schon eine große Nummer! Dem kann ein 10-Kilometer-Lauf, auch wenn er das in Versalien gesetzte Wort “GRAND” im Titel führt (muss dieser blöde, amerikanistische Name “äsiks GRÄND ten” eigentlich sein?), natürlich nichts entgegensetzen.

Gemeinsam ist beiden Wettkämpfen die unglaublich schnelle Strecke: Hailes Weltrekorde sind für den Marathon mehr als ein Beweis, aber auch der neue Zehner ist absolut rekordverdächtig: Absolut flach bzw. kaum merkliche Steigungen (das leichte Bergab auf den ersten beiden Kilometern hilft sogar, Tempo aufzunehmen) und mit Ausnahme des Kilometers durch den Zoo breitestes Berliner Asphalt. Zumindest im vorderen Feld, in dem ich unterwegs war, hatte ich – nachdem ich auf dem ersten Kilometer alle falsch einsortierten sowie die Langsameren der Staffelläufer umkurvt hatte – absolut freie Bahn!

Auch deshalb bin ich nach dem schnellen Zehner so zufrieden, hier hat das Laufen einfach nur Spaß gemacht: Auch deshalb bin ich mit 40:41 Minuten die seit meiner Diabetes-Manifestation schnellste 10 Kilometer-Zeit gelaufen, Platz 129 von 3721 Finishern klingt auch irgendwie gut – und das, obwohl ich aufgrund meiner Ultra- und Triathlon-Ambitionen mein Tempotraining sträflich vernachlässigt habe, mich eigentlich bereits in einer Regenerationsphase nach den vielen Wettkämpfen in diesem Jahr befinde und derzeit vor allem schwimme, was schnelles Laufen nicht gerade fördert …

Ganz anders war da der Berlin Marathon, den ich als 5-Stunden-24-Hase für meine Freundin (erster Marathon!) bestritten habe und so mit zu den letzten Läufern gehörte, die das Ziel erreichten … Gut, wir hatten eine deutlich schnellere Zeit geplant, aber ab Kilometer 23 wollte ihr Kreislauf für 10 Kilometer nicht mehr, so dass wir diese Strecke nur mit einigen ausgedehnten Geh-Pausen überstanden … Auch für sie war der 10-Kilonmeter-Lauf der deutlich größere Erfolg: Bestzeit um 5 Minuten verbessert, in der ersten Hälfte des Teilnehmerfelds angekommen – SUPER!

Auch für Diabetiker könnte der derzeit “asics GRAND 10″ genannte Lauf interessant werden: Nachdem die Organisatoren des Berlin Marathons die Diabetiker-Betreuung durch die IDAA (es gab früher mehrere Stände auf der Strecke, an denen Blutzucker gemessen und zusätzliche Sport-BEs getankt werden konnten) nicht mehr wollten – warum auch immer, wir sind ja ein ach so schlechtes Image für die SCC-Gewinnoptimierer … -, sind Diabetiker für die von “Berlin läuft …” organisierten Läufe ausdrücklich willkommen: Bereits dieses Jahr war auf der Messe “Diabetes” ein Schwerpunkt-Thema und nächstes Jahr wird die IDAA beim Lauf “BIG…25! Berlin” am 10. Mai 2009 sowie beim “asics GRAND 10″ im Otkober die bewährte Betreuung wieder anbieten.
Infos dazu unter: www.idaa.de


Das könnte Dich auch interessieren:

Tags: , ,


Eine Reaktion zu “Berlin Marathon vs. asics GRAND 10”

    Trackback(s)
  1. Vom Winde verweht - Bestzeit beim Lübeck-Marathon | Laufen mit Diabetes

    [...] « Berlin Marathon vs. asics GRAND 10 [...]

Einen Kommentar schreiben

Abonnieren ohne einen Kommentar abzugeben