Warum dieser Blog? Meine kleine Lebensgeschichte

Bereits als Jugendlicher entdeckte ich das Laufen. Auslöser war der 1. Trierer Stadtlauf, den meine Heimatstadt Trier anlässlich ihrer 2000-Jahrfeier veranstaltete. Die Begeisterung beim Zuschauen an der Strecke steckte so sehr an, dass ich mir ein paar Laufschuhe kaufte – Adidas „New York“ (Nomen est omen!) – und anfing zu trainieren. Denn beim nächsten Stadtlauf wollte ich unbedingt dabei sein!

Und ein Jahr später, 1985, war es so weit: Mit dem 2. Trierer Stadtlauf über die Halbmarathondistanz startete ich in mein „Läuferleben“. Bis 1988 folgten vier weitere Stadtläufe (mit einer Bestzeit von 1:24), zahlreiche 10km- und 15km-Läufe sowie einige Crossläufe. Außerdem startete ich zweimal bei Kurz-Triathlons mit guten Platzierungen in meiner Altersklasse (jeweils 2. Platz).

Doch damit war drei Jahre später Schluss:
Diagnose „Diabetes“.

Schon vorher hatte ich mich wochenlang komisch gefühlt, großer Durst und stündliches Wasserlassen, Juckreiz und zuletzt Sehstörungen – die typischen Symptome eines nicht behandelten Diabetes. Am Tag der Diagnose wurde ich auf Insulin eingestellt, mischte ab sofort zweimal täglich Actrapid und Protaphan, ein Normalinsulin und ein Verzögerungsinsulin, und musste mich an einen strengen Diätplan mit geringem Kohlenhydratanteil halten (15 BEs – die sogenannten Broteinheiten – verteilt auf den ganzen Tag).
An Laufen im bisherigen Umfang war nicht zu denken: Ich unterzuckerte schnell, konnte kaum dagegen anessen und musste ständig meine Laufeinheiten zum Traubenzucker-Kauen unterbrechen (sehr unangenehm mit einem vom Sport trockenen Mund!).
Kompetente ärztliche Betreuung? – Leider Fehlanzeige: Keiner erklärte mir, wie Diabetes und Sport funktioniert. Und die 1988 noch nicht besonders zahlreiche Literatur problematisierte das Sporttreiben mit Diabetes, ohne Lösungen zu zeigen. Intensiver Ausdauersport, das wurde mir sehr schnell klar, schien unmöglich!

17 Jahre später wollte ich es aber wieder wissen!

Eine berufliche Neuorientierung (spricht man eigentlich inzwischen von „Lebensabschnittsberufen“?) ging einher mit dem unbedingten Wollen, wieder intensiv Sport zu treiben.
Meine Diabetes-Einstellung hatte sich inzwischen komplett geändert: Kein fester Diätplan, sondern größtmögliche Flexibilität im Umgang mit Essen (sowohl hinsichtlich der Uhrzeiten, der Menge und der Art der Lebensmittel) war inzwischen möglich (Stichwort: ITC), ein kurzwirkendes Analoginsulin (Humalog – das aber immer noch vier Stunden in meinen Körper vorhält) und länger wirkende Verzögerungsinsuline (Lantus und später Levemir) trugen ebenso zu einem „normaleren“ Leben bei.
Bei einer solchen Einstellung, so dachte ich, sollte Sport doch eigentlich kein Problem sein …
Also begann ich zu trainieren, steigerte meine Kilometer-Umfänge und lernte mich und meine Krankheit neu kennen:

  • Ich lernte, wieviele BEs ich für welche Entfernung brauche,
  • ich lernte, dass Energie-Gels schneller wirken und leichter zu schlucken sind als Traubenzucker,
  • zudem auch leicht zu transportieren,
  • ich lernte, dass das einzige Energie-Gel, was mir einiger Maßen schmeckt, nur schwer zu bekommen ist (Hammergel, Geschmack: Esspresso),
  • ich lernte im Laufen meinen Blutzucker zu messen, ohne das Tempo zu variieren (Messgerät: Freestyle Mini/Lite),
  • ich lernte, ab welcher Entfernung ich mein langwirkendes Insulin reduzieren muss (und dass ich mir deshalb schon am Abend vorher überlegen muss, wann und wieviel ich am nächsten Tag laufen werde),
  • ich lernte, dass ich nicht kurz nach einer Mahlzeit laufen sollte, zumindest dann nicht, wenn ich dafür kurzwirkendes Insulin abgegeben habe (dann lieber kein Insulin oder eine deutlich reduzierte Dosis),
  • ich lernte vieles und noch viel mehr, vor allem aber:

DASS ES MÖGLICH IST, ALS DIABETIKER 42 KILOMETER AM STÜCK ZU LAUFEN!

Als Motivationshilfe meldete ich mich für den Berlin Marathon 2005 an, lief ihn durch (ohne Quälerei), musste aber erkennen, dass …

  • trotz Reduktion des langwirkenden Insulins am Abend vorher um 70% (um drei Uhr nachts habe ich deshalb noch einmal meinen Blutzucker kontrolliert und korrigiert) und …
  • trotz Frühstück um fünf Uhr (damit das kurzwirkende Insulin nicht mehr beim Start um neun Uhr wirkt) …

ich eine Unmenge Kohlenhydrate während dem Lauf benötigte. Mir kam es vor, als würde ich nicht laufen, sondern ausschließlich gegen meinen sinkenden Blutzuckerspiegel kämpfen: Insgesamt 36 BEs habe ich vertilgt (für Nicht-Diabetiker: Das sind vier riesengroße Teller Spaghetti!). – Vielleicht gibt es ja Läufer, die ein solch üppiges Mahl während eines Marathonlaufs schätzen. Mein Magen tat es jedenfalls nicht!
Und so wären meine sportlichen Ambitionen, trotz einer passablen Zeit von 4:06, ein zweites Mal jäh beendet gewesen, wenn ich nicht auf der Marathon-Messe in Berlin auf einen kleinen Informationsstand gestoßen wäre.

Ulrike Thurm und die IDAA zeigten mir, wie’s besser geht!

Dieser Stand eröffnete mir ein neues Leben mit meiner Krankheit. Erst einmal wurde ich von der Diabetes-und-Sport-Spezialistin Ulrike Thurm für meinen ersten Marathon gut beraten und erfuhr von der perfekten Betreuung durch die IDAA während des Laufs (alle 8km befanden sich Stände, an denen man seinen Blutzucker messen lassen und BEs deponieren konnte – ich weiß gar nicht, wie ich meine vier Teller Nudeln sonst transportiert hätte 😉 …).
Darüber hinaus – und das war der Hinweis meines Lebens! – wurde mir eine Insulinpumpe nahe gelegt, denn erst mit einer Pumpe könne man seine Einstellung wirklich problemlos, kurzfristig und effektiv realisieren.
Gesagt, getan und seitdem konnte mein Magen herausfinden, wie herrlich es ist, nur 4-6 BEs verdauen zu müssen! – und das ohne nachts aufzustehen, um zu messen, um fünf Uhr frühstücken usw.!

Unmittelbar nach dem ersten Marathon 2005 auf Pumpe umgestellt, genieße ich jetzt mein viel unbeschwerteres Leben, in dem Sport eine große Rolle einnimmt – ohne zum Problem zu werden.

Neue Pläne: Ultramarathons

Und da mein diesjähriger Berlin Marathon 2007 mit einer für mich sensationellen Zeit endete (3:19:20), habe ich bereits neue Pläne gefasst: Neben diversen Marathons (Hamburg, Berlin – langfristiger Plan unter drei Stunden) sind das vor allem der Rennsteiglauf (72km durch den Thüringer Wald) und der Swiss Alpine Marathon in Davos (78km mit 2320 Höhenmetern). Ob das alles klappt, darüber möchte ich hier berichten.

Gründe für den Blog: Diabetikern Mut machen, Sport zu treiben, und bei den notwendigen Therapieanpassungen ein Beispiel zur Orientierung bieten

Vor allem aber möchte ich mein Training dokumentieren und notieren, wie ich dabei meinen Diabetes einstelle, was für Konsequenzen ich aus Fehlern ziehe und welche Maßnahmen sich bewähren.
Dies mache ich nicht nur, um an meinem Beispiel zu zeigen, wie Sport mit Diabetes möglich ist, sondern auch, um Mut zu machen, es einfach zu probieren.

Wichtige Grundlagen dazu enthält dieser Beitrag:

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Tipps und ein Dankeschön:
Ulrike Thrum ist die Vorsitzende der IDAA, der Internationalen Vereinigung diabetischer Sportler (www.idaa.de), und hat ein sehr lesenwertes Buch geschrieben:

Sowohl Ulrike Thurm als auch der Verein und ihr Buch sind kompetente Ansprechpartner bei allen Fragen zu Sport und Diabetes. Von beiden habe ich sehr viel gelernt!
DANKE, ULRIKE!

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27 Reaktionen zu “Warum dieser Blog? Meine kleine Lebensgeschichte”

    Kommentar(e)
  1. Ernst

    Vielen Dank für die sehr interessanten Beiträge!
    Da kann ich mir einiges abschauen..
    Ich selbst habe erst seit 5 Jahren Typ 1 Diabetes (bin 52) und versuche mich durch regelmäßiges Training in Form zu halten. Wenn ich regelmäßig was mache, Joggen oder Rad, fällt meine BZ Statistik grundsätzlich besser aus -- mit weniger Schwankungen in beide Richtungen. Dabei bin ich eher nicht so leistuingsorientiert, sondern versuche im Fitnessbereich zu bleiben (ca. 6min / km, etwa 30km / Woche). Ich mache auch mal längere Mountainbike- touren und liebe Starwindsurfen (Gelpacks sind dabei). Natürlich hat jeder etwas Bammel vor Hypos zur unpassenden Zeit -- aber ich war schon überrascht, daß ich scheinbar typischerweise wesentlich „tiefer“ fliege als du es tust
    (Startpunkt bei ca. 100 gegenüber ca. 150).
    Ich esse vor einem ca. 1h Training nur wenn ich unter 100 bin und brauche nur bei >1h ca. 3 BE/h um den Level zu halten. Am Ende bin ich auch nur zu tief, wenn ich >>1h Sport treibe und nicht esse.
    Wenn ich morgens laufe nehme ich zum Frühstück (vorher oder nachher) 4 IEs an Stelle 5 IEs HUMALOG.
    Bei einem, für mich schnelleren, 10km Lauf (NIKE Humanrace in MUC) hatte ich sogar am Ende einen sehr hohen Wert (>300), der sich aber rasch wieder ohne Insulin normalisierte. Das gleiche hab ich schon bemerkt bei hoher Anspannung (Riesenslalom o ä). Mein Doc sagte das kommt vom Adrenalin -> Leberglucoseausschüttung. Es stört mich nur in der Statistik als Ausreißer.
    (ich mess mit One Touch Ultrasmart + SW Auswertung)

    Frage:
    # Welchen Vorteil gib dir die Pumpe? Ich nehme Lantus & Humalog mit Pen oder Spritze und sah bisher noch keine Nachteile. (HBA1C = 6.1)

    # Was ist dein typischer „Verbrauch“ von BEs & IEs pro Tag?
    (Mit / ohne Sport).

    # Zahlt die private KV die Sensoren für kontinuierliche Messung?

    Gruß & viel Erfolg beim Marathon!
    Ernst

  2. Andreas

    Hallo Ernst,

    erst einmal Danke für Deinen ausführlichen Kommentar. Es ist interessant zu sehen, dass Du mit deutlich niedrigeren Startwerten so gut hinkommst.
    Bei mir wäre das nicht so, 100 als Ausgangsblutzucker würde mich keine 3 Kilometer weit tragen, es sei denn, ich habe eine klar steigende Tendenz, das heißt zehn Minuten vorher auf 90, fünf Minuten vorher war der Zucker noch auf 95 o. ä.
    Und essen muss ich stets -- gut, bei einem Lauf von 5 Kilometern bei einem Startblutzucker von 160 sicher nicht, aber bei längeren Belastungen und ensprechenden Werten schon.
    Sehr hohe Werte hatte ich auch einmal während eines Marathons (trotz Korrekturboli während des Laufs verharrte er zwischen 300 und 350). Da diese Werte gar nicht zu meinen sonstigen Erfahrungen passte, habe ich auch viele Fachleute gefragt und teilweise kam die Erklärung, die Du auch genannt hattest … Nur spricht, zumindest in meinen Fall, folgende Überlegung dagegen: Warum passierte das nur bei dem einen Wettkampf und bei keinem anderen? -- Für viel wahrscheinlicher halte ich einen Katheterverschluss, der leichter auftritt, wenn sehr wenig Insulin aufgrund der reduzierten Basalrate durchfließt, und zudem aufgrund des geringen Durchflusses nicht von der Pumpenelektronik bemerkt wird. Aber das ist natürlich nicht die Erklärung für Deinen Anstieg.

    Nun aber zu Deinen Fragen:

    # Welchen Vorteil gib dir die Pumpe? Ich nehme Lantus & Humalog mit Pen oder Spritze und sah bisher noch keine Nachteile. (HBA1C = 6.1)
    Dein Hba1c ist hervorragend! Auch wenn man Hba1c-Werte nur vergleichen kann, wenn man den Normbereich des Labors kennt (ein 5,9 mit einem Normbereich bis 5,9 bedeutet den gleichen Langzeitwert wie ein Hba1c von 6,5 bei einem Labor, bei dem der Normbereich bis 6,5 geht), nehme ich an, das wir ähnlich gut eingestellt sind: Mein derzeitiger Hba1c ist bei 6,3 (Normbereich -- 6,5). Von daher gibt es, wenn Du nicht häufig unterzuckerst, keinen Grund zur Pumpe zu wechseln.
    Ich allerdings liebe meine Pumpe (hatte vorher auch mal Lantus und Humalog),
    -- weil ich sehr diskret Insulin abgeben kann,
    -- weil ich mich nicht ständig spritzen muss (und auch daher viel frühzeitiger und häufiger Insulin abgebe, wodurch ich an Ess-Spontaneität deutlich gewonnen habe),
    -- weil ich viel seltener unterzuckere,
    -- weil ich je nach glykämischen Index des Essens meine Insulinabgabe über mehrere Stunden strecken kann (Pizza wird anders resorbiert als Kartoffeln),
    -- weil ich für langandauernde sportliche Belastungen sehr kurzfristig meine Basalrate ändern kann (bei Lantus wäre das ja am Abend vorher).

    # Was ist dein typischer “Verbrauch” von BEs & IEs pro Tag?
    (Mit / ohne Sport).
    Ohne Sport: ca. 20 BE, 24 IE Bolus, 20 IE Basalrate
    Mit Sport: ca. 30 BE, 20 IE Bolus, 17 IE Basalrate
    Dies sind „Norm-Tage“, bei mir ist jeder aber eigentlich Tag so anders, dass diese genau so sehr selten auftreten.

    # Zahlt die private KV die Sensoren für kontinuierliche Messung?
    Ja, nach einem Telefonat hat die private KV die Sensoren „aus Kulanz“ übernommen, das heißt, da ich nur zu 50% privat versichert bin, natürlich auch nur 50%. Da aber auch die Beihilfe (zur Sicherheit hatte ich noch ein Gutachten meines Diabetologen beigelegt) zahlt, bleibe ich auf keinen Kosten sitzen, zum Glück …

    Ich hoffe, dass ich Deine Fragen einigermaßen beantwortet habe. Ansonsten freue ich mich stets über weitere Kommentare und Anmerkungen. Diese sind ja, gerade auch in Deinem Fall, sehr interessant auch für andere Leser.

    Herzlichen Gruß und auf zu neuen Volksläufen (zum Überprüfen der Adrenalinthese),
    Andreas

  3. Robert

    Hallo Andreas,
    ich habe heute den ganzen Morgen und jetzt heute Nachmittag auf diesen Seiten verbracht und bin begeistert von Deinen Dokumentationen. Wie bin ich hierher gekommen? -- ich habe nach Nahrungsaufnahme -- Diabetes -- Wettkampf gesucht.

    Meine Schicksalsdiabetes (wobei so überzeugt von Schicksal bin ich mittlerweile nicht mehr) hat mich 2004 zum 30. Geburtstag erwischt, während meines ersten Marathontrainings. Wahrscheinlich habe ich es deshalb erst so spät bemerkt, Restinsulin war zu dem Zeitpunkt schon komplett weg.

    Gelaufen bin ich danach auch nicht mehr, aber letzte Woche das erste Mal einen Halbmarathon in 1:47. Gestartet bin ich mit 6.2mmol/l=111mg/dl. Dabei hatte ich 2 BE als 200ml Apfelsaft. Meinen 5er Schnitt habe ich Anfangs unterschritten , um dann ab km 16 einzubrechen, da fühlte ich mich als brauchte ich Treibstoff. Eine BE hatte ich zu km 7 getrunken (totale Sauerei Apfelsaft bei dem Tempo zu trinken, hatte ich nie geübt). Die 2. BE versuchte ich so gut es ging einzukippen ohne zu verschütten. Dann hab ich mich nur noch ins Ziel gerettet und bin dort über Apfelsaft und Bananen hergefallen. 30min später konnte ich messen und war wieder bei 6,7=120.

    Im Vergleich zu Dir klingt das wohl wie der Ausflug zum Mond 1967, nur ohne NASA-Erfahrung. Ganz so schlimm ist es nicht. Ich weiß, dass meine Insulin-Sensitivität bei 30-60 min Läufen etwa doppelt so hoch ist. Statt 1:1 IE:BE fahr ich dann auch kurz vor dem Lauf 0,5:1. Mit vollem Bauch kann ich nicht laufen (früher bin ich immer nüchtern 6:00 Uhr gestartet) deshalb warte ich 1h. Meine „Notfallreserve“ ist immer 1 BE Apfelsaft im Training. Lange Läufe mach ich nicht, weil ich nie essen wollte.

    Nach den Erfahrungen letztes WE in Tangermünde weiß ich, dass ich lange Läufe machen muss und dass ich essen muss (der Einbruch war bestimmt beides). Der Treffer auf Deine Seite bestätigt das nur und gibt wunderbare, tolle Anregungen. Tausend Dank.

    Ich fahre zu jeder Tages- und Nachtzeit die gleiche Insulinmenge pro BE. Ich musste mal von Normal auf Analagon umsteigen (wahrscheinlich wieder autoimmun Reaktion -- Spritz-Essabstand wurde immer größer, bis zu über 60min und Mengen auch, das war dann nicht mehr handlebar; nach der Umstellung war ich sofort bei alten Verhältnissen) und nehme jetzt Liprolog (per Pen). Übrig geblieben aus den Normalinsulinzeiten ist mein Insuman Basal, von dem ich 20IE einmal 23 Uhr setze, nach Lauftraining bis zu 75-50% reduziert. Langzeitwert ist über die Jahre stetig schlechter geworden, von 5,0 bis zu 5,9 jetzt. Ich hab noch nie beim Lauftraining gemessen.

    Deine Seite zeigt mir wieviel Luft nach oben ist, Wahnsinn. Vielen Dank
    Robert

  4. Andreas

    Hallo Robert,

    da hat Dich ja der Diabetes 2004 auch erst einmal aus Deinen sportlichen Ambitionen gerissen wie mich damals … und wie gut, dass Du wieder angefangen hast!
    Und herzlichen Glückwunsch zu dem wirklich flotten Halbmarathon (und das trotz des Einbruchs, der doch eigentlich eine Hypo war)!

    Dass Du meine Webseite als kleine Hilfe empfindest, freut mich ungemein. Denn genau dafür ist sie gemacht: Anregungen bieten durch die -- sicherlich nicht in jeder Hinsicht übertragbare -- Art und Weise, wie ich meinen Blutzucker einstelle.

    Und dass Du Dir so viel Zeit nimmst, ausführlich über Dich zu schreiben, ist toll. DANKE! Denn auch Deine Erfahrungen werden ganz sicher für viele Leser interessant und hilfreich sein!

    Ein bisschen Angst macht mir Deine knapp bemessene Notfallreserve. Ich halte das für sehr riskant, insbesondere weil die Insulinempfindlichkeit doch immer wieder sehr unterschiedlich sein kann. Deshalb habe ich immer sehr viele Not- bzw. Sport-BEs dabei (vgl. Anpassung meiner Diabetestherapie), bei der Harzquerung am vergangenen Wochenende waren es 12 BE, die im Ziel übrig waren -- vielleicht zu vorsichtig, aber ohne nennenswerte Reserve zu trainieren oder zu wettkämpfen, finde ich leichtsinnig. -- Und wie ich Deinem Bericht vom Halbmarathon entnehme, hättest Du auch mit zwei, drei oder vielleicht vier BE mehr auch keinen Einbruch erlebt bzw. diesen besser, weil zeitiger beheben können. Aber das siehst Du ja genauso …

    Und nicht dass ich es vergesse: Herzlichen Glückwunsch auch zu dem tollen Hba1c! Ich weiß zwar nicht welchen Normbereich das bestimmende Labor hat, aber dieser Wert signalisiert eine normoglykämische Einstellung -- eine 5 vor dem Komma hatte ich lediglich in den ersten drei, vier Jahren meiner Diabeteslaufbahn und erst mit meiner Pumpe habe ich es wieder in den Normbereich geschaft, der bei „meinem“ Labor bis 6,5 geht (letzter Hba1c war 6,3).

    Viel Erfolg bei allem, was Dich in Zukunft antreibt, es würde mich freuen, mal wieder etwas von Dir zu hören oder zu lesen, viele Grüße,
    Andreas

  5. susan

    hallo andreas,

    bin heute auf deiner seite gelandet und kann gar nicht aufhören zu lesen, obwohl ich eigentlich dringend arbeiten müsste. bei mir wurde im januar, also vor nicht mal 6 monaten, diabetes-I diagnostiziert. ich bin derzeit in der honeymoon-phase und spritze nur sehr geringe mengen insulin (liprolog und lantus). leider sind meine werte sehr instabil. so esse ich morgens fast immer frischkornbrei mit obst (5 BE), für die ich normalerweise 1 IE spritze. mitunter habe ich zwei stunden später eine unterzuckerung; es gibt aber auch tage, wo der bz unter gleichen bedingenen auf über 200 steigt.

    direkt nach der diagnose wollte ich, naiv wie ich war, eigentlich sportlich so weiter machen wie bisher (yoga, krafttraining, laufen), aber ich hatte gleich beim ersten yogatermin eine ordentliche hypo, so dass ich meine sportlichen aktivitäten nahezu gen null gefahren habe (ausser dem kieser-training). seit zwei monaten laufe ich nun wieder (nicht sonderlich ambitioniert, bin reine freizeitläuferin). auf meiner ca. 7km-runde lerne ich gerade, wieviele BEs mein körper währenddessen verbrennt , was und wann ich günstenfalls vorher esse (ich hasse es, mit vollem magen zu laufen, bin früher immer morgens nüchtern gejoggt), wieviel abstand zum letzten bolus erforderlich ist -- diesen ganzen kram halt.

    deine seite macht mir mut, mich auch wieder an längere distanzen zu wagen und vielleicht doch die eine oder andere BE im laufen einzuschieben. (ich glaube, ich muss das zwischendurch essen bzw. trinken einfach trainieren.)

    außerdem finde ich es ganz wunderbar, auf jemanden zu treffen der auch diabetes hat und sportlich aktiv ist -- ich kenne nämlich sonst im umfeld zur ältere typ2er aus der „ich muss mittags immer 8BEs essen, damit ich keine unterzuckerung kriege“-fraktion.

    für heute erst mal herzlichen dank dafür, dass du uns in dieser form an deinen erfahrungen teilhaben lässt. ich komme garantiert öfter wieder.

    herzlichst
    susan

  6. Andreas

    Hallo Susan,

    erst einmal herzlich Willkommen auf diese Blog!
    Und herzlichen Dank für Deine Komplimente, ich freue mich, dass Dich die Informationen interessieren.
    Unser Lebensweg hat ja durchaus Parallelen, auch ich war unmittelbar nach der Diabetes-Diagnose durch negative Erfahrungen mehr als verunsichert und dachte wirklich: Sport und Diabetes -- das geht nicht.
    Viel später als Du habe ich mich dann auf den Weg gemacht, um genau das zu tun, was Du gerade machst, nämlich austesten, ausprobieren wie der Stoffwechsel unter welchen Bedingungen funktioniert. -- Aber das hast Du ja alles bereits gelesen …
    Dass man während dieses Prozesses einen sehr robusten Magen entwickelt -- auch wenn man sich auf diesen nicht immer 100%-ig verlassen kann (vgl. den Laufbericht von Biel ») -- ist ein unausweichlicher, vielleicht ja auch angenehmer Nebeneffekt.
    Ich habe schon ein bisschen in Deinem sehr lesenswerten Blog gestöbert (Glückwunsch zu dem Nachtlauf mit der wirklich guten Leistung!) und werde auch noch kommentieren, nur ist derzeit meine Zeit leider gerade sehr (!!!) knapp. Mir ist aber bisher noch nicht klar, wo Du lebst. Denn wenn Du sporttreibende Diabetiker kennenlernen möchtest, wäre vielleich die IDAA » etwas für Dich. Beim Championsrun in Berlin (10 km, 22. August 09) übernimmt die IDAA jedenfalls für ca. dreißig Mitglieder die Anreisekosten, Hotel-Übernachtung und das Startgeld. Zudem ist es natürlich ein Treffen, bei dem man viele Aktive kennenlernen kann … und sicher gibt es auch bei Dir in der Nähe IDAAler.

    So weit in aller „Kürze“ (ist doch länger geworden, als die zwei, drei geplanten Zeilen), viele Grüße,
    Andreas

  7. susan

    hallo andreas,

    vielen dank für deine ausführliche antwort. mit der idaa werde ich mich mal beschäftigen, vielen dank für den hinweis. die kannte ich noch nicht. in der tat dürfte es sehr hilfreich sein, andere sporttreibende diabetiker kennen zu lernen, vor allem in der anfangsphase, wo alles noch ungewohnt, neu und unberechenbar ist.

    ich komme übrigens aus braunschweig -- das ist also nicht so weit weg von berlin.

    für heute herzliche grüsse -- wir lesen uns garantiert wieder

    susan

  8. Friedhelm

    Hallo,
    zuerst Dank für Deine ausführlich Darstellung.

    Ich selbst (JG 1954) hatte 2001 eine Stoffwechselentgleisung. Nach dem Krankenhausaufenthalt (eingestellt als CT) habe ich meine Basketballaktivitäten an den berühmten Nagel gehangen und mich ganz der Lauferei gewidmet.

    Zuerst fünf Minuten traben -- 5 Minuten laufen etc. bis dann nach rund vier Monaten der erste 10er anstand. Heute laufe ich bis zum HM und trainiere viermal in der Woche. Seit 2002 laufe ich zudem im Bereich des Behindertensportes mit (Klasse T48 allgem. Behinderung). In diesem Jahr habe ich bei den Int. Deutschen Meisterschaften in Sidnelfingen über die 1500 m meine insgesamt fünfte Meisterschaft eingelaufen. Im Behindertensport laufe ich die 1500/3000 m in der Seniorenklasse (z.Zt. M50 -- es gibt nur 10er Schritte.) und in der Meisterklasse die 5000 m.

    Zum Training und Wettkampf reduziere ich das Insulin und esse im Training jede halbe Stunde eine Banane. Beim Wettkampf laufe ich bis 5000 m ohne zusätzliche „Bananenverpflegung). Beim HM trage ich dann drei Banänchen mit mir herum.

    LG, Friedhelm

    PS: werde weiter Deinen Blog durchstöbern.

  9. Andreas

    Auch Dir einen herzlichen Dank für Deine interessante Lebensgeschichte und herzlichen Glückwunsch zu Deinen meisterlichen Erfolgen.
    Zwei Fragen habe ich, die Du -- falls Du wirklich noch einmal hier vorbeischaust 😉 -- sicherlich beantwortest:
    1. Was reduzierst Du zu Wettkampf und Training genau: Nur den letzten Bolus oder auch das Basalinsulin?
    2. Ich wusste gar nicht, dass wir beim Behindertensport starten dürfen: Auch ich habe einen Schwerbehindertenausweis mit 50%, ist das bereits ausreichend für die von Dir genannte Klasse (allgemeine Behinderung) oder benötigt man eine „höheren“ Grad bzw. weitere Gutachten? Eine „Deutsche Meisterschaft“ klingt schon toll und wenn es so etwas für längere Strecken gäbe … -- Auch wenn ich wahrscheinlich bin mit meinen Zeiten absolut chancenlos wäre, eine Teilnahme würde mich schon reizen.

    Viele Grüße,
    Andreas

  10. Friedhelm

    Hallo Andreas,
    nun ich reduziere vor dem Training und Wettkampf den letzten Bolus. In Sindelfingen (man lernt ja nie aus) habe ich auch den Abend vor dem Wettkampf das Langzeitinsulin redzuziert. Mit dem Erfolg, dass man tagsüber weniger „Sport-BE“ zu führen musste.

    Ja, wir starten in der Klasse Allgemeinbehinderung. Die Altersklassen fangen mit der M40 an und hören mit der M70 auf. Es gibt keine 5-Jahressprünge wie bei den Nichtbehinderten.

    Die Starberechtigung bei den AB liegt je nach Veranstaltung bei 20-30%. Du musst Dich über Deinen Landesverband klassifizieren lassen, bekommt einen Start- und Gesundheitspass. Und dann geht es los. Starten kannst Du bei allen Landesmeisterschaften (sind als offene Meisterschaften ausgechrieben) und bei der IDM.

    Längste angebotene Strecke sind die 10.000 m in der Männerklasse. Wenn Dich Ergebnisse interessieren schaue einfach mal auf meine „zweite“ Homepage:

    http://www.behindertenleichtathlet.npage.de

    Viele Grüße
    Friedhelm

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