Punktlandung: Sub 7 beim Rennsteiglauf Supermarathon (Laufbericht)
16. Mai 201272,7 km von Eisenach nach Schmiedefeld und dann entscheidet eine Winzigkeit über Glück und Unglück: Drei kurze Sekunden machen den Unterschied zwischen Sieg und (gefühlter) Niederlage. - Ganz schön bescheuert, oder?
Es ist nüchtern betrachtet völlig idiotisch, wie mythisch bestimmte Laufzeiten aufgeladen sind: Ein Marathon unter drei Stunden gilt als Ritterschlag – und umgekehrt wird bei einem Marathon über fünf Stunden gefragt, ob das überhaupt noch ein Marathon sei. Man kennt das Spiel: 2,99 Euro sind ein Schnäppchen, 3,00 Euro viel zu teuer.
Doch leider kann ich mich von diesen an sich völlig abwegigen Gedankengängen nicht frei machen, jage den drei Stunden im Marathon nach und freue mich riesig, wenn ich, wie jetzt beim Rennsteiglauf Supermarathon, eine scheinbare “Schallmauer” durchbreche. 6 Stunden, 59 Minuten und 57 Sekunden – drei kurze Sekunden unter sieben Stunden. Das ist wirklich nicht mehr als der berühmte Wimpernschlag. Eine einzige zu umrundende Pfütze mehr auf der langen Strecke von Eisenach nach Schmiedefeld, und schon hätte es nicht mehr gereicht zur “Traumzeit”. Aber ich hab’s geschafft und ich freue mich riesig, auch weil ich für diese Zeit auf den letzten zehn Kilometer gerannt bin, wie ich es nach der langen Strecke nicht für möglich gehalten hätte.
Und diesen großen “Sieg” habe ich letztlich einem Läufer zu verdanken, den ich aus dem RW-Forum kenne: Chris, Nickname Nachtzeche.
Ab Kilometer 64 überschlage ich Kilometer für Kilometer, ob die 7 Stunden möglich sind: Ein guter 5 min/km Schnitt sollte wohl reichen. Hart nach den Kilometern, die schon in den Beinen stecken, aber da es ja überwiegend bergab ging, eigentlich zu schaffen. Doch es sieht zunächst überhaupt nicht gut aus: 5:34, 6:00, 5:23, 5:33. Zwar fühlten sich meine Beine gut an, aber die Strecke war doch nicht so einfach wie gedacht.
Aber noch wollte ich nicht aufgeben. Vielleicht zeigt meine Uhr ja zu wenige Kilometer an, vielleicht ist die ausstehende Strecke ja kürzer als angezeigt! Die Kilometerschilder waren doch zuvor stets längst passiert, wenn meine Uhr vibrierte und die Zeit für den Kilometer anzeigte. Um 500 m liegt meine Uhr sicherlich falsch! So motiviert werde ich etwas schneller und pendele mich auf den geforderten 5 Minuten-Schnitt ein. Nein, aufgeben wollte ich nicht!
Endlich: Meine Uhr vibriert für die 70 km, noch 2,7 km, nein, die Uhr war ja immer zu spät, höchstens noch 2,2 km. Und für diesen Katzensprung habe ich noch 14 Minuten Zeit! Das klappt sicher!
Doch wo ist das verdammte Kilometerschild? Nichts ist zu sehen, weit und breit. Erst 300 m später kommt das Schild und ich rechne erneut: Noch zwölfeinhalb Minuten für 2,7 km. Nein! Das ist kaum zu schaffen. 4:40 min/km müsste ich ab jetzt laufen und entscheide, dass 7:02 Stunden auch eine gute Zeit ist, und werde sofort langsamer.
Und genau in dieser Sekunde läuft Chris (Nachtzeche) zu mir auf und ruft: “Andreas, wir schaffen noch die sieben Stunden!” Alle meine Zweifel lässt Chris nicht gelten: Das Kilometerschild sei so wie die anderen falsch postiert und selbst wenn es richtig stehe, können wir die sieben Stunden noch knacken. Also jagen wir mit einer Pace um 4:30 min/km auf’s Ziel zu, bis Chris an einem kurzen Anstieg noch einmal beschleunigt (Mann, kann der kämpfen!) und ich nicht mehr folgen kann.
Erst auf der Zielgeraden nach einem Blick auf meine Uhr realisiere ich, dass es – vielleicht, vielleicht – doch noch zu schaffen ist und drehe noch einmal auf, die letzten Meter mit einer Pace unter 4 min/km.
Kurz hinter dem Ziel stoppe ich die Uhr und lese 7:00:00. Yes! Das muss reichen, zwei oder drei Sekunden waren seit der Ziellinie sicher vergangen …
Anpassung meiner Diabetes-Therapie
Meine Diabetes-Einstellung war nicht ganz optimal. Der frühe Start um 6 Uhr erfordert ein Frühstück unmittelbar vor dem Loslaufen, das mit einem kleinen Bolus bedacht werden muss (20% des normalen Bolus).
Doch ich frühstücke umfangreicher als vorgenommen, bin irgendwie verfressen: 6-7 BE, denen ich kurz vor dem Start noch einmal einen Apfel und eine Banane 2-3 BE folgen lasse, zur Sicherheit, denn mein Blutzucker war zu diesem Zeitpunkt erst auf 158 mg/dl, zu wenig angesichts des laufenden Bolus. Aus Angst vor eben diesem Bolus hatte ich auch meine bewährte starke Basalratenabsenkung von einer auf zwei Stunden verlängert.
Beides, die Sicherheits-BE vor dem Start und die zweistündige Basalabsenkung waren so nicht nötig: Die Sicherheits-BE hätte ich weglassen können, die Absenkung auf eine Stunde begrenzen. Denn nach dem Start steigt mein Blutzucker langsam, aber stetig bis auf 250 mg/dl an. Das ist zwar nicht schlimm, aber jeder Blutzucker über der Nierenschwelle wirkt beim Sport dehydrierend, sodass ich zwei kleine Korrekturboli abgebe, nicht nur um den Blutzucker zu senken, sondern auch um die dringend benötigte Nahrung aufnehmen zu können, ohne dadurch einen weiteren Anstieg auszulösen.
In Kombination mit der leicht angehobenen Basalrate (ca. 55%) führt diese zusätzliche Insulingabe von nur 1 IE zu einem fallenden Blutzucker, der es mir ermöglicht, an den wieder einmal toll bestückten Verpflegungsständen (beim Rennsteiglauf muss man außer Not-BE wirklich nichts mitnehmen!) viel Cola, aber auch den berühmten Haferschleim zu mir zu nehmen.
Im Ziel begegne ich den 2 BE der Zielverpflegung mit einem erhöhtem Bolus von 4 IE und einer zwischenzeitlichen Basalrate von 100%. Dabei stoppen die zusätzlichen 2 IE den bei mir typischen Anstieg im Ziel erfolgreich.
Erst nach einer Weile wirkt sich der Muskelauffülleffekt aus, sodass ich meine Basalrate wieder absenke: Mit 70% vermeide ich auch während der Nacht die ein oder andere drohende Hypo.
Das könnte Dich auch interessieren:
Tags: Diabetes, Laufbericht, Laufen, Ultra-Marathon, Wettkampf


Running on 12. June 2013
8.32 km in 00:47:06
Am 3. Oktober 2012 um 11:28 Uhr
[...] Laufen mit Diabetes -- Sport mit Insulin Anpassung meiner Diabetes-Therapie beim Sport (Laufen, Triathlon) « Punktlandung: Sub 7 beim Rennsteiglauf Supermarathon (Laufbericht) [...]