Mit Kaiser Barbarbarossa um die Wette – der Kyffhäuser Berglauf 2010 (Laufbericht)

24. April 2010

Landschaftsläufe sind schon etwas Besonderes – abwechslungreich in jeder Hinsicht!

Zunächst “fliege” ich über besten Asphalt auf fast ebener Strecke, vorbei an Wiesen mit Obstbäumen und Feldern. Bin ich hier wirklich beim Kyffhäuser BERG-lauf?, frage ich mich, strafen doch die ersten acht Kilometer den Namen Lügen.

Kurz darauf passieren wir die Barbarossa-Höhle und tatsächlich ist der schlafende Kaiser aufgewacht, hat sich aus seinem unterirdischen Schloss bequemt und steht anfeuernd mit seinem langen roten Bart in majestätischer Erscheinung an der Strecke!

Doch kaum sind die  Rufe des Herrschers nicht mehr zu vernehmen, geht’s – endlich (!) – bergauf: Auf den folgenden neun Kilometern ist der größte Anstieg zu bewältigen von 170 auf etwa 450 Höhenmeter. Diese laufen sich flüssig, da es nie wirklich steil wird und sich die gleichmäßigen Anstiege immer wieder mit ebenen oder leicht fallenden Passagen abwechseln. Bald wechselt auch der Belag, denn wir verlassen die Straße und befinden uns im lichten, da noch nicht ergrünten Wald des Kyffhäusers.

Und hier macht das Laufen richtig Spaß: Da stellt sich eine Wurzel in den Weg, dort greift ein Ast nach den Läufern, hier öffnet sich ein fantastischer Blick in ein Tal, weiter vorne sieht man einen großen Stausee, mal geht es bergauf, dann wieder bergab und irgendwann, etwa zur Hälfte der Strecke, steht man vor dem großen Kyffhäuser Denkmal, das – wer hätte das gedacht – neben Kaiser Wilhelm I. auch unseren kaiserlichen Läuferfreund feiert.

Auch weiterhin bleibt die Strecke liebenswürdig: Ein malerisches Feuchtbiotop in einer Senke, fordernde Anstiege und Gefälle, die zum Runterbrettern einladen, nur Fliegen ist schöner! – Fliegen, das erinnert aber auch an den einzigen Moment, an dem der Marathon dann doch noch ein wenig quälte: Von Udersleben geht es über 4 km ganz allmählich bergauf zum Segelflugplatz. Zwar sind das nur hundert Höhenmeter, aber mit diesen hatte sich dieses Jahr der Wind verbündet und das erhöhte auf dem Baum freien Plateau den Widerstand merklich. “Fliegen”, so wie auf den ersten Kilometern und immer wieder zwischendurch, das ist hier, ausgerechnet neben dem Flugplatz, nicht möglich …

Aber irgendwann ist auch dieser letzte Anstieg vorbei und der Schlachtberg bezwungen, auf dem ein monumentales Panorama-Gemälde des Bauernkriegs erschaffen wurde. Doch für dieses letzte Staatskunstwerk der DDR, das 1989 unmittelbar vor der Wende von Werner Tübke übergeben wurde und das in einem weithin sichtbaren Bau auf Besucher wartet, nehme ich mir keine Zeit, denn ich war doch viel schneller unterwegs als gedacht, habe Blut geleckt und möchte unter 3:30 Stunden finishen.

Und so eile ich die letzten vier Kilometer bergab, vorbei an der schiefsten Kirche der Welt ins Ziel in Bad Frankenhausen, das ich mit einer nicht erwartet guten Zeit erreiche: 3:24’30 Stunden. Das wäre, da bin ich mir sicher, auf ebener Strecke eine Marathon-Bestzeit geworden, zumindest rechnet der Höhenmeter-Rechner » von Peter Greif die absolvierten 668 Höhenmeter in eine flache Marathonzeit von etwa 3:12 Stunden um.

Über diese Leistung freue ich mich um so mehr, weil ich mich über weite Strecken des Marathons zurückgehalten habe und kontrolliert im GA2-Bereich gelaufen bin. Grund für diese Zurückhaltungen ist das Vermeiden einer längeren Regeneration nach dem Lauf , möchte ich doch weitere Grundlagen für den Triathlon in Roth legen – und, kurze vier Wochen nach dem Kyffhäuser Berglauf, beim Rennsteiglauf fit sein.


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2 Reaktionen zu “Mit Kaiser Barbarbarossa um die Wette – der Kyffhäuser Berglauf 2010 (Laufbericht)”

    Kommentar(e)
  1. Jörg

    Schöne Bericht von einem Marathon, der ganz oben auf meiner Empfehlungsliste als Landschaftslauf steht. Nur leider habt ihr dieses Jahr die typischen Schlammpfade vermissen müssen.

    Grüße

    Jörg

  2. Andreas

    Hallo Jörg,

    das wollte ich eigentlich schreiben und hab’s dann doch vergessen: Den Kyffhäuser Berglauf bin ich wegen Dir gelaufen, wegen Deines so neugierig machenden Berichts in Deinem Blog, der hier nach zu lesen ist:
    Kyffhäuser-Berglauf

    Dass der Schlamm dieses Jahr Pause machte, hat mich sehr gefreut! :-) Überhaupt waren die Wege sensationell gepflegt und ideal zum Laufen -- herrlich!

    Bis zum Rennsteig,
    Andreas

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