Münster Marathon 2011: klasse Stimmung, gute Zeit und (fast) perfekte Werte (Laufbericht)
18. September 2011Am Tag nach der Mitgliederversammlung der IDAA », der Vereinigung von Sportlern mit Diabetes, nahmen drei Staffeln und vier Einzelläufer die 42 km lange Marathondistanz in Angriff. Drei erfolgreiche, in guten Zeiten absolvierte Marathondebuts und drei recht schnelle Staffelzeiten zeigen eindrucksvoll, dass Diabetes – wenn er kenntnisreich beherrscht wird – kein Hindernis, sondern vielmehr ein Grund für sportliche Leistung ist: Denn gründliche Vorbereitung und ein intensives Hineinhorchen in den eigenen Körper sind für Diabetiker selbstverständlich und zugleich Bedingungen, wenn ein Marathon ohne Qual gefinisht werden will. Und das haben die IDAA-Mitglieder allen anderen zum Teil kämpfenden Läufern deutlich vor Augen geführt.
Aber auch ich war zufrieden. Es scheint, als hätte ich in der Tat mit dem 25 km Lauf in Berlin » im Mai dieses Jahres das für mich passende Konzept der Therapieanpassung gefunden, das ich seitdem im Training und Wettkampf bei mehr als einstündigen Belastungen verwende und nahezu immer funktioniert. Das besondere ist die vor dem Lauf programmierte 90%-ige Absenkung meiner Basalrate vor und am Anfang der Belastung und die anschließende Anhebung auf etwa 40%. Diese zweistufige und zunächst starke Absenkung führt zu einem schnelleren und stärkerem Absinken des Insulinspiegels im Blut als bei einer nicht so deutlichen einstufigen Absenkung, die ich früher probierte. Die Auswirkungen liegen auf der Hand:
- Niedriger Insulinspiegel am Anfang der Belastung bewirkt eine Aktivierung des Fettstoffwechsels, der bekanntlich bei einem hohen Insulinsspiegel nur schwer in Gang kommt, und eine Glucose-Ausschüttung aus der Leber. Dadurch sinkt der Sport-BE-Bedarf während des Sports deutlich.
- Zudem ist es so möglich, eine eventuell noch vorhandene geringe (!) Restwirkung eines Bolus im Basalloch verschwinden zu lassen, sodass auch diese die angesprochenen positiven Effekte nicht bremmst.
Dass ich die Basalrate nicht stoppe, liegt daran, dass ich durch den weiterhin vorhandenen Insulinfluss unbedingt verhindern möchte, dass sich die Kanüle meines Katheters zusetzt. Die Anhebung der Basalrate danach ist notwendig, damit mein Blutzucker nicht durch den relativen Insulinmangel steigt und damit ich während der Belastung noch Kohlenhydrate zuführen kann, was bei Belastungen wie einem Marathon unverzichtbar ist.
Hier nun mein fast perfekter Blutzuckerverlauf mit Werten während der Belastung zwischen 120 und 160 mg/dl, fast perfekt, weil ich im Ziel für Zielverpflegung und gegen das Basalloch einen Bolus von 5 IE abgeben wollte, beim Wegstecken der Pumpe aber aus Versehen den Bolus abbrach und den Alarm der Pumpe im Lärm des Zieles überhörte. Glücklicherweise ist so ein Wert anschließend schnell korrigiert und kein großes Dilemma.
Ein Klick vergrößert den aufgezeichneten Blutzuckerverlauf.
Aber auch sonst war der Münster Marathon ein schönes Erlebnis. Noch immer bin ich beeindruckt von der Stimmung, die an der Strecke herrschte, hier hat eine Stadt “ihren” Marathon richtig gern: Ein 9-jähriges Mädchen, dass am Straßenrand steht und für die Läufer Geige spielt, vier klatschende Nonnen, von denen eine uns mit einem Tambourin weiter peitscht, unzählige Kinder mit ausgestrecktem Arm zum Abklatschen – die Liste ließe sich noch lange fortsetzen. Wunderschön!
Inzwischen freue ich mich auch über meine Zeit, 3:13:05 Stunden sind immerhin eine neue Bestzeit, eineinhalb Minuten schneller als vor zwei Jahren in Frankfurt », auch wenn ich die geplanten 3:10 an diesem Tag nicht laufen konnte. Da fehlte neben einem kühlen Wetter auch der ein oder andere Trainingskilometer. Aber kein Grund zum Grämen, nach den Operationen des letzten Jahres war noch nicht mal an einem Kilometer in einem 4:32er Schnitt zu denken. Und es bleibt ja in diesem Jahr noch eine Möglichkeit: In zwei Wochen laufe ich den Marathon in Köln und da dürfte die diesjährige Wunschzeit mit Sicherheit fallen, nach dem tollen Trainingslauf!
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Tags: Diabetes, Laufbericht, Laufen, Marathon, Wettkampf




Am 22. Februar 2012 um 17:46 Uhr
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