Wir sind nicht „SCHE1SSE“!

Ich fühle mich verletzt, bloßgestellt, diffamiert. Von einer Kampagne des Helmholtz-Instituts, die eigentlich Gutes will: Eine Welt ohne Diabetes.

Foto-Zitat von der Webseite des Helmholtz-Instituts

Als ich gestern zum ersten Mal das Plakat sah, konnte ich nicht anders, ich weinte wegen meines Diabetes. Zum ersten Mal seit dem Tag meiner Diagnose vor fast genau 30 Jahren. Und beim Googlen nach der Kampagne finden sich so gut wie keine kritischen Stimmen. Das ist entmutigend.

Das sprachliche Armutszeugnis für die Urheber und Unterstützer der Kampagne ist schlimm, viel schlimmer aber ist, dass diese Kampagne auch mit den folgenden Plakaten „Andi ist And1“ Menschen auf eine Krankheit reduziert, die mit dem Auftaktplakat zuvor eindeutig bewertet wurden: „Andi ist ein SCHE1SSTYP!“

Es war für mich ein weiter Weg, vom Verstecken der Krankheit selbst vor Freunden, vom Inkaufnehmen hoher Blutzuckerwerte in Gesellschaft, nur damit keiner bemerkt, dass ich spritzen muss, hin zu einem selbstbewussten Umgang mit meinem Diabetes, ein Weg, der mir genau das Gefühl nahm, das ich jetzt wieder eingetrichtert bekommen soll: Du bist weniger Wert als Gesunde oder mit den Worten der Kampagne: Du bist ein „Sche1sstyp“.

Mein Blog, in dem ich zuletzt kaum noch schrieb, da andere Berufsdiabetiker diese Arbeit gekonnt übernommen haben und irgendwie auch alles gesagt war, sollte genau das Gegenteil zeigen:

MENSCHEN MIT DIABETES KÖNNEN ALLES ERREICHEN,
wenn sie sich nicht entmutigen lassen,
wenn sie sich und ihren Diabetes annehmen und kennenlernen,
wenn sie ihre Therapie anpassen können,
WENN SIE ES GUT VORBEREITEN UND EINFACH TUN!

Oder mit anderen Worten, wenn sie sich weder „sche1sse“ fühlen noch „sche1sse“ sind.

Die Kampagne und meine Überzeugung stehen sich unvereinbar gegenüber. Denke ich die Aussage der Plakate zu Ende, müsste ich eigentlich folgenden Brief schreiben:

Sehr geehrte Frau Prof. Dr. Ziegler, sehr geehrte Unterstützerinnen und Unterstützer der Kampagne,

hiermit entschuldige mich dafür, dass ich mich mit 18 Jahren anlässliche meiner Diabetes-Diagnose weder umgebracht habe noch sterilisieren ließ. Ich weiß, es war verdammt gefährlich, diese Schritte zu unterlassen. So mutete ich der Gesellschaft nicht nur meine Existenz zu, ließ von der Allgemeinheit meine Krankheitskosten mittragen, sondern trug auch noch zur Weiterverbreitung des „Sche1sstyps“ bei.

Ich weiß jetzt, dass es besser gewesen wäre, nicht zwei Kindern ein glückliches Leben zu schenken, weil ja auch in ihnen vielleicht ein „Sche1sstyp“ angelegt ist. Aber glücklicher Weise erfahre ich jetzt durch Ihre Kampagne, dass ich deren Gene schnell testen kann, dank Ihrer Hilfe. Meine Jungs werden sich sicher freuen, wenn ich ihnen sagen kann, dass sie genauso „Sche1sstypen“ sind wie ich.

Auch meinen Einsatz für Menschen mit Diabetes bereue ich zutiefst. Ich hätte nicht durch Vorträge, meinen Blog, Artikel im Diabetes- und Sportjahrbuch und meine Apps dazu beitragen sollen, dass Menschen mit ihrem Diabetes besser umgehen und vielleicht ein glücklicheres Leben führen – kurz: weniger „sche1sse“ sind.

Das, was ich jetzt tun möchte, ist diesen Blog erst einmal abzuschalten. Denn meine Gegenbotschaft steht Ihrer guten Kampagne entgegen. Und für eine Welt ohne Diabetes bin ich ja eigentlich auch.

Mit freundlichen Grüßen
Ihr Andreas May
Sche1sstyp

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