Sechs Schritte zur Anpassung meiner Diabetestherapie beim Sport

Einfach so loslaufen oder radeln, weil ich es halt gerade möchte, das geht leider nicht …
Doch das notwendige Vorausplanen und die gründliche Auswertung des Trainings bzw. Wettkampfs sind bereits die einzigen „Einschränkungen“, die mir mein Diabetes auferlegt.
Ansonsten gilt: Alles ist möglich! – Nur die Anpassung meiner Diabetes-Therapie muss irgendwie stimmen.


1. Die drei ???

Nur: Von was ist meine Therapieanpassung abhängig, von welchen Faktoren wird diese beeinflusst?
Um diese komplexe Frage zu beantworten stelle ich mir zunächst drei einfache Fragen:

a. Was möchte ich heute trainieren?

Als Erstes überlege ich mir, was ich heute trainieren möchte, und zwar hinsichtlich

  • der Sportart,
  • der Trainingsdauer
  • und der Intensität.

Vielleicht ist es für Nicht-Sportler überraschend, für alle anderen aber eine Binse, die jeder Sportler mit Diabetes, der verschiedene Sportarten betreibt, sicherlich bestätigen wird:
Der Energieverbrauch und die Insulinempfindlichkeit unterscheiden sich in den Sportarten massiv! Bei mir ergibt sich ganz klar folgende Reihenfolge: Die deutlichsten Therapieanpassungen (bei gleicher Dauer und Intensität!) erfordern  Schwimmen und Laufen, während Radfahren und insbesondere Krafttraining weniger starke Veränderungen erfordern.
So verbrenne ich unter vergleichbaren Bedingungen (Tageszeit, Basalrate, Abstand vom letzten Bolus) bei einer halben Stunde Laufen oder Schwimmen ungefähr drei BEs (1 BE = 12 g Kohlenhydrate), beim Radfahren zwei und beim Krafttraining lediglich eine.

In jedem Falle selbstverständlicher sind die beiden anderen Faktoren Trainingsdauer und Intensität. Dabei fällt es mir am leichtesten, die Trainingsdauer zu berücksichtigen, weil sich mein Energieverbrauch bei sich nicht verändernden Bedingungen (s. o.) in der Regel sehr linear verhält: Benötige ich für eine Stunde Sport 5 BEs, sind es für zwei Stunden 10, für drei 15 usw. Die Erfahrung einiger Marathonläufer, dass auf den letzten zehn Kilometern ihr Bedarf an Sport-BEs massiv steigt (wohl weil die Energiereserven der Muskulatur aufgebraucht sind), kann ich nicht bestätigen: Bei mir bleibt der Bedarf – glücklicherweise – konstant, widerspreche aber nicht der Möglichkeit, dass sich der Stoffwechsel bei anderen Menschen ganz anders verhält.

Schwieriger fällt mir die Einschätzung der Trainingsintensität: Während eine gemütliche Trainingseinheit im aeroben Bereich (keine Sauerstoffschuld, eine Unterhaltung mit einem Trainingspartner ist gut möglich) leicht einzuschätzen ist (gleichmäßiger Energieverbrauch bzw. linear fallender Blutzuckerspiegel), sind Trainingseinheiten an der anaeroben Schwelle bzw. im anaeroben Bereich kaum kalkulierbar: Mir scheint, als führe eine hohe Belastungsintensität zu einem geringeren Energieverbrauch und anaerobe Belastungen sogar zu einem leichten Anstieg des Blutzuckers.
Dieses Phänomen lässt sich wohl durch eine höhere Milchsäure-Konzentration im Muskel erklären, denn Lactat (= Milchsäure) senkt bekanntlich die Insulinempfindlichkeit. Aber auch mit diesem Wissen bin ich von meinen Blutzuckerverläufen bei sehr intensivem Training immer wieder überrascht, weil ich die Intensität oft nicht richtig beurteilen kann: Scheinbar habe ich oft kein Gefühl dafür, welche Lactatwerte bei welcher Intensität entstehen.
Sicherlich könnte ein pulsgesteuertes Training, das auf einer sportmedizinischen Leistungsdiagnostik beruht (hier werden sowohl die anaerobe Schwelle als auch die pulsabhängigen Lactatwerte bestimmt), mehr Klarheit bringen. Da ich aber derzeit sowohl Kosten wie Aufwand scheue (die Diagnostik müsste sportartspezifisch erfolgen und in regelmäßigen Abständen wiederholt werden), bleibt also nur trial and error: Ich versuche eine Einschätzung des Energiebedarfs vor dem Training und reagiere während (Blutzucker messen!) und nach dem Training, indem ich entweder zusätzlich esse oder – in der Regel nach dem Training (!) – meinen Blutzucker mittels eines Bolus entsprechend korrigiere.

b. Zu welcher Tageszeit trainiere ich?

Im Verlauf eines Tages schwankt die Insulinempfindlichkeit und damit der Insulinbedarf deutlich. Bei mir – und den meisten Menschen – ist die Insulinempfindlichkeit morgens am geringsten und steigt im Verlaufe des Tages an. Diese Insulinempfindlichkeit spiegelt sich sowohl in meiner Basalrate (morgens wird stündlich deutlich mehr Insulinabgegeben als abends) als auch in meinen BE-Faktoren: Decke ich beim Frühstück 1 BE mit 1,5 Einheiten Insulin ab, ist es abends ein Verhältnis von 1:1.
Parallel dazu steigt und fällt auch mein Energieverbrauch beim Sport: Ein einstündiger 12 Kilometer-Lauf gelingt morgens vor dem Frühstück mit einer zusätzlichen BE, während ich abends fünf Sport-BEs benötige.

c. Ist noch ein Insulin-Bolus unterwegs?

Diese letzte Frage ist vielleicht sogar die wichtigste, denn Sport während eines laufenden Bolus (sei es ein Mahlzeiten- oder ein Korrektur-Bolus) beeinflusst die Therapieanpassung massiv!

Beginnt ein Sportler ohne Diabetes zu trainieren, senkt sich der Insulinspiegel sofort stark. Diese an sich notwendige Reaktion unterbleibt beim Diabetiker, weil wir unser Insulin normaler Weise nicht intravenös verabreichen (hier wäre aufgrund der kurzen Halbwertszeit des Insulins im Blut eine ähnliche Reaktion provozierbar), sondern ins Unterhautfettgewebe spritzen, aus dem das Insulin in einem Stunden dauernden, kurzfristig nicht beeinflussbaren Resorbtionsprozess abgegeben wird. Mit anderen Worten: Einmal abgegebenes Insulin wirkt auch dann, wenn wir es gar nicht mehr brauchen – und unsere unvermeidbaren Hypos erinnern uns immer wieder daran, dass das so ist …

Beginne ich also zu trainieren, während noch Bolus-Insulin unterwegs ist, verstärken sich zwei Aspekte: Das resorbierte Bolus-Insulin trifft auf eine durch den Sport gesteigerte Insulinemfindlichkeit und muss mit einer besonders großen Menge Sport-BEs abgefedert werden. Bei mir verdreifacht (!) sich teilweise bei einem „laufenden“ Bolus die Menge der notwendigen Kohlenhydrate: Eine halbe Stunde Laufen kostet dann nicht drei, sondern bis zu neun Sport-BEs! Dabei werden umso mehr Kohlenhydrate verbrannt, je näher mein Sport an den Zeitpunkt des Bolus‘ heranrückt. Und auch wenn die Wirkkurven der schnellwirkenden Analog-Insuline suggerieren, das nach drei Stunden der Bolus komplett abgebaut ist, beweist mein Blutzuckerlauf während des Sports, das ein Bolus auch noch nach fünf bis sechs Stunden (!) seine Sport-BEs einfordert.


2. Blutzucker messen

Für mich ist eine Blutzuckermessung vor dem Sport unabdingbar. Denn ohne diese weiß ich nicht, ob der unverzichtbare Sicherheitspuffer nach unten gegeben ist, um nicht in den ersten Minuten meines Trainings in eine Hypoglykämie abzurutschen. Zum anderen muss ich auch eine Ketoazidose (absoluter Insulinmangel) ausschließen, weil diese – und im gesteigerten Maße durch Sport – eine lebensgefährliche Bedrohung ist.

Deshalb halte ich mich an folgende Regeln:

I. Start nur mit einem Blutzucker von mindestens 150!

II. Ist mein Blutzucker größer als 250, überprüfe ich zusätzlich Ketone (im Urin, besser noch im Blut).
Sind diese negativ, steht dem Sport auch ein hoher Blutzuckerwert nicht im Weg …


3. Die für das geplante Training spezifische Therapieanpassung entwickeln und durchführen

Abhängig von meinen Vorüberlegungen und dem gemessenen Blutzucker entwerfe ich eine Therapieanpassung, mit der Sport ohne Hypo möglich ist. Da diese Anpassungen von Training zu Training aufgrund der vielen beeinflussenden Faktoren sehr unterschiedlich ist, gibt es keine Patentrezepte, sondern lediglich Beispiele, die erfolgreiche ebenso wie erfolglose Versuche dokumentieren.

(Wer sich einen Überblick über die Versuche verschaffen will, die ich in diesem Blog dokumentiert habe, benutze die Suchfunktion mit dem Begriff „Diabetes-Anpassung“ oder klicke hier: Suche nach: Diabetes-Anpassung.)

Daneben haben sich zwei Prinzipien heraussgemendelt, die ich eigentlich sehr konsequent durchführe:

  • Bei einem Training von weniger als einer Stunde Dauer ändere ich nicht meine Basalrate, sondern esse die notwendigen Sport-BEs vorher.
  • Bei längeren Trainingseinheiten (mehr als eine Stunde) reduziere ich meine Basalrate (je nach Trainingsvorhaben und Tageszeit um 20 bis 50%; auch der Zeitpunkt der Reduktion richtet sich nach den genannten Faktoren und liegt zwischen 5 und 90 Minuten vor dem Training).
    Zudem esse ich die für die erste Trainingsstunde vorgesehenen Sport-BEs vor dem Training, die für die weiteren Stunden notwendigen Kohlenhydrate esse bzw. trinke ich währenddessen.
  • Während der Belastung messe ich meinen Blutzucker und überprüfe die Angemessenheit meiner vorgenommenen Therapieanpassung und ziehe notwendige Konsequenzen (diese sind essen, nicht essen oder einen Bolus geben, je nach gemessenen Blutzucker-Wert).
    Meine Faustregel für die Messzeitpunkte:
    Messe immer genau dann, wenn Du nicht weißt, wie hoch Dein Blutzucker gerade ist bzw. wie er sich derzeit entwickelt!


4. Lieber zu hoch fliegen – Not-BEs sind immer dabei!

Um sicher zu gehen, nicht irgendwann bewustlos im Wald liegen zu bleiben, stelle ich meinen Blutzucker immer mit einem ausreichenden Sicherheitspuffer ein: Bei einem Wert unter 150 nehme ich sofort Nahrung zu mir, bei einem Wert unter 100 unterbreche ich mein Training.

Damit dies überhaupt möglich ist, habe ich stets die dreifache Menge der „normalerweise“ benötigten Sport-BEs dabei. Dazu gehören auch eine ausreichende Menge Hypohelfer (Vorsicht bei Sportgels, die ausschließlich aus Maltodextrin bestehen: Diese sind hervorragende Gels für die normale Versorgung, bei einer Hypo sind sie jedoch nicht erste Wahl, weil sie zu langsam ins Blut gehen), je nach Dauer habe ich ausreichend Cola, Jubin, PowerBar-Gels o. ä. dabei, um notfalls zwei bis vier Unterzuckerungen sicher begegnen zu können.


5. Und nach dem Sport?

Auch nach dem Sport messe ich erst einmal meinen Blutzucker und überlege mir die nun notwendige erneute Therapieanpassung, die den blutzuckersenkenden Muskelauffülleffekt nach dem Sport berücksichtigt:

  • Bei einem zu hohen Wert korrigiere ich sehr vorsichtig (eine bis zwei Einheiten weniger, als der Korrekturfaktor eigentlich vorsieht),
  • bei einem normoglykämischen Wert esse ich ein bis zwei BEs ohne Bolusabgabe, um dem blutzuckersenkenden Muskelauffülleffekt ausreichend Futter zu geben, und
  • falls ich richtig Hunger habe, berechne ich meinen normaler Weise benötigten Bolus, reduziere diesen aber – wie beim Korrekturfaktor beschrieben – um ein bis zwei Einheiten.
  • Hatte ich meine Basalrate für das Training reduziert, so lasse ich diese noch einige Stunden (abhängig von Dauer und Intensität des Trainings) um 10% reduziert weiter laufen.


6. Training macht den Meister

Zuletzt kommt der vielleicht wichtigste Schritt, möchte man seinen Diabetes auch beim Sport wirklich packen: Die Auswertung des Erfolgs oder Misserfolgs der Therapie-Anpassung. Denn ausschließlich das Überprüfen der getroffenen Entscheidungen und das dadurch ausgelöste Lernen ermöglichen, nach und nach besser zu verstehen, wie der eigene Körper mit samt seinen komplexen Stoffwechselvorgängen funktioniert.

Deshalb dokumentiere ich mein Training und die vorgenommenen Anpassungen, um Erfolge wiederholen und Misserfolge vermeiden zu können. Dadurch lerne ich aus jedem Training etwas über mich und meinen Diabetes und werde zugleich sicherer in der Einschätzung dessen, was nötig ist, um sowohl sicher als auch mit großem Spaß Sport zu treiben!

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29 Reaktionen zu “Sechs Schritte zur Anpassung meiner Diabetestherapie beim Sport”

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    Kommentar(e)
  1. Annette Schemm

    Das war doch mal ein sehr informativer Artikel, gleich bin ich guter Hoffnung den Berlin Marathon doch zu schaffen.Danke

  2. Andreas

    Liebe Annette,
    vielen Dank für das Kompliment. Zum diesjährigen Berlin-Marathon bin ich auch angemeldet. Vielleicht laufen wir uns ja über den Weg?
    Viel Spaß und Erfolg jedenfalls bei der Vorbereitung,
    Andreas

  3. Kathrin

    Hallo erstmal,
    ich laufe seit ungefähr Mai diesen Jahres. Und hatte am Anfang richtig Probleme nach dem Laufen. Am Anfang hatte ich nämlich nur die Basalrate an meiner Pumpe gesenkt, inzwischen lauf ich ganz ohne Pumpe.
    Natürlich achte ich auf meinen BZ vorher. Er sollte bei mir auch nicht unter 120 sein, habe ich gemerkt. Perfekt zum laufen für mich ist ein Wert von 190. Wenn ich daheim bin, ist der BZ meist um die 80. Dann gibts auch erstmal ne Kleinigkeit zu essen. Und je nachdem was es Abends zu essen gab, wird gar kein Boli abgegeben. Dafür läuft die Basalrate der Pumpe normal weiter.

    Gruß aus Franken
    Kathrin

    P.S. BZ-Gerät nehm ich net mit, aber Traubenzucker ist immer dabei.

  4. Andreas

    Hallo Kathrin!

    Danke für Dein hilfreiches Beispiel -- wie Du zeigst, ist auch das ein guter Weg, Laufen und Diabetes zu ermöglichen. Bei Läufen bis einer Stunde ist das Ablegen der Pumpe auch sicherlich kein Problem -- es gibt sogar Läufer, die einen ganzen Marathon ohne Pumpe absolvieren …
    Allerdings sollte man immer wissen, dass man bei längeren Läufen irgendwann einen absoluten (!) Insulinmangel riskiert und in eine Ketoazidose hineinläuft!!!

    Da ich ein Vorsichtskaspar bin, würde ich die Pumpe nicht daheim lassen (eher für die Zeit stoppen) -- oder zumindest ein Handy mitnehmen.
    Denn was ist, wenn ich irgendwo in der Natur (ich laufe viel im Wald) nicht mehr weiterkann, z. B. weil ich mich verletzt habe (ein Bekannter meines Vaters ist mal fünf Stunden lang nach Hause gerobbt, weil er einen Bandscheibenvorfall im Wald hatte und nicht mehr stehen konnte …). Dann ist nach gar nicht allzu langer Zeit kein Insulin mehr im Körper und die unter Umständen lebensbedrohliche Ketoazidose setzt ein. Sicherlich ein Worst-Case-Szenario, aber wie gesagt, ich bin halt ein Sicherheitsfanatiker.
    Wer nur im Stadtpark joggt, riskiert natürlich nichts, denn da ist Hilfe immer auf Rufweite.

    Gruß, Andreas

  5. Kathrin

    Handy ist eh immer dabei. Hör ja meine Musik beim Laufen drüber.
    Und das Novo Rapid Insulin hat ja eine Wirkungsdauer von 2,5 Stunden. Von da her kann auch nicht so schnell was passieren.

    Gruß aus Franken

  6. Sven

    Hallo Andreas,

    erstmal Wow zu deinen Leistungen und dann Danke für die Vielen tollen Tipps.
    Ich bin seit gut 12 Jahren Typ1 (ICT mit Pen Lantus und Novorapid)

    Ich hab mir schon oft gedanken über eine Pumpe gemacht, habe aber angst das ich viel Freiheit verliere und noch ein Gerät ständig bei mir tragen muss.

    Ich Laufe seit März dieses Jahr und weiß das ich „mein“ Hobby gefunden habe und unbedingt ein Marathoni werden will.
    Frage mich allerdings ob es wirklich sinnvoll ist Pumpenlos zu bleiben?

    VG Sven

  7. Jan

    Danke für die nützlichen Tipps….ich bin auch ein passionierter Läufer…

  8. Andreas

    @Sven:
    Upps… da habe ich ja tatsächlich einen Kommentar übersehen. 🙁

    Pumpenlos ginge für mich nicht mehr:
    Bei meinem ersten Marathon war ich auch auf Lantus … und das möchte ich nie wieder erleben. Mein Eindruck ist, dass Lantus das für Sport ungeeignetste Langzeit-Insulin ist: Das Depot wird, so wie ich das erlebt habe, bei Sport (und entsprechender Durchblutung) schneller resorbiert als ohne Bewegung. Die Konsequenz (die vor allem bei langen Läufen und im Wettkampf auftrat): Selbst Reduktionen um 70% auf 30% der normalen Lantus-Dosis am Abend (was zu einem Weckerstellen führte, um um 4 Uhr den zu diesem Zeitpunkt bereits deutlich angestiegenen Blutzucker zu korrigieren) verhinderten NICHT eine Unterzuckerung bzw. massive Kohlenhydrataufnahme während des Laufens. Dafür kam ich dann am Abend (auch wenn ich nicht reduzierte!) in ein Loch und hatte massive BZ-Anstiege, wo doch eigentlich der Muskelauffülleffekt wirken sollte. Mit anderen Worten: Dann wenn ich wenig Insulin im Körper haben wollte, wurde Lantus resorbiert, dann wenn ich Lantus brauchte, war es schon verbraucht.
    Hinzu kommt, dass die Resorbtionsdauer von Lantus unerträglich lang ist, bis zu drei Tage werden noch Reste resorbiert (ich wurde deshalb eine Woche vor meiner Umstellung auf die Pumpe von Lantus auf Levemir umgestellt, damit überhaupt eine vom langwirkenden Insulin unbeeinflusste Basalratenfindung möglich ist).
    Mein Fazit also: Eine kalkulierbare Einstellung mit wechselndem basalen Bedarf ist mit Levemir kaum möglich! Wenn Du jedoch sportlich nicht aktiv bist (ein Bekannter sagte vorhin am Telefon zu mir: Lantus eignet sich hervorragend zum ganztägigen Sportangeln) und nicht oder nur wenig an der Basalschraube drehst, dann ist Lantus sicher sinnvoll. Für mich war’s eine Katastrophe!

    Deshalb wäre ich nach meinem ersten Marathon auf jeden Fall auf Levemir umgestiegen, weil Levemir kein Depot im Unterhautfettgewebe bildet und daher nicht durchblutungsabhängig resorbiert wird, oder -- noch wahrscheinlicher -- wäre zu den gewöhnlichen NPH-Verzögerungsinsulinen wie Protaphane zurück gekehrt, denn mit diesen kann ich meinen Basalbedarf relativ zeitnah anpassen. Dafür nehme ich dann auch zwei- oder gar dreifaches Spritzen gerne in Kauf.

    Noch einfacher gestaltet das natürlich eine Pumpe. Hier kann ich wirklich absolut zeitnah meine Basalrate reduzieren … oder sogar ausschalten! Die Möglichkeiten einer Pumpe sind für Ausdauersportler geradezu ideal, wie ich finde.

    Viele Grüße und sorry noch einmal für den übersehenen Post,
    Andreas

    @Jan:
    Danke für das nette Lob und Dein knappes Statement.

  9. Steff

    Danke für diesen Beitrag! Finde mich da wieder. Außerdem habe ich viel daraus gelernt. Vor allem das mit dem Lactattest/Leistungsdiagnostik fand ich interessant. Hatte ja überlegt vor meinem nächsten Marathon eine Leistungsdiagnostik machen zu lassen, bin mir aber nicht sicher, wie sinnvoll das ist und ob sich das lohnt… gerade für Typ-1-Diabetiker. Was wenn der Zucker dabei entgleist, wird dann das Ergebnis verfälscht? (Dumme) Fragen über Fragen…

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