Die (Roth-)Form stimmt beim Vierlanden-Triathlon 2010 (Bericht)

12. Juni 2010

Meine Güte, ist das Triathlon-Training kompliziert!

Das liegt vor allem an der enormen Zeit, die ein ernsthaftes Training an drei Baustellen einfordert. Nicht nur dass im Vergleich zum reinen Lauftraining die notwendige Zeit mit dem Faktor zwei multipliziert werden muss (insbesondere die langen Einheiten auf dem Rad vernichten halbe Tage!), auch das logistische Einpassen der Trainingseinheiten in den Tagesablauf ist deutlich schwieriger, erfordert doch das Radfahren eine seltene Nische trockenen Wetters und das Schwimmen nicht nur ein geöffnetes Bad (in Hamburg von 10 bis 22 Uhr), sondern auch ein halbwegs leeres Bad, damit ich auch wirklich schwimmen kann – und nicht nur meine Slalomtechnik beim Umkurven von Kaffeekranzrunden älterer Damen trainiere oder meine Überlebenstechnik “Wasser aus den Lungen husten” übe, was vom Beckenrand springende und sonst wie wild plantschende und spritzende Kinder wohl für unverzichtbar erachten.

Habe ich eigentlich beschrieben, wie schrecklich unter Wasser die Durchschnittsphysiognomie des deutschen Wohlstandsbürgers aussieht? Allein diese wäre ein Grund nie mehr schwimmen zu gehen, so unästhetisch sind die Fettmassen, die da nach Feierabend mehrheitlich das Wasser verdrängen. Oft scheint es, als habe das Wasser einen Lupeneffekt und verzerre den Horror in eine weitere Dimension. – Aber ich schweife ab, denn dieses Thema ist auch nur insofern relevant, dass ich umso mehr versuche, zu den Zeiten zu trainieren, in denen das Bad leer ist. Und das gelingt am besten Werktags gegen 13 Uhr, wenn die Tüchtigen arbeiten oder ihre Physiognomie ausbilden.

Aber obwohl der Kampf um Zeit zum sinnvollen Trainieren immerhin Monat für Monat etwa 50 Stunden erobert, beschleicht mich immer wieder das Gefühl, doch mehr machen zu müssen. Dass das sicherlich möglich und sinnvoll wäre, steht außer Frage, doch ebenso wie die Lauf-Wettkämpfe in den letzten Monaten zeigten, dass meine Laufform stimmt, machte der Trionik Vierlanden-Triathlon am vergangenen Sonntag deutlich, dass auch die Radform passt. Denn ich finishte bei dem Triathlon vor meiner Haustür über die Mitteldistanz (2 km – 82 km – 20 km) in sehr guten 4:34:59, wurde 15. in der Gesamtwertung und hätte als dritter meiner Altersklasse TM40 vielleicht sogar auf das Treppchen steigen dürfen, aber leider wusste ich nichts davon und haben die Siegerehrung nicht miterlebt.

Hochzufrieden bin ich über die für meine Verhältnisse und Möglichkeiten gleichmäßig guten Zeiten in JEDER Disziplin. Die zwei Kilometer bin ich in deutlich unter 40 Minuten geschwommen, beim Radfahren habe ich einen Schnitt von 35,7 km/h gehalten und die Kilometer des abschließenden Halbmarathons in 4:37 min/km absolviert. Und das zwar mit einer intensiven Belastung, aber ohne an meine Grenzen gehen zu müssen.

Spannend finde ich, was diese Mitteldistanz für Roth verheißt. So richtig einschätzen kann ich die Leistung in ihrer Bedeutung für die ein bisschen mehr als doppelt so lange Strecke nämlich noch nicht. Ein Internetrechner ermittelt für die Radstrecke, ausgehend von 93% Leistung auf einer doppelt so langen Strecke, eine durchschnittliche Geschwindigkeit von 34,6 km/h und eine Zeit von 5:12 Stunden. Das ist wohl utopisch, aber 5:30 ist wohl schon auf dem Rad zu schaffen. Als Gesamtzeit wäre dann bei einer Schwimmzeit von 1:15 Stunden und einem Marathon in 3:45 eine Endzeit von ungefähr 10:30 möglich. Mal sehen, wie es in den nächsten Wochen geht, aber als Traumzeit möchte ich die nicht aufgeben.
Daneben stelle ich (man soll ja stets mehrere Ziele haben) eine realistische Zeit von sub11 und ein Minimalziel von sub12.

Anpassung meiner Diabetes-Therapie

Sehr aufschlussreich waren die Erfahrungen mit der Anpassung meiner Diabetes-Therapie. Eine halbe Stunde vor dem Schwimmen zwang mich ein BZ von 120 mg/dl zu 3,5 BE Powerbar-Riegel, um nicht als Fischfutter Verwendung zu finden. Nach dem Schwimmen zeigte der Navigator einen BZ von etwa 200, der auf den ersten Radkilometern auf 180 fiel, sodass ich mutig meine Apfelsaft-Maltodextrin-Flasche griff und einige Schlücke nahm (ca. 4 BE). Zuviel angesichts der um 40% auf 60% abgesenkten Basalrate und dem noch zu verdauenden Powerbar-Riegel, denn mein BZ stieg gen 300, was ich mit zwei halben Einheiten Insulin stoppte. Erst nach dem Radfahren fiel mein BZ wieder unter 200, sodass ich die fallende Tendenz mit zwei Powerbar-Gels (2 BE) bei km 2,5 und 7,5 der Laufstrecke bremsen musste, um das Ziel mit einem Blutzucker von 120 mg/dl zu erreichen. – Für Roth heißt das, dass die Basalrate zu niedrig war, 30% Reduktion also vermutlich voll und ganz reichen, um eine regelmäßige Nahrungsaufnahme von 4 BE pro Stunden zu ermöglichen.

Übrigens hat sich der Platz bewährt, bei dem ich während des Schwimmens meine – als Hyponothelfer leider unverzichtbaren – Gels transportiert habe: Vom Hals aus zwischen Neo und Brust geschoben, habe ich die beiden Gels während des gesamten Schwimmens nicht gespürt.


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