Neue Grundsatzartikel zum Thema Diabetes und Sport
Donnerstag, den 4. Dezember 2008In den letzten Wochen habe ich zwei längere Artikel geschrieben und inzwischen online gestellt, die für Sportler mit Diabetes sicherlich interessant sind:
In den letzten Wochen habe ich zwei längere Artikel geschrieben und inzwischen online gestellt, die für Sportler mit Diabetes sicherlich interessant sind:
Seit vielen Trainingseinheiten und Wettkämpfen (Marathon, Triathlon) bin ich ein begeisterter Benutzer des Freestyle Navigators der Firma Abbott und habe die großen Vorteile der CGM-Systeme (CGMS) schätzen gelernt. Dennoch gibt es einige Punkte, die im Zusammenhang mit Sport beachtet werden sollten, Punkte, die so nicht in den Bedienungsanleitungen zu finden sind.
Auch wenn die Hinweise sich aufgrund meiner Erfahrungen auf den Abbott Freestyle Navigator beziehen, lassen sich diese zumindest zu einem großen Teil auf vergleichbare Systeme übertragen.
1. Befestigung des Senders
Leider ist das Sensorträgerpflaster derzeit einer der wenigen Schwachpunkte des Abbott Freestyle Navigators, denn es löst sich (nicht nur bei einem sportlichen Lebensstil!) oft deutlich vor Ende der fünftägigen Liegedauer. Daher sollte der Sensor samt Sender unbedingt zusätzlich fixiert werden.
Bewährt hat sich eine zusätzliche Sicherung mit dem äußerst hautfreundlichen Fixomull stretch:
Von der 5 cm breiten Rolle schneide ich einen 11 cm und einen 14 cm langen Streifen ab. Den kürzeren Streifen klebe ich – nachdem der neue Sensor vom System erkannt worden ist – zunächst quer über den Sender, ehe ich den längeren längs, also von oben nach unten anbringe.
So sind Sensor und Sender bei heftigen Bewegungen und starker Schweißbildung sicher fixiert. Selbst einen Mitteldistanz-Triathlon über 2,2 km Schwimmen, 90 km Radfahren und 20 km Laufen bei strömenden Regen überstand diese Klebetechnik problemlos, sodass ich den Sensor wie vorgesehen fünf Tage am Stück tragen konnte.
2. Anlegen eines Sportprofils
Meine Alarme programmiere ich vor dem Sport um. Statt der üblichen Grenzen von 80 mg/dl für den Alarm „Niedrige Glukose“ und 180 mg/dl für den Alarm „hohe Glukose“, setze ich die Werte
• 120 mg/dl für „Niedrige Glukose“ und
• 250 mg/dl für „Hohe Glukose“.
• Den Voralarm „Erwartete hohe Glukose“ deaktiviere ich.
Diese Einstellungen bieten folgende Vorteile:
Da der Blutzuckerabfall beim Sport oft sehr schnell erfolgt und umgekehrt die Verdauung deutlich träger reagiert, ist eine möglichst frühzeitige Warnung vor Hypoglykämien notwendig. Mit einem Wert von 120 mg/dl für den Alarm „Niedrige Glukose“ bleibt selbst mit Erreichen des Grenzwerts noch genügend Zeit, mittels schnell wirkender Kohlenhydrate trotz trägem Magen gegenzusteuern, ohne den Sport zu unterbrechen.
Umgekehrt lassen sich hohe Werte je nach Betätigung kaum vermeiden, sind – in gewissen Grenzen – als Sicherheitspuffer vor einer Unterzuckerung sogar erwünscht. Da ich vor jeder sportlichen Betätigung einen Ausgangsblutzucker von 150 bis 200 mg/dl anstrebe, sind die 250 mg/dl ein vernünftiger Kompromiss für die obere Alarmschwelle.
Dass ich auf den Voralarm „Hohe Glukose“ verzichte, ist ein Erfahrungswert. Gerade beim Sport schwanken die Blutzucker immer wieder, denn die schnell wirkenden Sport-BEs (Energie-Gels, Cola o. ä.) führen zu einem deutlichen Blutzuckeranstieg. Auf die nervtötenden Warnungen des Geräts, dass bei fortgesetztem Anstieg in 30 Minuten eine Hyperglykämie drohe, kann ich getrost verzichten, denn genau diese Erhöhung des Blutzuckers habe ich ja absichtlich mit meinen Sport-BEs ausgelöst!
3. Sport mit Alarm, Trendpfeilen und detaillierter Dokumentation: Genial einfach – einfach genial!
Nach diesen „Vorarbeiten“ steht dem Sportgenuss eigentlich nichts mehr im Wege, denn CGM-Systeme (CGMS) erleichtern Sport mit Diabetes ungemein. Endlich kann ich so Sport treiben, wie ich will, ohne fortwährend in meinen Körper hineinhorchen zu müssen, wie er sich gerade fühlt, insbesondere ob eventuell der diabetische Super-GAU, eine Hypoglykämie, droht. Denn das übernimmt für mich der Freestyle Navigator: Er warnt mich, lange bevor ein Leistungsabfall eine drohende Hypoglykämie ankündigt. Und das ohne zeitraubende Boxenstopps zum Blutzuckermessen. Mit anderen Worten: Zumindest mein Diabetes bremst mich nicht mehr!
Aber auch abgesehen von den Alarmen bin ich über meinen Blutzuckerverlauf stets im Bilde. Ein waagerechter Pfeil signalisiert, dass sich der Blutzucker derzeit kaum verändert, einen mäßigen Anstieg bzw. Abfall zeigen Pfeile im 45°-Winkel auf- oder abwärts, während senkrechte Pfeile auf sehr rasche Veränderungen hinweisen. Durch diese Trendpfeile weiß ich stets, wie sich mein Blutzucker in der nächsten Zeit entwickeln wird und kann über Therapieanpassungen frühzeitig und deutlich differenzierter und vor allem angemessener entscheiden, als mit einer herkömmlichen, punktuellen Messung.
Ein Beispiel: Zwanzig Minuten vor Ende des Trainings messe ich einen scheinbar perfekten Wert von 132 mg/dl, einen Wert, der es zu ermöglichen scheint, sich zum Abschluss noch einmal richtig zu verausgaben. Doch erst der mit der Messung verbundene Trendpfeil zeigt, wie gefährlich diese Deutung daneben liegt: Der Blutzucker fällt zum Zeitpunkt der Messung stark und ohne eine sofortige Zufuhr von schnell wirkenden Kohlenhydraten würde der Endspurt aufgrund einer Unterzuckerung seinem Namen mehr als gerecht, er wäre nämlich sehr schnell zu Ende. Hätte der Trendpfeil hingegen einen stabilen Verlauf oder sogar eine leicht steigende Tendenz signalisiert, wäre eine zusätzliche Nahrungsaufnahme nicht notwendig gewesen.
Ein weiterer, nicht zu unterschätzender Vorteil ist die Abbildung des aus den minütlichen Messungen ermittelnden Blutzuckerverlaufs in einem Kurvendiagramm, das ich sowohl auf dem Display des Empfängers ansehen als auch am PC auswerten kann. Damit fällt eine Überprüfung der erfolgten Therapieanpassungen leicht und die Einstellung meines Diabetes kann von Training zu Training und von Wettkampf zu Wettkampf besser gelingen …
Nachtrag 05.01.2009
Ein kleiner Wehmutstropfen bleibt allerdings: Nicht nur das Pflaster, auch die Hardware des Abbott Freestyle Navigator scheint einem intensiven Lebensstil nicht immer gewachsen, denn ich habe bereits drei Mal den Navigator tauschen müssen.
Zwar wurden mir jedesmal das System ersetzt, beim zerbrochenen Display aber sehr genau überprüft, ob mir das Gerät herunter gefallen sei und ob das noch unter die Gewährleistung falle.
Dieses Prüfen einer Gewährleistungspflicht und Ersetzen aus Kulanz widerspricht Aussagen des Abbott-Kundendiensts und des Außendiensts, die noch im Zeitraum Juni-Juli 2008, also unmittelbar vor meinem Kauf, damit warben, dass bei Schäden egal welcher Art während und auch nach der Garantiezeit der Navigator selbstverständlich ausgetauscht würde. Denn genauso wie bei den anderen Blutzuckermessgeräten werde mit den Sensoren verdient.
Jetzt heißt es bei der Hotline, dass falls ein Ball den Navigator treffe und beschädige oder der Navigator durch Stürze beschädigt würde, dieser nicht ersetzt werde, da es nicht unter die Gewährleistung falle.
Sollte diese Aussage wirklich die Praxis sein bzw. werden und die Anfälligkeit des Systems sich weiterhin bestätigen, dann kann – wenn man nicht bereit ist, in regelmäßigen Abständen ca. 1000 Euro für das System hinzublättern – von einer Verwendung der derzeitigen Version des Freestyle Navigators zumindest bei Sportarten mit Gerätebruchrisiko nur abgeraten werden!
Ich werde diesen enttäuschend widersprüchlichen Aussagen weiter verfolgen und über eventuelle Reaktionen informieren.
Nachtrag 12.05.2009
Leider war mein Navigator Empfänger schon wieder kaputt.
Und wieder kann ich mir nicht erklären, warum. Ich war den Vormittag in der Schule, habe Musik unterrichtet und weder hat mir ein Schüler ein Bein gestellt noch bin ich gegen den Flügel gelaufen.
Aber Glück im Unglück: Der Navigator wurde anstandslos gegen die neue Version 1.5 ausgetauscht.
Das bedeutet:

Diese neue Version ist also letztlich lediglich ein Firmware-Update und leider kein neues Gerät. Denn das Gehäuse ist – und das gesteht Abbott indirekt mit der neuen Plastikschutzhülle ein – nicht oder nur bedingt alltagstauglich. Es bleibt ein Rätsel, warum den überragenden Features dieses CGMS-Systems keine hochwertigere Gehäuse beschert worden ist.
Nachtrag 18.04.2010
Wie schon in dem Beitrag Sensorplatte des Freestyle Navigators mit neuem Klebstoff? » beschrieben, wurde die Sensorplatte zwischenzeitlich mit einem neuen, viel besser klebenden Pflaster versehen, sodass die oben beschriebene “Super-Fixierung” meist nicht mehr nötig ist: Das Pflaster hält bei mir ohne zusätzliches Fixomull stretch jetzt die offiziellen 5 Tage Liegedauer locker durch, auch bei täglichem Schweiß treibenden Training inklusive Schwimmen.
Lediglich bei Wettkämpfen fixiere ich noch mit dem oben beschriebenen Verfahren, da ich hier auch verhindern möchte, dass sich der Sender von der Trägerplatte löst, was bei Schlägen auf den Arm leicht passieren kann.
Nach der überraschenden Bestzeit beim Lübeck-Marathon habe ich einen Monat mehr oder weniger regeneriert:
Wichtig war dieser Monat, weil zum einen der Körper die Gelegenheit benötigt, all das zu reparieren, was durch das intensive Sportjahr in Mitleidenschaft gezogen war (auch wenn ich gar nicht sagen kann, was das genau war), zum anderen weil meine Motivation durch das bewusste Zurückhalten enorm gewachsen ist: Ich habe wieder richtig Lust zu trainieren!
Bezahlt habe ich diesen Monat auf überwiegend körperlicher Sparflamme mit einer sehr wechselhaften Stoffwechseleinstellung, denn meine Basalrate ist auf das fast tägliche Training abgestimmt und bietet derzeit keinen wirkliche Basis: Kleinere Berg- und Talfahrten meines Zuckers waren die zwangsläufige Konsequenz.
Aber das hat jetzt ein Ende, denn es geht wieder los und wichtige Pläne sind gefasst: Statt des Hamburg Marathons sind zwei Ultraläufe die Höhepunkte des Frühjahrs 2009, die 51 km lange Harzquerung am 26. April und der Rennsteiglauf (72 km) am 16. Mai 2009. Zuvor laufe ich nach dem Trierer Sylverster Lauf als Vorbereitung den familiären Plänterwaldlauf (15.2.) und den Berliner Halbmarathon (5.4.), bei dem eigentlich eine neue Halbmarathon-Bestzeit fallen sollte. Auch bei den 25 km von Berlin (jetzt “BIG…25! Berlin”) am 10. Mai werde ich vermutlich starten, weil die IDAA wieder Ihre vorbildliche Diabetikerbetreuung aufnimmt, allerdings als Regenerationslauf im 6-Minuten-Schnitt, denn eine Woche danach ist ja bereits der Rennsteiglauf …
Mal sehen, ob das alles so klappt, ich freu mich jedenfalls darauf!
Nach der überraschenden 10 km-Bestzeit beim Asics Grand 10 hatte ich mich spontan entschlossen, doch noch einen letzten Marathon vor der Winterpause zu laufen, denn ich dachte, da sei vielleicht noch eine ganz gute Zeit drin. Aber sicher war ich mir dessen nicht, insbesondere weil ich seit dem BerlinMan Ende August nicht wirklich zielgerichtet trainiert habe. Zwar kommen schon einige Läufe, Schwimm- und Rad-Trainingseinheiten auf der Rolle zusammen, aber eher nach dem Lust-und-Laune-Prinzip, nicht nach einem zielgerichteten Plan.
Und so habe ich mich kurzfristig für den Lübeck Marathon entschieden, weil er
a) einer der wenigen Marathons ist, die im späten Herbst überhaupt noch stattfinden, und weil er
b) für mich sehr unaufwändig von Hamburg aus zu erreichen ist.
Nein, selbstverständlich lassen sich diese beiden Veranstaltungen nicht vergleichen, zu groß sind die Unterschiede. – Doch gerade diese sind so aufschlussreich, dass ich beide, den Marathon und den 10 Kilometer-Lauf, nebeneinander stellen möchte. [Artikel weiter lesen ...]