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Archiv des Tags ‘Laufen’

Warum dieser Blog? Meine kleine Lebensgeschichte

Mittwoch, den 17. Oktober 2007

Bereits als Jugendlicher entdeckte ich das Laufen. Auslöser war der 1. Trierer Stadtlauf, den meine Heimatstadt Trier anlässlich ihrer 2000-Jahrfeier veranstaltete. Die Begeisterung beim Zuschauen an der Strecke steckte so sehr an, dass ich mir ein paar Laufschuhe kaufte – Adidas “New York” (Nomen est omen!) – und anfing zu trainieren. Denn beim nächsten Stadtlauf wollte ich unbedingt dabei sein!

Und ein Jahr später, 1985, war es so weit: Mit dem 2. Trierer Stadtlauf über die Halbmarathondistanz startete ich in mein “Läuferleben”. Bis 1988 folgten vier weitere Stadtläufe (mit einer Bestzeit von 1:24), zahlreiche 10km- und 15km-Läufe sowie einige Crossläufe. Außerdem startete ich zweimal bei Kurz-Triathlons mit guten Platzierungen in meiner Altersklasse (jeweils 2. Platz).

Doch damit war drei Jahre später Schluss:
Diagnose “Diabetes”.

Schon vorher hatte ich mich wochenlang komisch gefühlt, großer Durst und stündliches Wasserlassen, Juckreiz und zuletzt Sehstörungen – die typischen Symptome eines nicht behandelten Diabetes. Am Tag der Diagnose wurde ich auf Insulin eingestellt, mischte ab sofort zweimal täglich Actrapid und Protaphan, ein Normalinsulin und ein Verzögerungsinsulin, und musste mich an einen strengen Diätplan mit geringem Kohlenhydratanteil halten (15 BEs – die sogenannten Broteinheiten – verteilt auf den ganzen Tag).
An Laufen im bisherigen Umfang war nicht zu denken: Ich unterzuckerte schnell, konnte kaum dagegen anessen und musste ständig meine Laufeinheiten zum Traubenzucker-Kauen unterbrechen (sehr unangenehm mit einem vom Sport trockenen Mund!).
Kompetente ärztliche Betreuung? – Leider Fehlanzeige: Keiner erklärte mir, wie Diabetes und Sport funktioniert. Und die 1988 noch nicht besonders zahlreiche Literatur problematisierte das Sporttreiben mit Diabetes, ohne Lösungen zu zeigen. Intensiver Ausdauersport, das wurde mir sehr schnell klar, schien unmöglich!

17 Jahre später wollte ich es aber wieder wissen!

Eine berufliche Neuorientierung (spricht man eigentlich inzwischen von “Lebensabschnittsberufen”?) ging einher mit dem unbedingten Wollen, wieder intensiv Sport zu treiben.
Meine Diabetes-Einstellung hatte sich inzwischen komplett geändert: Kein fester Diätplan, sondern größtmögliche Flexibilität im Umgang mit Essen (sowohl hinsichtlich der Uhrzeiten, der Menge und der Art der Lebensmittel) war inzwischen möglich (Stichwort: ITC), ein kurzwirkendes Analoginsulin (Humalog – das aber immer noch vier Stunden in meinen Körper vorhält) und länger wirkende Verzögerungsinsuline (Lantus und später Levemir) trugen ebenso zu einem “normaleren” Leben bei.
Bei einer solchen Einstellung, so dachte ich, sollte Sport doch eigentlich kein Problem sein …
Also begann ich zu trainieren, steigerte meine Kilometer-Umfänge und lernte mich und meine Krankheit neu kennen:

  • Ich lernte, wieviele BEs ich für welche Entfernung brauche,
  • ich lernte, dass Energie-Gels schneller wirken und leichter zu schlucken sind als Traubenzucker,
  • zudem auch leicht zu transportieren,
  • ich lernte, dass das einzige Energie-Gel, was mir einiger Maßen schmeckt, nur schwer zu bekommen ist (Hammergel, Geschmack: Esspresso),
  • ich lernte im Laufen meinen Blutzucker zu messen, ohne das Tempo zu variieren (Messgerät: Freestyle Mini/Lite),
  • ich lernte, ab welcher Entfernung ich mein langwirkendes Insulin reduzieren muss (und dass ich mir deshalb schon am Abend vorher überlegen muss, wann und wieviel ich am nächsten Tag laufen werde),
  • ich lernte, dass ich nicht kurz nach einer Mahlzeit laufen sollte, zumindest dann nicht, wenn ich dafür kurzwirkendes Insulin abgegeben habe (dann lieber kein Insulin oder eine deutlich reduzierte Dosis),
  • ich lernte vieles und noch viel mehr, vor allem aber:

DASS ES MÖGLICH IST, ALS DIABETIKER 42 KILOMETER AM STÜCK ZU LAUFEN!

Als Motivationshilfe meldete ich mich für den Berlin Marathon 2005 an, lief ihn durch (ohne Quälerei), musste aber erkennen, dass …

  • trotz Reduktion des langwirkenden Insulins am Abend vorher um 70% (um drei Uhr nachts habe ich deshalb noch einmal meinen Blutzucker kontrolliert und korrigiert) und …
  • trotz Frühstück um fünf Uhr (damit das kurzwirkende Insulin nicht mehr beim Start um neun Uhr wirkt) …

ich eine Unmenge Kohlenhydrate während dem Lauf benötigte. Mir kam es vor, als würde ich nicht laufen, sondern ausschließlich gegen meinen sinkenden Blutzuckerspiegel kämpfen: Insgesamt 36 BEs habe ich vertilgt (für Nicht-Diabetiker: Das sind vier riesengroße Teller Spaghetti!). – Vielleicht gibt es ja Läufer, die ein solch üppiges Mahl während eines Marathonlaufs schätzen. Mein Magen tat es jedenfalls nicht!
Und so wären meine sportlichen Ambitionen, trotz einer passablen Zeit von 4:06, ein zweites Mal jäh beendet gewesen, wenn ich nicht auf der Marathon-Messe in Berlin auf einen kleinen Informationsstand gestoßen wäre.

Ulrike Thurm und die IDAA zeigten mir, wie’s besser geht!

Dieser Stand eröffnete mir ein neues Leben mit meiner Krankheit. Erst einmal wurde ich von der Diabetes-und-Sport-Spezialistin Ulrike Thurm für meinen ersten Marathon gut beraten und erfuhr von der perfekten Betreuung durch die IDAA während des Laufs (alle 8km befanden sich Stände, an denen man seinen Blutzucker messen lassen und BEs deponieren konnte – ich weiß gar nicht, wie ich meine vier Teller Nudeln sonst transportiert hätte ;-) …).
Darüber hinaus – und das war der Hinweis meines Lebens! – wurde mir eine Insulinpumpe nahe gelegt, denn erst mit einer Pumpe könne man seine Einstellung wirklich problemlos, kurzfristig und effektiv realisieren.
Gesagt, getan und seitdem konnte mein Magen herausfinden, wie herrlich es ist, nur 4-6 BEs verdauen zu müssen! – und das ohne nachts aufzustehen, um zu messen, um fünf Uhr frühstücken usw.!

Unmittelbar nach dem ersten Marathon 2005 auf Pumpe umgestellt, genieße ich jetzt mein viel unbeschwerteres Leben, in dem Sport eine große Rolle einnimmt – ohne zum Problem zu werden.

Neue Pläne: Ultramarathons

Und da mein diesjähriger Berlin Marathon 2007 mit einer für mich sensationellen Zeit endete (3:19:20), habe ich bereits neue Pläne gefasst: Neben diversen Marathons (Hamburg, Berlin – langfristiger Plan unter drei Stunden) sind das vor allem der Rennsteiglauf (72km durch den Thüringer Wald) und der Swiss Alpine Marathon in Davos (78km mit 2320 Höhenmetern). Ob das alles klappt, darüber möchte ich hier berichten.

Gründe für den Blog: Diabetikern Mut machen, Sport zu treiben, und bei den notwendigen Therapieanpassungen ein Beispiel zur Orientierung bieten

Vor allem aber möchte ich mein Training dokumentieren und notieren, wie ich dabei meinen Diabetes einstelle, was für Konsequenzen ich aus Fehlern ziehe und welche Maßnahmen sich bewähren.
Dies mache ich nicht nur, um an meinem Beispiel zu zeigen, wie Sport mit Diabetes möglich ist, sondern auch, um Mut zu machen, es einfach zu probieren.

Wichtige Grundlagen dazu enthält dieser Beitrag:

—————————————–

Tipps und ein Dankeschön:
Ulrike Thrum ist die Vorsitzende der IDAA, der Internationalen Vereinigung diabetischer Sportler (www.idaa.de), und hat ein sehr lesenwertes Buch geschrieben:

Sowohl Ulrike Thurm als auch der Verein und ihr Buch sind kompetente Ansprechpartner bei allen Fragen zu Sport und Diabetes. Von beiden habe ich sehr viel gelernt!
DANKE, ULRIKE!

Training am 15.10.2007

Montag, den 15. Oktober 2007
  • Distanz: 21.59 km
  • Zeit: 1:50:33 (5:07 min/km)
  • Laufleistung 42. Woche: 21.7 km.

 

DIABETES-ANPASSUNG

Vor dem Lauf (8:15):

  • BZ: 56
  • BE: 5
  • BR: 70%

Während dem Lauf (10:15, 12 km):

  • BZ: 220

Nach dem Lauf (11:15):

  • BZ: 169
  • BE: 2
  • IE: 3
  • BR: 90% (für 6 Stunden)

Erläuterung:
Bei dem schönen Herbstwetter musste es einfach ein langer Lauf sein (auch wenn er gegen mein Regenerations-Vorhaben verstößt) …
Und im Vergleich zu den beiden vergangenen Läufen am Nachmittag sieht man den deutlichen Therapieunterschied: Mit einer Basalratenreduktion auf 70% und einer Kohlenhydrataufnahme von 5 BE kann ich 21 km laufen, ohne unterwegs Kohlenhydrate nachzutanken, und komme mit einem idealen Blutzuckerpuffer von 169 nach Hause. Der kleine Schönheitsfehler, dass der Blutzucker postbrandial auf 220 steigt, nehme ich in Kauf bzw. kann ich nicht immer vermeiden. Dieser Wert wäre mit einer geringeren Nahrungsaufnahme vor dem Laufen zu deckeln, was allerdings ein Zufuhr von 2 BE während dem Laufen erzwungen hätte.
Aber ich möchte noch einmal auf den extremen Unterschied zwischen der Diabetes-Einstellung morgens gegenüber nachmittags hinweisen: Morgens reichen für 21 km 5 BE (also 1 BE reicht für 4 km Laufen), während ich nachmittags mit 4 BE gerade einmal 8 km weit komme (1BE für 2km). Dieser Unterschied resultiert nicht nur aus der Reduktion der Basalrate um 30%, sondern vor allem aus der bei mir (!) sehr unterschiedlichen Insulinempfindlichkeit im Verlauf des Tages.
Auch deswegen starte ich meine langen Läufe am liebsten morgens, denn dann bin ich nicht nur deutlich weniger unterzuckerungsgefährdet, sondern muss auch weniger BEs während des Laufens mitführen.

Training am 14.10.2007

Sonntag, den 14. Oktober 2007
  • Distanz: 8.28 km.
  • Zeit: 50:07 (6:03 min/km.)
  • Art des Trainings: Regeneration
  • Laufleistung 41. Woche: 14.46 km.

DIABETES-ANPASSUNG

Vor dem Lauf (14:00):

  • BZ: 156 – um 14:50: 216
  • BE: -
  • BR: 50%

Während dem Lauf:

  • BZ: 67
  • BE: 4

Nach dem Lauf (16:30):

  • BZ: -
  • BE: 6
  • IE: 8
  • BR: 100%

Erläuterung:
Obwohl die Laufzeit unter einer Stunde lag, habe ich meine Basalrate auf 50% reduziert, weil ich aufgrund eines üppigen Frühstücks mit entsprechendem Bolus (8 IE) noch eine deutliche Insulin-Nachwirkung vermutete. Die Auswirkung der BR-Reduktion ist auch gut nachvollziehbar: Der Blutzucker stieg innerhalb einer Stunde von 156 auf 216.
Dennoch hat dieser erhöhte Blutzucker-Ausgangswert nicht gereicht, um ohne zusätzliche Nahrungsaufnahme 8 km zu laufen, denn nach 7 km musste ich aufgrund von leichten Unterzuckerungsgefühlen (Unlust weiter zu laufen/mangelnde Leistungsbereitschaft, gemessener BZ: 67) den Lauf unterbrechen, um zwei Energie-Gels zu mir zu nehmen (4 BE). Sicherlich hätte in dieser Situation auch ein Gel gereicht, aber ich wollte auf Nummer sicher gehen und keinen Blutzucker-Abfall nach dem Lauf riskieren.
Beim wohlverdienten Kuchenessen nach dem Lauf (6 BE) habe ich allerdings eine Einheit Insulin zusätzlich abgegeben, um die – richtige! – Übervorsichtigkeit auszugleichen.
Konsequenz für zukünftige Läufe:
Gerade bei Läufen, bei denen ich noch eine Restwirkung des Insulins vermute (auch wenn, wie heute, der Frühstücksbolus mehr als 4 Stunden her ist), sollte ich bereits nach 4 oder 5 km den Blutzucker messen und gegebenenfalls etwas essen, um einen Blutzuckerabfall vorzubeugen.
Angesichts der Restwirkung des Insulins hätte die Basalratenreduktion deutlich größer ausfallen können (BR: 30%).
Eine zusätzliche BE vor dem Loslaufen könnte zwar auch das Problem lösen, hätte aber, da der Blutzucker sowieso schon erhöht war, diesen noch weiter erhöht.

Anmeldung Rennsteiglauf ’08

Sonntag, den 14. Oktober 2007

Soeben habe ich mich zum Supermarathon beim Rennsteiglauf angemeldet: Für die 72 km von Eisenach nach Schmiedefeld gibt es also eine Ausrede weniger, zumal ich auch eine Übernachtung in Oberhof gebucht habe.
Als “Vorbereitung” sind folgende weitere Wettkämpfe geplant:

  • Berliner Halbmarathon am 06.04.08
  • Hamburg Marathon am 27.04.08

Bin gespannt, wie das alles wird …

Training am 12.10.2007

Sonntag, den 14. Oktober 2007
  • Distanz: 6.18 km
  • Zeit: 39:40 (6:40 min/km)
  • Art des Trainings: Regeneration
  • Laufleistung 41. Woche: 6.18 km

 

DIABETES-ANPASSUNG

Vor dem Lauf (18:00):

  • BZ: 111
  • BE: 3,5
  • BR: keine

Während dem Lauf:

Nach dem Lauf (19:30):

  • BZ: 64
  • BE: 4
  • IE: 2

Erläuterung:
Auch dieser kurze Lauf mit niedriger Belastungsintensität (langsames Durchschnittstempo) erforderte keine Absenkung der Basalrate. Allerdings habe ich zu wenig Kohlenhydrate vor dem Lauf zu mir genommen, wie der BZ-Wert von 64 nach dem Lauf deutlich anzeigt. Eine BE mehr wäre sicherlich besser gewesen.
Deshalb habe ich nach dem Lauf auch nicht alle BEs abgedeckt (für 4 BEs hätte ich ohne Sport 4 IE Insulin abgegeben, mit Sport 3 IE).

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