Warum dieser Blog? Meine kleine Lebensgeschichte

Bereits als Jugendlicher entdeckte ich das Laufen. Auslöser war der 1. Trierer Stadtlauf, den meine Heimatstadt Trier anlässlich ihrer 2000-Jahrfeier veranstaltete. Die Begeisterung beim Zuschauen an der Strecke steckte so sehr an, dass ich mir ein paar Laufschuhe kaufte – Adidas “New York” (Nomen est omen!) – und anfing zu trainieren. Denn beim nächsten Stadtlauf wollte ich unbedingt dabei sein!

Und ein Jahr später, 1985, war es so weit: Mit dem 2. Trierer Stadtlauf über die Halbmarathondistanz startete ich in mein “Läuferleben”. Bis 1988 folgten vier weitere Stadtläufe (mit einer Bestzeit von 1:24), zahlreiche 10km- und 15km-Läufe sowie einige Crossläufe. Außerdem startete ich zweimal bei Kurz-Triathlons mit guten Platzierungen in meiner Altersklasse (jeweils 2. Platz).

Doch damit war drei Jahre später Schluss:
Diagnose “Diabetes”.

Schon vorher hatte ich mich wochenlang komisch gefühlt, großer Durst und stündliches Wasserlassen, Juckreiz und zuletzt Sehstörungen – die typischen Symptome eines nicht behandelten Diabetes. Am Tag der Diagnose wurde ich auf Insulin eingestellt, mischte ab sofort zweimal täglich Actrapid und Protaphan, ein Normalinsulin und ein Verzögerungsinsulin, und musste mich an einen strengen Diätplan mit geringem Kohlenhydratanteil halten (15 BEs – die sogenannten Broteinheiten – verteilt auf den ganzen Tag).
An Laufen im bisherigen Umfang war nicht zu denken: Ich unterzuckerte schnell, konnte kaum dagegen anessen und musste ständig meine Laufeinheiten zum Traubenzucker-Kauen unterbrechen (sehr unangenehm mit einem vom Sport trockenen Mund!).
Kompetente ärztliche Betreuung? – Leider Fehlanzeige: Keiner erklärte mir, wie Diabetes und Sport funktioniert. Und die 1988 noch nicht besonders zahlreiche Literatur problematisierte das Sporttreiben mit Diabetes, ohne Lösungen zu zeigen. Intensiver Ausdauersport, das wurde mir sehr schnell klar, schien unmöglich!

17 Jahre später wollte ich es aber wieder wissen!

Eine berufliche Neuorientierung (spricht man eigentlich inzwischen von “Lebensabschnittsberufen”?) ging einher mit dem unbedingten Wollen, wieder intensiv Sport zu treiben.
Meine Diabetes-Einstellung hatte sich inzwischen komplett geändert: Kein fester Diätplan, sondern größtmögliche Flexibilität im Umgang mit Essen (sowohl hinsichtlich der Uhrzeiten, der Menge und der Art der Lebensmittel) war inzwischen möglich (Stichwort: ITC), ein kurzwirkendes Analoginsulin (Humalog – das aber immer noch vier Stunden in meinen Körper vorhält) und länger wirkende Verzögerungsinsuline (Lantus und später Levemir) trugen ebenso zu einem “normaleren” Leben bei.
Bei einer solchen Einstellung, so dachte ich, sollte Sport doch eigentlich kein Problem sein …
Also begann ich zu trainieren, steigerte meine Kilometer-Umfänge und lernte mich und meine Krankheit neu kennen:

  • Ich lernte, wieviele BEs ich für welche Entfernung brauche,
  • ich lernte, dass Energie-Gels schneller wirken und leichter zu schlucken sind als Traubenzucker,
  • zudem auch leicht zu transportieren,
  • ich lernte, dass das einzige Energie-Gel, was mir einiger Maßen schmeckt, nur schwer zu bekommen ist (Hammergel, Geschmack: Esspresso),
  • ich lernte im Laufen meinen Blutzucker zu messen, ohne das Tempo zu variieren (Messgerät: Freestyle Mini/Lite),
  • ich lernte, ab welcher Entfernung ich mein langwirkendes Insulin reduzieren muss (und dass ich mir deshalb schon am Abend vorher überlegen muss, wann und wieviel ich am nächsten Tag laufen werde),
  • ich lernte, dass ich nicht kurz nach einer Mahlzeit laufen sollte, zumindest dann nicht, wenn ich dafür kurzwirkendes Insulin abgegeben habe (dann lieber kein Insulin oder eine deutlich reduzierte Dosis),
  • ich lernte vieles und noch viel mehr, vor allem aber:

DASS ES MÖGLICH IST, ALS DIABETIKER 42 KILOMETER AM STÜCK ZU LAUFEN!

Als Motivationshilfe meldete ich mich für den Berlin Marathon 2005 an, lief ihn durch (ohne Quälerei), musste aber erkennen, dass …

  • trotz Reduktion des langwirkenden Insulins am Abend vorher um 70% (um drei Uhr nachts habe ich deshalb noch einmal meinen Blutzucker kontrolliert und korrigiert) und …
  • trotz Frühstück um fünf Uhr (damit das kurzwirkende Insulin nicht mehr beim Start um neun Uhr wirkt) …

ich eine Unmenge Kohlenhydrate während dem Lauf benötigte. Mir kam es vor, als würde ich nicht laufen, sondern ausschließlich gegen meinen sinkenden Blutzuckerspiegel kämpfen: Insgesamt 36 BEs habe ich vertilgt (für Nicht-Diabetiker: Das sind vier riesengroße Teller Spaghetti!). – Vielleicht gibt es ja Läufer, die ein solch üppiges Mahl während eines Marathonlaufs schätzen. Mein Magen tat es jedenfalls nicht!
Und so wären meine sportlichen Ambitionen, trotz einer passablen Zeit von 4:06, ein zweites Mal jäh beendet gewesen, wenn ich nicht auf der Marathon-Messe in Berlin auf einen kleinen Informationsstand gestoßen wäre.

Ulrike Thurm und die IDAA zeigten mir, wie’s besser geht!

Dieser Stand eröffnete mir ein neues Leben mit meiner Krankheit. Erst einmal wurde ich von der Diabetes-und-Sport-Spezialistin Ulrike Thurm für meinen ersten Marathon gut beraten und erfuhr von der perfekten Betreuung durch die IDAA während des Laufs (alle 8km befanden sich Stände, an denen man seinen Blutzucker messen lassen und BEs deponieren konnte – ich weiß gar nicht, wie ich meine vier Teller Nudeln sonst transportiert hätte ;-) …).
Darüber hinaus – und das war der Hinweis meines Lebens! – wurde mir eine Insulinpumpe nahe gelegt, denn erst mit einer Pumpe könne man seine Einstellung wirklich problemlos, kurzfristig und effektiv realisieren.
Gesagt, getan und seitdem konnte mein Magen herausfinden, wie herrlich es ist, nur 4-6 BEs verdauen zu müssen! – und das ohne nachts aufzustehen, um zu messen, um fünf Uhr frühstücken usw.!

Unmittelbar nach dem ersten Marathon 2005 auf Pumpe umgestellt, genieße ich jetzt mein viel unbeschwerteres Leben, in dem Sport eine große Rolle einnimmt – ohne zum Problem zu werden.

Neue Pläne: Ultramarathons

Und da mein diesjähriger Berlin Marathon 2007 mit einer für mich sensationellen Zeit endete (3:19:20), habe ich bereits neue Pläne gefasst: Neben diversen Marathons (Hamburg, Berlin – langfristiger Plan unter drei Stunden) sind das vor allem der Rennsteiglauf (72km durch den Thüringer Wald) und der Swiss Alpine Marathon in Davos (78km mit 2320 Höhenmetern). Ob das alles klappt, darüber möchte ich hier berichten.

Gründe für den Blog: Diabetikern Mut machen, Sport zu treiben, und bei den notwendigen Therapieanpassungen ein Beispiel zur Orientierung bieten

Vor allem aber möchte ich mein Training dokumentieren und notieren, wie ich dabei meinen Diabetes einstelle, was für Konsequenzen ich aus Fehlern ziehe und welche Maßnahmen sich bewähren.
Dies mache ich nicht nur, um an meinem Beispiel zu zeigen, wie Sport mit Diabetes möglich ist, sondern auch, um Mut zu machen, es einfach zu probieren.

Wichtige Grundlagen dazu enthält dieser Beitrag:

—————————————–

Tipps und ein Dankeschön:
Ulrike Thrum ist die Vorsitzende der IDAA, der Internationalen Vereinigung diabetischer Sportler (www.idaa.de), und hat ein sehr lesenwertes Buch geschrieben:

Sowohl Ulrike Thurm als auch der Verein und ihr Buch sind kompetente Ansprechpartner bei allen Fragen zu Sport und Diabetes. Von beiden habe ich sehr viel gelernt!
DANKE, ULRIKE!

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27 Reaktionen zu “Warum dieser Blog? Meine kleine Lebensgeschichte”

    Kommentar(e)
  1. Ernst

    Vielen Dank für die sehr interessanten Beiträge!
    Da kann ich mir einiges abschauen..
    Ich selbst habe erst seit 5 Jahren Typ 1 Diabetes (bin 52) und versuche mich durch regelmäßiges Training in Form zu halten. Wenn ich regelmäßig was mache, Joggen oder Rad, fällt meine BZ Statistik grundsätzlich besser aus -- mit weniger Schwankungen in beide Richtungen. Dabei bin ich eher nicht so leistuingsorientiert, sondern versuche im Fitnessbereich zu bleiben (ca. 6min / km, etwa 30km / Woche). Ich mache auch mal längere Mountainbike- touren und liebe Starwindsurfen (Gelpacks sind dabei). Natürlich hat jeder etwas Bammel vor Hypos zur unpassenden Zeit -- aber ich war schon überrascht, daß ich scheinbar typischerweise wesentlich “tiefer” fliege als du es tust
    (Startpunkt bei ca. 100 gegenüber ca. 150).
    Ich esse vor einem ca. 1h Training nur wenn ich unter 100 bin und brauche nur bei >1h ca. 3 BE/h um den Level zu halten. Am Ende bin ich auch nur zu tief, wenn ich >>1h Sport treibe und nicht esse.
    Wenn ich morgens laufe nehme ich zum Frühstück (vorher oder nachher) 4 IEs an Stelle 5 IEs HUMALOG.
    Bei einem, für mich schnelleren, 10km Lauf (NIKE Humanrace in MUC) hatte ich sogar am Ende einen sehr hohen Wert (>300), der sich aber rasch wieder ohne Insulin normalisierte. Das gleiche hab ich schon bemerkt bei hoher Anspannung (Riesenslalom o ä). Mein Doc sagte das kommt vom Adrenalin -> Leberglucoseausschüttung. Es stört mich nur in der Statistik als Ausreißer.
    (ich mess mit One Touch Ultrasmart + SW Auswertung)

    Frage:
    # Welchen Vorteil gib dir die Pumpe? Ich nehme Lantus & Humalog mit Pen oder Spritze und sah bisher noch keine Nachteile. (HBA1C = 6.1)

    # Was ist dein typischer “Verbrauch” von BEs & IEs pro Tag?
    (Mit / ohne Sport).

    # Zahlt die private KV die Sensoren für kontinuierliche Messung?

    Gruß & viel Erfolg beim Marathon!
    Ernst

  2. Andreas

    Hallo Ernst,

    erst einmal Danke für Deinen ausführlichen Kommentar. Es ist interessant zu sehen, dass Du mit deutlich niedrigeren Startwerten so gut hinkommst.
    Bei mir wäre das nicht so, 100 als Ausgangsblutzucker würde mich keine 3 Kilometer weit tragen, es sei denn, ich habe eine klar steigende Tendenz, das heißt zehn Minuten vorher auf 90, fünf Minuten vorher war der Zucker noch auf 95 o. ä.
    Und essen muss ich stets -- gut, bei einem Lauf von 5 Kilometern bei einem Startblutzucker von 160 sicher nicht, aber bei längeren Belastungen und ensprechenden Werten schon.
    Sehr hohe Werte hatte ich auch einmal während eines Marathons (trotz Korrekturboli während des Laufs verharrte er zwischen 300 und 350). Da diese Werte gar nicht zu meinen sonstigen Erfahrungen passte, habe ich auch viele Fachleute gefragt und teilweise kam die Erklärung, die Du auch genannt hattest … Nur spricht, zumindest in meinen Fall, folgende Überlegung dagegen: Warum passierte das nur bei dem einen Wettkampf und bei keinem anderen? -- Für viel wahrscheinlicher halte ich einen Katheterverschluss, der leichter auftritt, wenn sehr wenig Insulin aufgrund der reduzierten Basalrate durchfließt, und zudem aufgrund des geringen Durchflusses nicht von der Pumpenelektronik bemerkt wird. Aber das ist natürlich nicht die Erklärung für Deinen Anstieg.

    Nun aber zu Deinen Fragen:

    # Welchen Vorteil gib dir die Pumpe? Ich nehme Lantus & Humalog mit Pen oder Spritze und sah bisher noch keine Nachteile. (HBA1C = 6.1)
    Dein Hba1c ist hervorragend! Auch wenn man Hba1c-Werte nur vergleichen kann, wenn man den Normbereich des Labors kennt (ein 5,9 mit einem Normbereich bis 5,9 bedeutet den gleichen Langzeitwert wie ein Hba1c von 6,5 bei einem Labor, bei dem der Normbereich bis 6,5 geht), nehme ich an, das wir ähnlich gut eingestellt sind: Mein derzeitiger Hba1c ist bei 6,3 (Normbereich -- 6,5). Von daher gibt es, wenn Du nicht häufig unterzuckerst, keinen Grund zur Pumpe zu wechseln.
    Ich allerdings liebe meine Pumpe (hatte vorher auch mal Lantus und Humalog),
    - weil ich sehr diskret Insulin abgeben kann,
    - weil ich mich nicht ständig spritzen muss (und auch daher viel frühzeitiger und häufiger Insulin abgebe, wodurch ich an Ess-Spontaneität deutlich gewonnen habe),
    - weil ich viel seltener unterzuckere,
    - weil ich je nach glykämischen Index des Essens meine Insulinabgabe über mehrere Stunden strecken kann (Pizza wird anders resorbiert als Kartoffeln),
    - weil ich für langandauernde sportliche Belastungen sehr kurzfristig meine Basalrate ändern kann (bei Lantus wäre das ja am Abend vorher).

    # Was ist dein typischer “Verbrauch” von BEs & IEs pro Tag?
    (Mit / ohne Sport).
    Ohne Sport: ca. 20 BE, 24 IE Bolus, 20 IE Basalrate
    Mit Sport: ca. 30 BE, 20 IE Bolus, 17 IE Basalrate
    Dies sind “Norm-Tage”, bei mir ist jeder aber eigentlich Tag so anders, dass diese genau so sehr selten auftreten.

    # Zahlt die private KV die Sensoren für kontinuierliche Messung?
    Ja, nach einem Telefonat hat die private KV die Sensoren “aus Kulanz” übernommen, das heißt, da ich nur zu 50% privat versichert bin, natürlich auch nur 50%. Da aber auch die Beihilfe (zur Sicherheit hatte ich noch ein Gutachten meines Diabetologen beigelegt) zahlt, bleibe ich auf keinen Kosten sitzen, zum Glück …

    Ich hoffe, dass ich Deine Fragen einigermaßen beantwortet habe. Ansonsten freue ich mich stets über weitere Kommentare und Anmerkungen. Diese sind ja, gerade auch in Deinem Fall, sehr interessant auch für andere Leser.

    Herzlichen Gruß und auf zu neuen Volksläufen (zum Überprüfen der Adrenalinthese),
    Andreas

  3. Robert

    Hallo Andreas,
    ich habe heute den ganzen Morgen und jetzt heute Nachmittag auf diesen Seiten verbracht und bin begeistert von Deinen Dokumentationen. Wie bin ich hierher gekommen? -- ich habe nach Nahrungsaufnahme -- Diabetes -- Wettkampf gesucht.

    Meine Schicksalsdiabetes (wobei so überzeugt von Schicksal bin ich mittlerweile nicht mehr) hat mich 2004 zum 30. Geburtstag erwischt, während meines ersten Marathontrainings. Wahrscheinlich habe ich es deshalb erst so spät bemerkt, Restinsulin war zu dem Zeitpunkt schon komplett weg.

    Gelaufen bin ich danach auch nicht mehr, aber letzte Woche das erste Mal einen Halbmarathon in 1:47. Gestartet bin ich mit 6.2mmol/l=111mg/dl. Dabei hatte ich 2 BE als 200ml Apfelsaft. Meinen 5er Schnitt habe ich Anfangs unterschritten , um dann ab km 16 einzubrechen, da fühlte ich mich als brauchte ich Treibstoff. Eine BE hatte ich zu km 7 getrunken (totale Sauerei Apfelsaft bei dem Tempo zu trinken, hatte ich nie geübt). Die 2. BE versuchte ich so gut es ging einzukippen ohne zu verschütten. Dann hab ich mich nur noch ins Ziel gerettet und bin dort über Apfelsaft und Bananen hergefallen. 30min später konnte ich messen und war wieder bei 6,7=120.

    Im Vergleich zu Dir klingt das wohl wie der Ausflug zum Mond 1967, nur ohne NASA-Erfahrung. Ganz so schlimm ist es nicht. Ich weiß, dass meine Insulin-Sensitivität bei 30-60 min Läufen etwa doppelt so hoch ist. Statt 1:1 IE:BE fahr ich dann auch kurz vor dem Lauf 0,5:1. Mit vollem Bauch kann ich nicht laufen (früher bin ich immer nüchtern 6:00 Uhr gestartet) deshalb warte ich 1h. Meine “Notfallreserve” ist immer 1 BE Apfelsaft im Training. Lange Läufe mach ich nicht, weil ich nie essen wollte.

    Nach den Erfahrungen letztes WE in Tangermünde weiß ich, dass ich lange Läufe machen muss und dass ich essen muss (der Einbruch war bestimmt beides). Der Treffer auf Deine Seite bestätigt das nur und gibt wunderbare, tolle Anregungen. Tausend Dank.

    Ich fahre zu jeder Tages- und Nachtzeit die gleiche Insulinmenge pro BE. Ich musste mal von Normal auf Analagon umsteigen (wahrscheinlich wieder autoimmun Reaktion -- Spritz-Essabstand wurde immer größer, bis zu über 60min und Mengen auch, das war dann nicht mehr handlebar; nach der Umstellung war ich sofort bei alten Verhältnissen) und nehme jetzt Liprolog (per Pen). Übrig geblieben aus den Normalinsulinzeiten ist mein Insuman Basal, von dem ich 20IE einmal 23 Uhr setze, nach Lauftraining bis zu 75-50% reduziert. Langzeitwert ist über die Jahre stetig schlechter geworden, von 5,0 bis zu 5,9 jetzt. Ich hab noch nie beim Lauftraining gemessen.

    Deine Seite zeigt mir wieviel Luft nach oben ist, Wahnsinn. Vielen Dank
    Robert

  4. Andreas

    Hallo Robert,

    da hat Dich ja der Diabetes 2004 auch erst einmal aus Deinen sportlichen Ambitionen gerissen wie mich damals … und wie gut, dass Du wieder angefangen hast!
    Und herzlichen Glückwunsch zu dem wirklich flotten Halbmarathon (und das trotz des Einbruchs, der doch eigentlich eine Hypo war)!

    Dass Du meine Webseite als kleine Hilfe empfindest, freut mich ungemein. Denn genau dafür ist sie gemacht: Anregungen bieten durch die -- sicherlich nicht in jeder Hinsicht übertragbare -- Art und Weise, wie ich meinen Blutzucker einstelle.

    Und dass Du Dir so viel Zeit nimmst, ausführlich über Dich zu schreiben, ist toll. DANKE! Denn auch Deine Erfahrungen werden ganz sicher für viele Leser interessant und hilfreich sein!

    Ein bisschen Angst macht mir Deine knapp bemessene Notfallreserve. Ich halte das für sehr riskant, insbesondere weil die Insulinempfindlichkeit doch immer wieder sehr unterschiedlich sein kann. Deshalb habe ich immer sehr viele Not- bzw. Sport-BEs dabei (vgl. Anpassung meiner Diabetestherapie), bei der Harzquerung am vergangenen Wochenende waren es 12 BE, die im Ziel übrig waren -- vielleicht zu vorsichtig, aber ohne nennenswerte Reserve zu trainieren oder zu wettkämpfen, finde ich leichtsinnig. -- Und wie ich Deinem Bericht vom Halbmarathon entnehme, hättest Du auch mit zwei, drei oder vielleicht vier BE mehr auch keinen Einbruch erlebt bzw. diesen besser, weil zeitiger beheben können. Aber das siehst Du ja genauso …

    Und nicht dass ich es vergesse: Herzlichen Glückwunsch auch zu dem tollen Hba1c! Ich weiß zwar nicht welchen Normbereich das bestimmende Labor hat, aber dieser Wert signalisiert eine normoglykämische Einstellung -- eine 5 vor dem Komma hatte ich lediglich in den ersten drei, vier Jahren meiner Diabeteslaufbahn und erst mit meiner Pumpe habe ich es wieder in den Normbereich geschaft, der bei “meinem” Labor bis 6,5 geht (letzter Hba1c war 6,3).

    Viel Erfolg bei allem, was Dich in Zukunft antreibt, es würde mich freuen, mal wieder etwas von Dir zu hören oder zu lesen, viele Grüße,
    Andreas

  5. susan

    hallo andreas,

    bin heute auf deiner seite gelandet und kann gar nicht aufhören zu lesen, obwohl ich eigentlich dringend arbeiten müsste. bei mir wurde im januar, also vor nicht mal 6 monaten, diabetes-I diagnostiziert. ich bin derzeit in der honeymoon-phase und spritze nur sehr geringe mengen insulin (liprolog und lantus). leider sind meine werte sehr instabil. so esse ich morgens fast immer frischkornbrei mit obst (5 BE), für die ich normalerweise 1 IE spritze. mitunter habe ich zwei stunden später eine unterzuckerung; es gibt aber auch tage, wo der bz unter gleichen bedingenen auf über 200 steigt.

    direkt nach der diagnose wollte ich, naiv wie ich war, eigentlich sportlich so weiter machen wie bisher (yoga, krafttraining, laufen), aber ich hatte gleich beim ersten yogatermin eine ordentliche hypo, so dass ich meine sportlichen aktivitäten nahezu gen null gefahren habe (ausser dem kieser-training). seit zwei monaten laufe ich nun wieder (nicht sonderlich ambitioniert, bin reine freizeitläuferin). auf meiner ca. 7km-runde lerne ich gerade, wieviele BEs mein körper währenddessen verbrennt , was und wann ich günstenfalls vorher esse (ich hasse es, mit vollem magen zu laufen, bin früher immer morgens nüchtern gejoggt), wieviel abstand zum letzten bolus erforderlich ist -- diesen ganzen kram halt.

    deine seite macht mir mut, mich auch wieder an längere distanzen zu wagen und vielleicht doch die eine oder andere BE im laufen einzuschieben. (ich glaube, ich muss das zwischendurch essen bzw. trinken einfach trainieren.)

    außerdem finde ich es ganz wunderbar, auf jemanden zu treffen der auch diabetes hat und sportlich aktiv ist -- ich kenne nämlich sonst im umfeld zur ältere typ2er aus der “ich muss mittags immer 8BEs essen, damit ich keine unterzuckerung kriege”-fraktion.

    für heute erst mal herzlichen dank dafür, dass du uns in dieser form an deinen erfahrungen teilhaben lässt. ich komme garantiert öfter wieder.

    herzlichst
    susan

  6. Andreas

    Hallo Susan,

    erst einmal herzlich Willkommen auf diese Blog!
    Und herzlichen Dank für Deine Komplimente, ich freue mich, dass Dich die Informationen interessieren.
    Unser Lebensweg hat ja durchaus Parallelen, auch ich war unmittelbar nach der Diabetes-Diagnose durch negative Erfahrungen mehr als verunsichert und dachte wirklich: Sport und Diabetes -- das geht nicht.
    Viel später als Du habe ich mich dann auf den Weg gemacht, um genau das zu tun, was Du gerade machst, nämlich austesten, ausprobieren wie der Stoffwechsel unter welchen Bedingungen funktioniert. -- Aber das hast Du ja alles bereits gelesen …
    Dass man während dieses Prozesses einen sehr robusten Magen entwickelt -- auch wenn man sich auf diesen nicht immer 100%-ig verlassen kann (vgl. den Laufbericht von Biel ») -- ist ein unausweichlicher, vielleicht ja auch angenehmer Nebeneffekt.
    Ich habe schon ein bisschen in Deinem sehr lesenswerten Blog gestöbert (Glückwunsch zu dem Nachtlauf mit der wirklich guten Leistung!) und werde auch noch kommentieren, nur ist derzeit meine Zeit leider gerade sehr (!!!) knapp. Mir ist aber bisher noch nicht klar, wo Du lebst. Denn wenn Du sporttreibende Diabetiker kennenlernen möchtest, wäre vielleich die IDAA » etwas für Dich. Beim Championsrun in Berlin (10 km, 22. August 09) übernimmt die IDAA jedenfalls für ca. dreißig Mitglieder die Anreisekosten, Hotel-Übernachtung und das Startgeld. Zudem ist es natürlich ein Treffen, bei dem man viele Aktive kennenlernen kann … und sicher gibt es auch bei Dir in der Nähe IDAAler.

    So weit in aller “Kürze” (ist doch länger geworden, als die zwei, drei geplanten Zeilen), viele Grüße,
    Andreas

  7. susan

    hallo andreas,

    vielen dank für deine ausführliche antwort. mit der idaa werde ich mich mal beschäftigen, vielen dank für den hinweis. die kannte ich noch nicht. in der tat dürfte es sehr hilfreich sein, andere sporttreibende diabetiker kennen zu lernen, vor allem in der anfangsphase, wo alles noch ungewohnt, neu und unberechenbar ist.

    ich komme übrigens aus braunschweig -- das ist also nicht so weit weg von berlin.

    für heute herzliche grüsse -- wir lesen uns garantiert wieder

    susan

  8. Friedhelm

    Hallo,
    zuerst Dank für Deine ausführlich Darstellung.

    Ich selbst (JG 1954) hatte 2001 eine Stoffwechselentgleisung. Nach dem Krankenhausaufenthalt (eingestellt als CT) habe ich meine Basketballaktivitäten an den berühmten Nagel gehangen und mich ganz der Lauferei gewidmet.

    Zuerst fünf Minuten traben -- 5 Minuten laufen etc. bis dann nach rund vier Monaten der erste 10er anstand. Heute laufe ich bis zum HM und trainiere viermal in der Woche. Seit 2002 laufe ich zudem im Bereich des Behindertensportes mit (Klasse T48 allgem. Behinderung). In diesem Jahr habe ich bei den Int. Deutschen Meisterschaften in Sidnelfingen über die 1500 m meine insgesamt fünfte Meisterschaft eingelaufen. Im Behindertensport laufe ich die 1500/3000 m in der Seniorenklasse (z.Zt. M50 -- es gibt nur 10er Schritte.) und in der Meisterklasse die 5000 m.

    Zum Training und Wettkampf reduziere ich das Insulin und esse im Training jede halbe Stunde eine Banane. Beim Wettkampf laufe ich bis 5000 m ohne zusätzliche “Bananenverpflegung). Beim HM trage ich dann drei Banänchen mit mir herum.

    LG, Friedhelm

    PS: werde weiter Deinen Blog durchstöbern.

  9. Andreas

    Auch Dir einen herzlichen Dank für Deine interessante Lebensgeschichte und herzlichen Glückwunsch zu Deinen meisterlichen Erfolgen.
    Zwei Fragen habe ich, die Du -- falls Du wirklich noch einmal hier vorbeischaust ;-) -- sicherlich beantwortest:
    1. Was reduzierst Du zu Wettkampf und Training genau: Nur den letzten Bolus oder auch das Basalinsulin?
    2. Ich wusste gar nicht, dass wir beim Behindertensport starten dürfen: Auch ich habe einen Schwerbehindertenausweis mit 50%, ist das bereits ausreichend für die von Dir genannte Klasse (allgemeine Behinderung) oder benötigt man eine “höheren” Grad bzw. weitere Gutachten? Eine “Deutsche Meisterschaft” klingt schon toll und wenn es so etwas für längere Strecken gäbe … -- Auch wenn ich wahrscheinlich bin mit meinen Zeiten absolut chancenlos wäre, eine Teilnahme würde mich schon reizen.

    Viele Grüße,
    Andreas

  10. Friedhelm

    Hallo Andreas,
    nun ich reduziere vor dem Training und Wettkampf den letzten Bolus. In Sindelfingen (man lernt ja nie aus) habe ich auch den Abend vor dem Wettkampf das Langzeitinsulin redzuziert. Mit dem Erfolg, dass man tagsüber weniger “Sport-BE” zu führen musste.

    Ja, wir starten in der Klasse Allgemeinbehinderung. Die Altersklassen fangen mit der M40 an und hören mit der M70 auf. Es gibt keine 5-Jahressprünge wie bei den Nichtbehinderten.

    Die Starberechtigung bei den AB liegt je nach Veranstaltung bei 20-30%. Du musst Dich über Deinen Landesverband klassifizieren lassen, bekommt einen Start- und Gesundheitspass. Und dann geht es los. Starten kannst Du bei allen Landesmeisterschaften (sind als offene Meisterschaften ausgechrieben) und bei der IDM.

    Längste angebotene Strecke sind die 10.000 m in der Männerklasse. Wenn Dich Ergebnisse interessieren schaue einfach mal auf meine “zweite” Homepage:

    http://www.behindertenleichtathlet.npage.de

    Viele Grüße
    Friedhelm

  11. Michael

    Hallo Andreas,

    vor 10 Tagen ist bei mir Diabetes Typ I festgestellt worden. Ich bin 44 Jahre alt und seit seit 25 Jahren aktiver Läufer. Natürlich war diese Diagnose für mich ein ziemlicher Schock. Eigentlich wollte ich dieses Jahr beim Köln Marathon eine neue Bestzeit (bisher 3 Std. 22) laufen.

    Jetzt sitze ich hier vor meinem Computer, bin erst drei Tage aus dem Krankenhaus raus, und überlege mir, wie meine sportliche Zukunft aussehen wird. Deine Seite finde ich wirklich sehr gut, da sie zeigt, dass ich auch weiter meiner Laufleidenschaft nachgehen kann. Obwohl bei mir noch alles sehr frisch ist, war ich gestern bereits zum Test 5 km laufen. Heute werde ich dann die 12 km mit Freunden angehen.

    Ich würde mich sehr über Hinweise und Tipps freuen, was ich bei meinem Laufeinstieg beachten sollte. Ich habe auch schon eine Menge gelesen, jedoch interessieren mich natürlich Tipps von Diabetes-Lauf-Profis!

    Erwähnenswert ist, dass ich beruflich auch sehr viel mit Sport zu tun habe. Ich bin Vorstand beim Köln Marathon und für die Vermarktung zuständig. Bisher hatten wir das Thema Diabetes beim Köln Marathon noch nicht integriert (außer einem Diabetes Frühstücklauf für Jedermann am Vortag des Köln Marathons). Dies könnte ich natürlich nun ändern. Ideen habe ich auch schon, jedoch würde mich interessieren, welche Erfahrungen und Tipps Du hier hast. Vielleicht sollte ich mich auch einmal an die IDAA wenden.

    Außerdem bin ich 2007 und 2008 Interimsgeschäftsführer des Deutschen Behindertensportverbandes gewesen. Dort habe ich mich natürlich bereits mit Diabetes und Sport beschäftigt. Jetzt bin ich plötzlich selbst Betroffener.

    Über eine Rückmeldung würde ich mich natürlich sehr freuen.

    Viele Grüße vom Neudiabetiker

    Michael

  12. Friedhelm Wittlieb

    Hallo Michael,
    Kopf hoch, es geht weiter und mit dem Laufen ist noch lange nicht Schluss !
    Da ich nicht für die Marathonstrecke trainiere kann ich dir schwerlich Tipps geben. Aber: wichtig ist gerade am Anfang das Messen der Blutzuckerwerte, auch zwischendurch beim laufen. Wenn längere Strecken in der Gruppe absolviert werden, um so besser. Versäume es nicht deine Kameraden auf die Diabetes und die Möglichkeit einer Unterzuckerung hinzuweisen.
    Ich habe beim laufen immer eine Notfallration (Müsliriegel) dabei und flüssigen Traubenzucker gegen die Untezuckerung (vorausgesetzt, man kennt seine Anzeichen !!).
    Nach ca. 30 Minuten esse rund 1 1/2 bis 2 BE an Bnane, ist mir bislang am besten bekommen. Das halte ich im Wettkampf auf den Strecken 10 km bis zum Halbmarathon so bei.
    ABER: Jeder muss seine eigenen Erfahrungen sammeln. Ist leider so. Da gibt es kein Patentrezept.
    Noch ein kleiner Hinweis: Stoffwechselläufe im Marathontraining sind durch die Zuführung von Sport BE’s m. M. schwerlich möglich. Aber auf dieses Thema konnten mir selbst Experten noch keine richtige Antwort geben.

    LG Friedhelm

  13. Andreas

    Hallo Michael,

    erst einmal das Wichtigste: Deine Bestzeit beim Köln-Marathon ist NICHT in Gefahr! ;-) Zumindest muss es nicht am Diabetes liegen -- auch wenn er das Ganze natürlich nicht einfacher macht … Aber mit der nötigen Erfahrung (und dafür ist bis dahin noch viel Zeit), der (leider) nötigen Selbstorganisation und -disziplin und dem bisschen Glück, dass immer bei einer neuen Bestzeit dabei sein muss -- neben dem notwendigen Training selbstverständlich -- ist (fast) alles möglich!

    Dass das am Anfang alles nicht so leicht und von selbst geht, wirst Du sehr bald merken -- aber lass Dich davon, wie auch von der Diagnose insgesamt nicht entmutigen (ich war damals total niedergeschmettert!): Die Therapiemöglichkeiten und das Wissen zumindest einiger Ärzte ist inzwischen doch um einiges besser als noch vor wenigen Jahren.

    Bei der IDAA wirst Du auch wieder zwangsläufig bei mir landen, denn seit zwei Jahren bin ich dort Kassenwart. Damit versuche ich das “zurück zu zahlen”, was mir die IDAA vor ein paar Jahren geschenkt hat, nämlich den Weg zurück zum Sport.

    Da es aber sehr schwerfällig ist, über die Kommentare zu kommunizieren, und die Themen doch sehr vielfältig sind, bitte ich Dich, mich anzurufen. Meine Telefonnummer sende ich Dir per E-Mail.

    Viele Grüße,
    Andreas

  14. Dr. Frank Best

    Hallo, Andreas!
    Das ist ja eine Bombe an Motivation, Kompetenz und praktischer, alltagstauglicher Relevanz, die Du da in Deinem Blog ansammelst! Respekt und Glückwunsch! -- Und schön auch über alte Bekannte zu stolpern: Ulrike Thurm kenn’ ich noch aus Düsseldorfer Tagen (beim IDAA bin ich auch!), und das ist mehr als 20 Jahre her!
    EIN Punkt zieht sich wie ein roter Faden durch Deine Beiträge, aber auch durch die Kommentare anderer: BE-Aufnahme während(!!!) des Laufens, um einen BZ-Abfall zu verhindern bzw. einer Zunahme der Insulinempfindlichkeit entgegen zu wirken …
    Der Diabetologe in mir sagt: die Insulinempfindlichkeit ändert sich erst Stunden(!) nach einer Anstrengung!
    Der Hobby-Läufer (ohne Wettkampferfahrung; 20-30km/Wo.; z.Zt. mit Paradigm veo+Sensor) sagt: für meine Standardstrecke von ca. 8km benötige ich ca. 35-40 min. In dieser Zeit bleibt der BZ konstant; der BZ-Abfall kommt erst 4-6h später (wenn ich die Basalrate am Endes des Laufes nicht reduziere!)

    Viele Grüße
    Frank

  15. Andreas

    Hallo Frank,

    vielen Dank für Dein Lob und Deinen Kommentar!

    Nur verstehe ich nicht recht Deinen Zweifel an der steigenden Insulinempfindlichkeit unmittelbar mit Sportbeginn. Das finde ich in der Literatur genauso bestätigt wie in meinen (fast) täglichen Läufen.
    Heute zum Beispiel:
    - Osterfrühstück mit drei kleinen Croissants (zugegeben keine ideale Sporternährung), ca. 7 BE,
    - abgedeckt mit drei Einheiten Bolus (ein Drittel des “normalen” Bolus).
    - Gleichzeitig Absenkung der Basalrate um 30% auf 70%.
    Diese Therapieanpassung war leider noch zu wenig entschieden, denn während den ersten 15 km meines 33 km langen Laufs musste ich 11 (!) BE zu mir nehmen und die Pumpe nach vier Kilometer abkoppeln, um meinen Blutzucker gerade noch über 90 mg/dl zu halten.
    Nach 20 km habe ich dann wieder angekoppelt und die Basalrate auf 50% reduziert und konnte mit vier weiteren BE den Lauf beenden. Blutzucker am Ende: 156 mg/dl.

    Frage an den Diabetologen und Hobbysportler: Wie ist das anders zu erklären, als mit einer erhöhten Insulinempfindlichkeit? ;-)

    Viele Grüße, bin gespannt auf die Antwort,
    Andreas

  16. Dr. Frank Best

    Hallo, Andreas!
    Den Abfall bzw. die ‘Zunahme der Insulinempfindlichkeit’ bei deinem heutigen Lauf würde ich allein auf den Bolus zurück führen! Die Absenkung der BR WÄHREND des Laufs bringt m.E. gar nichts! Du benutzt doch den Navigator: mach dir den Spaß und stell die Pumpe ab und schau mal, wie lange es dauert, bis der BZ ansteigt! Bei mir dauert es ca. 4h bis ich von 100 auf 200 mg/dl angestiegen bin (ich hab’ wahrscheinlich mehr Plautze als du, deswegen wird’s bei dir vielleicht etwas schneller gehen).
    Was passiert normalerweise während des Laufens: die Muskulatur benötigt mehr Glukose; damit die Glukose in die Muskelzelle kommt, ist Insulin notwendig; wo kommt die Glukose her?: aus der Leber!; die Leber wandelt aber nur dann Glykogen in Glucose um, wenn der Insulinspiegel NIEDRIG ist! Da haben wir also ein Problem! Der Körper hilft sich, indem er die Insulinempfindlichkeit der Muskulatur steigert und die der Leberzelle verringert. Normalerweise wird also nur soviel Glukose bereit gestellt, wie auch von der Muskelzelle benötigt wird. Die Bilanz ist ausgeglichen.
    4-6h später nimmt die Insulinempfindlichkeit insgesamt zu (der Nichtdiabetiker benötigt also weniger Insulin, um seinen BZ konstant zu halten). Wenn ich meine BR oder mein Basisinsulin nicht reduziere, kriege ich meine späten Hypos!
    Ich hoffe, ich hab das nicht zu verworren beschrieben!

    Viele Grüße
    Frank

  17. Andreas

    Hallo Frank,

    dass der Bolus zu groß war, das ist mir schon klar: Beim Halbmarathon vor einer Woche (Bestzeit in 1:27:46) habe ich ein etwa gleich großes Frühstück mit 2 IE abgedeckt und die Basalrate auf 70% gesenkt und kam ohne Nahrungsaufnahme mit einem Blutzucker von ca. 130 ins Ziel.

    Dennoch widersprichst Du Dir selbst. Einmal schreibst Du
    - “die Insulinempfindlichkeit ändert sich erst Stunden(!) nach einer Anstrengung!”,
    das andere Mal
    - “Der Körper hilft sich, indem er die Insulinempfindlichkeit der Muskulatur steigert und die der Leberzelle verringert.”

    Der Widerspruch erklärt sich vermeintlich, weil Du einmal verallgemeinernd vom Gesamtsystem Körper sprichst, einmal nur von der Muskulatur. Für mich als Sportler sind aber die Auswirkungen letzterer entscheidend.

    Sicherlich hast Du Recht, dass die Glykogenolyse (und auch die Lipolyse!) in Abhängigkeit vom Insulinspiegel eine nennenswerter und hier zu selten benannter Faktor ist, die Insulinempfindlichkeit (der Muskulatur) ändert sich aber afaik unmittelbar mit Sportbeginn, denn nur dadurch kann der Insulinspiegel vom Körper mit Beginn der körperlichen Belastung massiv gesenkt werden und die Glykogenolyse ausgelöst bzw. zumindest verstärkt werden.
    Auch wenn ich aufgrund der Zeit verzögerten Resorbtion des Insulins keinen schnellen Blutzuckerabfall (wie beim Stoffwechselgesunden) auslösen kann, kann ich doch durch eine frühzeitige Absenkung der Basalrate die Bedingungen schaffen, dass ich nicht in Kombination durch erschwerter Glykogenolyse samt Lipolyse und erhöhter Insulinempfindlichkeit unterzuckere.

    Übrigens kenne ich KEINEN Sportler mit Diabetes, der bei mehrstündigen Ausdauerleistungen NICHT seine Basalrate verändert. Meine Erfahrung sagt mir eindeutig, dass ich deutlich weniger Sport-BE benötige, wenn ich die BR entsprechend absenke (bis hin zu einem steigenden Blutzucker bei zu großer Absenkung!). Die Basalrate ist eine Stellschraube, die bei kleinsten Veränderungen größte Auswirkungen hat!

    Viele Grüße,
    Andreas

  18. Detlef

    Hallo Andreas,

    ich bin 45, m, 168cm, 65kg und seit knapp 4 Wochen weiß ich, dass ich Diabetes Typ I im Anfangsstadium habe. In den letzten 9 Monaten bin ich regelmäßig gelaufen, habe auch im Winter trainiert, u.a. in Kiel den HM in 1:48 und zuletzt die 10km in 42 Minuten. Dann beim Lauf Rund-um-Ratekau (bei Lübeck) war da ein Stand des DRK, wo man seinen Hb-Wert messen lassen konnte, was ich auch trat. Außerdem konnte man auch den Blutzucker bestimmen lassen. Da ich jahrzentelang Probleme mit Unterzucker hatte, war ich gespannt. Dann der Schock: 357 (nach dem 7,5km-Lauf in 32min). Auch eine zweite Messung brachte keinen anderen Wert. Am nächsten Tag in der Apotheke lag der Wert immer noch bei 272. Die folgenden Messungen beim Arzt brachten die Gewissheit: Antikörper nachweisbar und Langzeitzucker bei 9,7.
    Auf Anraten meines Internisten laufe ich vorerst nicht mehr. Bis zu meiner Schulung und Einstellung in zwei Wochen “experimentiere” ich mit Actrarapip (also nur Bolus), was mir mehr oder weniger gut gelingt. Vorgestern bin ich dann 5h nach der letzten Mittagessengabe von nur 2E lediglich 3km in knapp 15min gelaufen. In dieser Zeit ist der BZ von 131 auf 81 gesunken! Wie soll ich bei diesem “Spritverbrauch” jemals wieder 10km oder gar einen HM laufen? Da ich z.Z. nur 10 bis 13 E am Tag spritze, wage ich mir gar nicht vorzustellen, was da noch auf mich zukommt.

    Die Berichte bei dir und anderswo zeigen mir jedoch, dass es handhabbar ist. Ich möchte auf jeden Fall wieder Laufen. Vielleicht hat der eine oder andere, bei dem die Situation ähnlich war, ein paar Tipps auf Lager.
    Trotz allem habe ich mir das Ziel gesteckt, den Halbmarathon Ende Oktober in Lübeck zu laufen.

    Detlef

  19. Andreas

    Hallo Detlef,

    erst einmal: KOPF HOCH!
    Die Diabetes-Manifestation ist für alle erst einmal ein Schock und auf den ersten Blick scheint vieles von nun an unmöglich. Das stimmt aber nicht! Alles ist möglich -- man muss “nur” herausfinden, wie!

    Bis zur Schulung solltest Du wirklich Dich ein wenig zurücknehmen -- aber danach geht’s wieder los, ganz sicher. Wenn Du dazu bei der Schulung keine Grundlagen bekommst oder Dein Arzt dazu nicht in der Lage ist, Dir Sport zu ermöglichen, dann taugt der Arzt oder die Schulung nicht (gleichwohl ich weiß, dass die meisten Diabetologen samt ihrer Diabetesassistentinnen von Sportanpassung überfordert sind).

    Ein lesenswertes Buch ist sicherlich die oben erwähnte Diabetes- und Sportfibel von Ulrike Thurm, hier erfährst Du viele Grundlagen über die Krankheit (vermutlich weitaus mehr als in der Schulung), aber auch Grundlagen der Therapieanpassung beim Sport.

    Daneben hilft Dir vielleicht auch weiter, wie ich meine Therapie anpasse:
    Sechs Schritte zur Anpassung meiner Diabetes-Therapie beim Sport

    Ansonsten können wir -- nach Deiner Schulung -- gerne einmal telefonieren, sende mir dann dazu doch einfach Deine Nummer (über das Kontakt-Formular), ich rufe Dich dann zurück.

    Zu Deinem Problem mit dem BZ-Sinkflug: Ein BZ-Abfall beim Sport von 50 in einer Viertelstunde ist nicht unnormal, die fängst Du mit einer BE wieder auf (das wären vier BE in der Stunde, eine Menge, die unser Magen durchaus schafft). Einen Halbmarathon absolvierst Du -- gemäß Deines Beispiels -- mit ca. 7 BE. Das sind z. B. ein Powerbar-Riegel vor dem Lauf und zwei Gels währenddessen. Das ist nicht unmachbar. Vermutlich wirst Du -- ohne Anpassung Deiner Insulindosen -- sogar eher noch mehr brauchen.
    Reduzieren kannst Du den Bedarf an Sport-BE durch weniger Basalinsulin (wenn Du es denn einmal spritzt), weniger Bolusinsulin bzw. einen noch größeren Abstand zum Sport (Actrapid wirkt durchaus 6 Stunden und länger!) oder eine andere Insulinsorte (Novorapid wirkt viel kürzer!). An all den Schrauben musst Du drehen, um Deine persönlich ideale Sporteinstellung zu finden. -- Aber alles in Absprache mit einem kompetenten Diabetes-Betreuungsteam.

    Eventuell ist auch die IDAA etwas für Dich. Mitglieder können sich von unseren Vorsitzenden beraten lassen und mit vielen Betroffenen austauschen.

    So weit erst einmal, hab Mut!, viele Grüße,
    Andreas

  20. Stefan

    hallo zusammnen,

    habe die seite gerade eben entdeckt und gebe dann auch noch meine erfahrungs -- haha- werte weiter. 40 jahre, typ1 seit 20 jahren, derzeitiger hba1c 5,9 und momentan im training für den frankfurt marathon (zielzeit 03:20:00).

    das was ich alles hier lese, wäre mir zu kompliziert, dh. eine andauernde be-zufuhr wärend des trainings/wettkampfes, bzw. im laufen zu oft den zucker messen zu müssen. ich handhabe das so, dass ich in der regel nur bei ausreichend erhöhten werten trainiere und auch nur, wenn das insulin am auslaufen ist (3-4 stunden nach einer dosis alt). im allgemeinen klappt das auch sehr gut, dh. kurz vor dem start den wert hochfuttern und bedingt durch das training dann auch mit einem okayen wert rauskommen.

    im training klappt das eigentlich ziemlich perfekt. okay, beim diesjährigen hh-marathon hat es nicht ganz geklappt. d.h. guter wert nach dem aufstehen (05.00 uhr -- ausgangswert 100, 8E alt (auf keinen fall basal), bis zum start um 09.00 hochgefuttert auf ca. 300) nach 15 km war war auch nach alles okay, bei km 37 war ich dann allerdings auf 65. könnte das vielleicht an den 10E basal um 23.00 am vorabend gelegen haben? ansonsten lange rede, kurzer sinn. normalerweise esse ich während eines wettkampfes überhaupt nichts (auch nicht an einem marathon) und nehme höhere werte vor dem start einfach in kauf, weil ich während des laufens mir über den zucker einfach keine gedanken machen will, bzw er sich nach und überhaupt durch den sport doch sehr schnell wieder normalisiert.

    heutige sport/zucker/tag…

    ausgangswert um 07:30: 80 -- 10 E basal -- 10 E Alt
    wert um 12:00: 132 -- 9 E Alt
    wert um 15.00: 120
    so in einer stunde mach ich mich dann auf die socken für 4 x 2000 m intervalltraining und futtere vorher den wert so auf 200 hoch, danach müsste ich so auf 120 rauskommen.

    allen beste grüße und seid versichert, diabetes und sport (auch ambitioniert) schließen sich nicht aus, sondern erforden “lediglich” gute planung und den einen oder anderen teststreifen mehr.

    stefan

  21. Sascha

    Hallo, vielen vielen Dank für die interessanten und nützlichen Tipps und Hinweise. Ich finde es sehr gut, wie Du mit der Diagnose Diabetes umgehst. Ich bin noch neu auf diesem Gebiet. Bei mir wurde Diabetes erst vor ca. 2 Wochen diagnostiziert. Nun bin ich Dank Internet auf der Suche nach Tipps zur Ernährung und wie man am besten den Blutzuckerspiegel messen kann. Gibt ja eine Menge an Möglichkeiten. Ob die alle so sicher sind, na ich weiß nicht. Deine Seite jedenfalls hat mir gezeigt, ich solle den Kopf nicht in den Sand stecken, es geht immer weiter. Danke dafür. LG Sascha

  22. Andreas

    Hallo Sascha!

    Vielen Dank für Deine netten Worte und Willkommen im Club. ;-)

    Als Blutzuckermessgerät benutze ich das Freestyle Lite: Klein, wenig Blut, schnell und -- wie ich finde -- genau. Dazu eine Teststreifenbeleuchtung, die auch Messungen des Nachts erlaubt.
    Daneben habe ich ein CGM, ein kontinuierliches Messsystem, das mittels eines Sensors den Glukosegehalt des Zwischenzellwasser misst und meist einen recht genauen Blutzuckerwert anzeigt. Bisher bin ich zufriedener Nutzer des Freestyle Navigators, zurzeit probiere ich aber die animas vibe aus, eine Insulinpumpe mit eingebauten CGM der Firma Dexcom.

    Hinsichtlich Ernährung könntest Du auch mal auf der Seite der IDAA stöbern:
    http://www.idaa.de/forum/beitraege//ernaehrung_low_carb_und_logi_im_alltag_und_beim_sport.html
    Hier haben einige Sportler, teilweise auch mit sehr frisch diagnostiziertem Diabetes Low Carb ausprobiert.
    Grundsätzlich gilt natürlich: Ein Diabetiker kann alles essen, was ihm schmeckt. Er muss nur wissen, wie er es berechnet und wie er seine Therapie anpasst.

    Viele Grüße, keep on running,
    Andreas

  23. armin scholz

    Hallo Andreas,

    mein name ist armin scholz und ich komme aus der schönen stadt cuxhaven oben an der nordseeküste.

    ich bin seit dem jahre 2003 diabetiker typ 1 und habe ab dem jahre 2004 mit dem laufen begonnen und 2006 in hamburg meinen ersten marathon absolviert.

    leider habe ich nach erreichen meines ziel / marathon,das laufen aus dem blick verloren und wie du auch mit beruflich verändert. Ich bin aber durch deine Seite wieder auf dem Weg zum Läufer.

    Ich werde weiter berichten wie es bei mir weitergeht.

    Mfg.
    Armin

  24. Andreas

    Mensch, das freut mich sehr!
    Vielleicht ergibt sich ja mal ein gemeinsamer Lauf… ;-)

    Alles Gute auf dem Weg zurück,
    Andreas

  25. Cornelia Hagemann-Rohweder

    Hallo Andreas,
    Freizeitsport betreibe ich auch, organisiere die n. g. Veranstaltung und schreibe Dich aber an, weil Ulrike Thurm mir den Hinweis gab. Der DDB LV Hamburge.V. veranstaltet am 13. April 2013 den nächsten großen Diabetikertag im CCH. Ulrike sagte, dass Du in Hamburg lebst (ich hatte sie angeschrieben wg. eines Vortrages) und meinte, ich sollte Dich fragen, ob Du nicht einen Vortrag über Diabetes und Ausdauersport halten könntest. Da wir die Vorträge überwiegend unterscheiden zwischen Typ-1 und Typ-2, wäre Dein Vortrag für Typ-1. Freue mich, von Dir zu hören.
    Cornelia Hagemann-Rohweder
    Projektmanagement Diabetikertag
    Deutscher Diabetiker Bund Landesverband Hamburg e. V.

  26. Nils Gouin

    Hallo Andreas,
    wirklich sehr interessant und beeindruckend was du hier so alles niedergeschrieben hast. Ich bin seid ca. 2,5 Wochen Typ 1 Diabetiker (quasi als Geschenk zum 32. Geburtstag!!!) und bin jetzt wieder langsam mit dem Lauftraining angefangen. Die Krankheit hat mir erstmal die Triathlonsaison 2013 versaut, aber ich schaue ganz optimistisch in die Zukunft. Ich finde es unbeschreiblich was ich hier auf deiner HP lese und sauge alles in mich auf. Ich hoffe ich habe die Krankheit bald soweit in meinen Alltag integriert, das ich mich wieder voll auf das Training konzentrieren kann. Vielen Dank und mach weiter so.
    Sportliche Grüsse
    Nils

  27. Andreas

    Dir, Nils, auch alles Gute!
    Sicherlich ist diese Triathlon-Saison mehr oder weniger hin, mit dem neuen Begleiter muss man sich erst einmal anfreunden. Aber ich freue mich, wenn ich einen kleinen Beitrag dazu geleistet habe, dass Du Dich nicht entmutigen lässt (so wie es mir jahrelang gegangen ist). Sport und Diabetes, das geht durchaus!
    Vielleicht lernen wir uns ja mal bei einem Triathlon oder Lauf kennen.
    Liebe Grüße,
    Andreas

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