Conergy Hamburg Marathon

Um es gleich vorweg zu sagen: Ich war doch ganz schön enttäuscht!

Nicht von den Zuschauern: Die waren erste Klasse! Überall standen Menschenmassen, die sich wirklich für den Lauf interessierten und hochmotiviert anfeuerten! Die alte Dame mit dem Schild „Weiter so“, die gesettete Familie, die mit edlem Porzelan an der Strecke frühstückte, die vielen Menschen, die mit privat gekauften Bechern unermüdlich Wasser verteilten, die Damen mit den Melonenstücken, meine lieben Kollegen (eine sogar mit einem gebastelten Schild!) und und und …

Derart unterstützt hätte es doch mit der angepeilten und erwarteten Zeit von 3:10 klappen müssen!

Und es ging auch gut los. Die ersten Kilometer meist mit einem Schnitt von 4:25 Minuten/Kilometer, die Halbmarathonmarke mit 1:34, alles deutete auf eine Zeit von 3:10 hin, eventuell sogar etwas darunter.

Doch dann wurde ich immer langsamer. Bald musste ich selbst um einen 5-Minuten-Schnitt kämpfen, am Ende fielen mir sogar 5:30 schwer. Ab Kilometer 27 war es eine Qual, wie bei noch keinem Marathon zuvor.

Warum?

Ich weiß es nicht, habe aber ein paar Vermutungen:

  • Der Halbmarathon in Berlin vor drei Wochen (mit 1:29:20 schnellste Zeit, seitdem ich Diabetes habe – lediglich mit 17 Jahren war ich schneller) steckte mir noch in den Knochen,
  • der 5 Tage später gelaufene 50-Kilometer-Trainingslauf hat die Regeneration noch einmal verlangsamt (obwohl ich den sehr langsam gelaufen bin),
  • die Steigerungsläufe am Donnerstag, drei Tage vor dem Marathon waren zu heftig (ich hatte Samstag noch leichten Muskelkater),
  • das in diesem Jahr noch ungewohnte warme Wetter (ich bin zum ersten Mal mit kurzen Ärmeln gelaufen und habe so viel getrunken, wie bei keinem Marathon zuvor)

Wahrscheinlich ist es aber die Kombination der genannten Punkte, die dazu führte, dass ich nicht so fit war, wie ich das eigentlich nach dem Training der letzten Wochen und der Halbmarathonzeit erwartet habe. Insbesondere meine Oberschenkel sehnten sich nach einer U-Bahn, die sie zum Ziel fährt statt zu laufen.

Schade, die Enttäuschung ist auch deshalb so groß, weil die ersten Kilometer so anstrengungslos liefen. Ich hatte eher das Gefühl mich bremsen zu müssen, als mich zu überanstrengen.

Aber auch meine Diabetes-Einstellung war nicht optimal und hat zu dem nicht ganz optimalen Ergebnis beigetragen.


DIABETES-ANPASSUNG

  • 6:25: Aufstehen – BZ: 156 – IE: – BE: 0,5 (Milchkaffee)
  • 8:10: BZ: 184 – BE: 2 (Mein Frühstück, geplant waren eigentlich 4 BE) – Reduktion der Basalrate: 60%
  • 8:45: Kurz vor dem Start: BZ: 310 – IE: 2 (Der Wert ist unerwartet hoch: Adrenalin + BEs? Außerdem hätte ich um 6:25 schärfer korrigieren sollen. Deswegen habe ich 2 IE abgegeben, damit müsste ich diese Spitze gut weglaufen können. Weitere Konsequenzen: Viel trinken und alle 5 Kilometer messen, Reduktion der BR auf 70% hochgesetzt)
  • 9:25: Kilometer 5,5 – BZ: 304 (Der Anstieg ist gestoppt.)
  • 9:45: Kilometer 10 – BZ: 258 (Alles wird gut: Fallende Tendenz. Ich verbrenne also 50 mg auf 5 Kilometern. Mit diesem Wert lässt sich gut rechnen.)
  • 10:10: Kilometer 15,5 – BZ: 209 (Der Blutzucker fällt linear wie erwartet.) – BE: 2
  • 10:50: Kilometer 25 – BZ: 164 (Traumwert wieder erreicht!) – BE: 4
  • 12:25: Ziel – BZ: 152 (Perfektes Ende des Rennens, zumindest blutzuckermäßig, nachdem zuvor doch einiges schief lief.) – Reduktion der BR: 90% – BE: 3 – IE: 2,5

Sicherlich hat der zu Beginn des Rennens zu hohe Zucker auch ein paar Körner gekostet. Vor allem hat er neben der Hitze zum großen Durst beigetragen, den ich während des gesamten Marathons hatte. – Über den Aufstehbolus sowie die Basalratenreduktion muss ich noch einmal nachdenken. Das ist so noch nicht optimal. In 3 Wochen beim Rennsteiglauf muss das besser passen!

Ach ja, meine Zeit im Ziel war 3:20:13. 53 Sekunden langsamer als meine Bestzeit auf einer im Vergleich zu Berlin deutlich anspruchsvolleren Strecke. Also eigentlich nicht schlecht – aber ich dachte halt, es wäre viel mehr drin …

Conergy Hamburg Marathon 2008

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Veröffentlicht von

Andreas

* 1970 in Trier, seit 1988: Diabetes Typ 1 (CSII mit animas vibe, Dexcom G4), seit 2005: leistungsorientiertes Training (vor allem Laufen, aber auch Radfahren), zahlreiche Marathons, Ultras und Ironmans

2 Gedanken zu „Conergy Hamburg Marathon“

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