Rennsteig Marathon 2011 (Laufbericht)

30. Mai 2011

Dieses Mal also nicht wie die drei Jahre zuvor der lange Kanten, der Rennsteiglauf Super Marathon über 72,8 km, sondern “nur” der Marathon über 43,5 km. Die Wahl der Strecke war zunächst ein Zugeständnis an die nur eingeschränkt mögliche Vorbereitung, mit drei (halb-)langen Läufen über 25 km seit Sommer letzten Jahres birgt der Start bei einem Ultramarathon doch unkalkulierbare gesundheitliche Risiken, insbesondere für den Bewegungsapparat. Versüßt wurde die kleine Niederlage, die durchaus in dieser Wahl versteckt ist, mit der Aussicht auf die mir unbekannte Strecke von Neuhaus am Rennweg nach Schmiedefeld, also vom, wie vor dem Start lauthals verkündet wurde, “stimmungsvollstem Start” zum “schönstem Ziel der Welt”.

Rennsteig Marathon 2011: Schunkeln zum Schneewalzer vor dem StartUnd tatsächlich sah ich mich vor dem Start Dinge tun, die ich nicht für möglich gehalten hätte. Zum Beispiel stimmte eine Trachtenkapelle den Schneewalzer an und prompt hakte ich mich ebenso wie alle (!) anderen Läufer ein, um gemeinsam während den Strophen zu schunkeln, ehe wir zu den Refrains immer wieder die Arme hoben. Dass die Reihen der Läufer dabei in Gegenbewegung hin und her wogten, war Choreographie in Vollendung: Woher konnten wir das? Naja, mich so ganz und gar dieser komödiantenstadeligen Belustigung hingeben konnte ich nicht, ein distanzierendes Grinsen musste schon sein, aber ich machte mit – und hatte zu meiner Verwunderung sogar Spaß dabei …

Genauso erging es Rob, einem sehr sympathischen Sportler mit Diabetes, mit dem ich mich über das Diabetesinfo-Form » verabredet und den ich unmittelbar vor dem Geschunkel kennengelernt hatte. Zusammen liefen wir intensiv miteinander redend, Zeit und Strecke vergessend, die ersten zehn Kilometer, ehe ich ihn bei einem Anstieg aus den Augen verlor. Zunächst nahm ich wieder etwas Tempo heraus, drehte mich immer wieder suchend um, entschloss mich dann aber, da ich gar nicht wusste, ob er überhaupt hinter mir war oder vielleicht sogar vorweg lief, einfach weiterzulaufen und drehte etwas an der Temposchraube. Was auch leicht fiel, denn bis Kilometer 20 beflügelte die Strecke die Läufer: Auf leicht zu laufenden Untergründen (Asphalt, breite Waldwege) ging es zwar auch einige Höhenmeter bergauf, insgesamt stellte sich aber das Gefühl ein, fast durchgehend bergab zu laufen. Hinzu kommt die betörende Landschaft, durch die wir laufen durften: Wälder und Wiesen im satten Grün, das durch die strahlende Sonne kraftvoll leuchtete: Schöner kann der Thüringer Wald kaum sein!

Aber so konnte es natürlich nicht weitergehen: Der Rennsteig musste sich doch noch so zeigen, wie ich ihn die letzten Jahre auch kennengelernt habe. Zunächst freute ich mich, dass die Strecke anspruchsvoller wurde, von Kilometer 21 bis 23 ging es durch einen engen Couloir über Wurzeln und Steine, technisch sehr anspruchsvoll bergab. Klasse, endlich ein richtiger Trail! Dann freute ich mich, dass die doch sehr kräftige Sonne zweimal Ausläufern einer Schauer wich, die uns angenehm erfrischten. Auch hatte ich den Eindruck, dass das Profil anspruchsvoller wurde, die Anstiege zogen sich und die Bergab-Passagen wurden immer kürzer. Tatsächlich wurde auf den folgenden 10 Kilometern in fünf Anstiegen bei Kilometer 33 der höchste Punkt der zweiten Hälfte der Strecke erreicht, ehe es bis ins Ziel fast nur noch bergab ging. Das zehrte am Tempo, aber nicht an der Laune, denn ich liebe es, mich Berge hinauf zu kämpfen.

Eine letzte Prüfung des diesjährigen Marathons war der Zieleinlauf in Schmiedefeld: Hier garnierte der Thüringer Wald den berühmt-berüchtigten Schluss-Anstieg zum Ziel in Schmiedefeld mit einem Gewitter, dessen Platzregen in Hagel überging (endlich wieder Rennsteig-Wetter!). Aber was sollte mir das noch anhaben, froh  darüber, dass der Marathon so unerwartet leicht gefallen war und dass ich mit diesem Lauf – hoffentlich! – einen Schlussstrich unter das gesundheitlich verkorkste vergangene dreiviertel Jahr gezogen habe,  lachte ich über das ganze Gesicht vor tief empfundenen Glück!

Anpassung meiner Diabetes-Therapie

 

  1. Nachdem mein Freestyle Navigator bereits um 23 Uhr, also kurz nach dem Schlafengehen, einmal Hypoalarm geschlagen hatte und ich drei BE Orangensaft zu mir genommen hatte, machte ich einen Fehler: Ich deaktivierte den Alarm, um mir Schlaf zu gönnen, und wurde folglich auch nicht darüber informiert, dass die Hypo-BE keine Wirkung zeigten. Stattdessen schließ ich mit niedrigen 40er Werten und wachte mit dem Wecker um 5:10 mit 46 mg/dl auf.
    Aufgeschreckt von diesem Wert trank ich wieder Orangensaft (2 BE) und frühstückte 5 BE, gab aber erst im Verlaufe des Frühstücks einen Bolus ab, der zudem leicht reduziert war (6IE statt 7,5 IE).
  2. Dennoch trat das Unvermeidliche ein: Der Blutzucker explodierte auf Werte über 250 mg/dl. Deshalb gab ich um 6:53 noch einmal einen leichten Korrekturbolus ab: 1 IE.
  3. Da der Blutzucker nicht weiter anstieg und auch aufgrund meines Respekts vor wirkenden Boli (sowohl Frühstücks als auch der kleine Korrekturbolus) entschied ich mich doch, meine zuletzt sich bewährende Strategie des Aussetzens der Basalrate anzuwenden. Also programmierte ich meine Basalrate so, dass eine halbe Stunde vor dem Start (9:00 Uhr) meine Basalrate auf 10% gesenkt wurde. Nach einer Stunde, um 9:30 stieg diese wieder an auf 50%, ehe sie um 12:00 Uhr wieder 100% erreichte.
    Ziele dieser Absenkung waren durch einen niedrigen Insulinspiegel den Fettstoffwechsel anzukurbeln sowie der Gefahr einer Hypo zu begegnen (die ja durch die noch wirkenden Boli verstärkt wird), die Anhebung eine dreiviertel Stunde vor dem geplanten Zieleinlauf sollte dem bei mir typischen Nach-Sport-Anstieg entgegenwirken.
    Außerdem aß ich unmittelbar vor dem Sport einen Vitargo-Energieriegel.
  4. Ein fallender Blutzucker erlaubt und erfordert die Aufnahme von Sport-BE: 2 BE Vitargo-Gel
  5. An einer der reich gefüllten Versorgunsstände greife ich zu Schleim (1 BE) und etwas Cola (1 BE)
  6. Vorletzter Versorgunsstand: Die 2 BE Cola geben einen letzten Kick und stabilisieren kurzfristig den Blutzucker, ehe die jetzt wieder voll laufende Basalrate den Abfall wieder verstärkt (notfalls, bei einem Wert unter 150 mg/dl, hätte ich die Basalrate temporär abgesenkt).
  7. Im Ziel um 12:43 Uhr lande ich mit einem Wert von 143 mg/dl, gebe 2 IE Bolus ab, eine weitere Waffe gegen meinen Nach-Sport-Anstieg, die diesen auch wirksam bremst und nur einen 160er Wert zulässt.
    Diverse Nahrungsaufnahmen (Protein-Riegel, Bratwurst mit Brötchen, Bier) werden mit Boli abgedeckt und erklären die Anstiege, ehe im Verlauf des Nachmittages der Muskelauffülleffekt für eine deutlich fallende Tendenz sorgt.

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2 Reaktionen zu “Rennsteig Marathon 2011 (Laufbericht)”

    Kommentar(e)
  1. Jörg

    Hi,

    ja der Rennsteig ist auch musikalisch etwas besonderes. Ich singe da auch immer Lieder, die mir den Rest des Jahres nicht über die Lippen kommen würden. Der Schneewalzer kommt wohl daher, dass es gelegentlich im Mai dort immer noch mal Schnee gab. Galgenhumor halt.

    Grüße
    Jörg

  2. Andreas

    Oh ja! Besonders von der Sause in Schmiedefeld hört und liest man immer wieder Abenteuerliches -- und da bist Du doch Stammgast, während ich längst auf unserer privaten, beschaulichen und wenig schunkelfreudigen Mini-Feier in Arnstadt bin.

    Und dass die Tradition des Schneewalzers im Schneegestöber geboren worden sein soll, dass wurde selbst verständlich vor dem Anstimmen auch erzählt. Rennsteig-Mythen! -- Wobei … dieser stimmt sicherlich, denn kalt war’s außer dieses Jahr bei allen meinen Rennsteigläufen, auch wenn kein Schnee mehr lag.

    Lieben Gruß an Dich, den SM-Finisher,
    Andreas

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