BIG 25 Berlin: Gänsehaut-Zieleinlauf nach neuem Therapieansatz

11. Mai 2011

Nach 20 km geht es beim BIG 25 Berlin, dem ehemaligen, 25 km langen “Franzosen-Lauf”, zum ersten Mal empfindlich bergauf. Nicht überraschend, denn ich kenne die Strecke, die die touristischen Highlights Berlin aneinander reiht, bin sie schon dreimal gelaufen, und immer forderte die Neue Kantstraße ihren Preis, 20, 30 Sekunden pro Kilometer. Das ist zwar nicht teuer, zu bedenken sind aber die Zinsen, denn auch die letzten vier Kilometer, immer wieder leicht ansteigend, verlangen Willen und Kampf, um das Tempo nicht völllig zu verlieren.

Wetter.com zufolge war es nicht heiß. 21 Grad, was ist das schon? Überhaupt machen mir höhere Temperaturen eher wenig zu schaffen, bremsen mich kaum. Und auch der perfide Plan der Stadt, Asphalt und Häuserfassaden in Brennspiegel zu verwandeln, um durch gebündelte Sonnenstrahlen die Läufer auszukochen, stahl zwar zahlreichen Läufern die Motivation, mir aber nicht. Ich fühlte mich gut, nein, sehr gut und besser, auch weil ich niemals erwartet hätte, dass ich bereits wieder so kraftvoll laufen könnte. Denn der Wiedereinstieg ins Lauftraining ist gerade einmal fünfeinhalb Wochen her, denn Anfang April endete das Belastungsverbot, das ärztlicherseits aufgrund eines gebrochenen und gespaltenen großen Zehs erlassen wurde.

Und schon umrunde ich das Olympia-Stadion, ein Sandweg staubt vor Trockenheit und heißt die Augen zusammen kneifen, dann eine Rechtskurve und hinein ins Olympia-Gelände. Plötzlich: Schatten, wie schön!, von  Bäumen und Brücken gespendet macht er durch seine Kühle deutlich, dass es vielleicht doch ein wenig zu warm war. Sofort danach geht’s bergab durch die Katakomben, nach vorne gepeitscht von den Ohren betäubenden Rhythmen einer Samba-Band, begleitet von mitlaufenden Lichtkegeln blinkender Scheinwerfer. Nur fliegen ist schöner!

Zuletzt das Marathontor und das Eintreten in das sich öffnende Rund des Stadions, der blaue Teppich der Weltrekord-Laufbahn Usain Bolts ist für uns ausgerollt, auf drei Leinwänden Zieleinläufe. Es wechseln glückliche Gesichter, deren Arme jubelnd sich heben, mit verbiesterten Gesichtern, deren wichtigste Beschäftigung das Millisekunden genaue Stoppen der Laufuhr zu sein scheint.

Ich glaube, dieses Mal gehörte ich zu den glücklichen, denn wieder einmal spürte ich Gänsehaut, war ich vom Zieleinlauf ein wenig berührt und hoffte, dass meine neun Monate währende Krankheitsserie die nach dem Swiss Alpine Marathon » begann, hiermit endlich beendet ist!

Anpassung meiner Diabetes-Therapie

Froh war ich auch über mein neues Konzept der Anpassung meines Diabetes-Therapie, die – nach meiner Meinung – perfekt funktionierte: Zum ersten Mal hatte ich für diesen 25 km langen Lauf eine mehrschrittige Basalrate programmiert.


Ziel war die Nachahmung des Insulinspiegels eines Stoffwechselgesunden, vor allem eine starke Absenkung am Beginn des Laufs (Nr. 3, 4). Diese Absenkung sollte dazu führen, dass die Gegenspieler des Insulins ausgeschüttet werden: Glucagon und Adrenalin regen die Leber an, Glucose freizugeben, außerdem springt der Fettstoffwechsel an. Beide Energiequellen brauche ich für den knapp zweistündigen Lauf an der anaeroben Schwelle.

Eine halbe Stunde vor dem Lauf verdrückte  ich vier leichtverdauliche BE (Toastbrot mit Honig, 4). Diese Kohlenhydrat-Menge entspricht in etwa einschlägigen Ernährungsratschlägen.

Während des Laufs war ein Vitargo-Gel (2 BE, 6)  das Einzige, was ich während des Laufs zu mir nahm (bzw. nehmen musste). Den Zeitpunkt bei etwa 15 km finde ich ideal, liefert dieses Gel doch nach einer gewissen Resorptionszeit noch einmal zusätzliche Energie für die letzten 5 km.

Eventuelle Mini-Resistenzen sind gewollt (ich vermute für den doch recht hohen Insulinbedarf im Zeil aber eher ein Basalloch bei unverminderter Glucose-Bereitstellung durch den Fettstoffwechsel) und im Ziel mit entsprechenden Boli schnell durchbrochen (8, 9). Dabei sollte auch die Basalrate helfen, die ich schon während des Laufs in zwei Schritten erhöhte (5, 7).

Den Brunch im Kreise der IDAA », einem Verein von Sportlern mit Diabetes, im Anschluss an den Lauf, deckte ich mit einem Bolus ab (10). Auch die weiteren Boli im Verlaufe des Tages deckten Low-Carb-Mahlzeiten ab (11, 12).

Für mich scheint dieser Weg einer mehrschrittigen Basalratenanpassung und -programmierung sehr vielversprechend, insbesondere die Hyposicherheit bei wenig Kohlenhydratzufuhr, die nicht mit extrem hohen Werten erkauft ist. Diese Art der Therapieanpassung werde ich weiter verfolgen!


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3 Reaktionen zu “BIG 25 Berlin: Gänsehaut-Zieleinlauf nach neuem Therapieansatz”

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  1. Münster Marathon 2011: klasse Stimmung, gute Zeit und (fast) perfekte Werte (Laufbericht) | Laufen mit Diabetes - Sport mit Insulin

    […] auch ich war zufrieden. Es scheint, als hätte ich in der Tat mit dem 25 km Lauf in Berlin » im Mai dieses Jahres das für mich passende Konzept der Therapieanpassung gefunden, das ich […]

  2. Marathon-Bestzeit 2011, neue Pläne 2012 – ein Lebenszeichen nach langer Schreibpause | Laufen mit Diabetes - Sport mit Insulin

    […] zu stoppen, um dann auch wirklich mit einem niedrigen Insulinspiegel unterwegs zu sein (vgl. BIG 25 -- Neuer Therapieansatz). Dass ich doch mehr BE unterwegs benötigte als zuvor beim Münster-Marathon, liegt auch […]

    Kommentar(e)
  1. Steff

    Wieder mal ein sehr hilfreicher Beitrag, deshalb musste ich auf diesen verlinken: http://www.diabetes-leben.com/2011/05/diabetes-typ1-sportler-unter-sich.html
    Bin schon gespannt auf meinen nächsten Lauf, wenn ich deinen neuen Therapieansatz testen kannn. Mal sehen, ob mein Blutzucker da auch so gut mitspielt ;).

    Lieben Gruß zu dir
    Steffi

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