Neoprenanzug: Erster Praxistest

Um es gleich vorwegzunehmen: Der Aqua-Sphere-FXP-Anzug ist 100% der Richtige für mich (vgl. Mein erster Neoprenanzug)!

Gestern war ich im „See Unterm Horn“ (Hamburg, Aumühle) schwimmen. Nach den vielen Sonnentagen der letzten Zeit war ich mir sicher, dass die Wassertemperatur angenehm sein würde. Ahnte aber nicht, wie warm der 530 m lange und 210 Meter breite See, aber nur 15 Meter tiefe See sein würde. – Oder war es doch der Anzug?

Aber erst einmal der Reihe nach.

Am See angekommen arbeitete ich mich in den Neo hinein. Was von Mal zu Mal immer leichter fällt (ich hatte im Trockenen extra noch einmal geübt), aber dennoch dauert: 10 Minuten gehen schnell ins Land. Bei dieser schweißtreibenden Angelegenheit war ich die Attraktion des kleinen Sandstrandes, den dieser See besitzt. Neugierige Augen glotzten ohne Unterlass auf meine merkwürdigen Verrenkungen. Ich war mir nicht sicher, ob sich unter das Staunen über das anscheinend bisher Ungesehene nicht auch Spott mischte. Und das, obwohl der Neoprenanzug doch inzwischen massentauglich geworden ist, bietet doch Lidl zur Zeit ebenfalls Neoprenazüge an (dass diese nicht zum Schwimmen, sondern eher zum Schnorcheln geeignet sind, sollte für den Laien eigentlich keinen Unterschied machen).

Endlich hineingezwängt ging es gleich ins Wasser. An den Füßen frisch (19° bis 20°, vielleicht auch wärmer) spürte ich am Körper nichts von der Temperatur des Wasser, im Gegenteil: Das eindringende Wasser war eher angenehm erfrischend als kalt. Wie erwartet, erlaubt der Anzug auch einem Warmduscher wie mir ein Schwimmen in freien Gewässern, auch wenn die Temperatur noch nicht die meines Badewassers erreicht hat.

Und schwimmen lässt sich hervorragend: Der Anzug passt perfekt (Größe M bei 180 cm Körpergröße und 74 kg Gewicht) und wirkt sich deutlich auf die Wasserlage aus. Der ganze Körper liegt einige Zentimeter höher (ich habe es besonders im Brustbereich gespürt). Durch die deutlich höhere Position der Schultern fällt der Kraul-Armzug viel leichter, es benötigt deutlich weniger Anstrengung, die Arme aus dem Wasser zu heben und weit nach vorne zu strecken. Hier muss ich auch das Material loben, es ist insbesondere im Schulterbereich sehr flexibel (auch wenn ich eingestehen muss, keinen Vergleich mit höherpreisigen Anzügen zu haben).
Und um den Beinschlag muss man sich gar keine Gedanken machen, selbst ohne ist die Schwimmlage stabil.

Die Geschwindigkeit konnte ich nicht wirklich mit dem Schwimmen ohne Anzug vergleichen, da ich zwar die Länge des Sees zur Orientierung auf der Karte ausgemessen hatte, aber im Eifer des Gefechts des Anziehens und der Neugier auf das neue Schwimmerlebnis vergessen hatte, meine Uhr wieder anzulegen. Mein subjektiver Eindruck jedoch ist, dass ich mit deutlich weniger Kraftaufwand (ich hätte ewig weiter schwimmen können) schneller unterwegs war. Und das macht richtig Spaß! – Auch wenn das Schwimmen an sich im relativ trüben Wasser (Sichtweite ca. 2 Meter) nicht besonders interessant ist: Man sieht halt nichts außer einer grünen Wand …
Diesbezüglich hat Brustschwimmen einen deutlichen Vorteil gegenüber Kraul, weil durch das im Vergleich deutlich längere und höhere Auftauchen viel mehr von der Umgebung gesehen werden kann. Allerdings wirkt sich der Vorteil des Anzugs hier nicht aus. Im Gegenteil: Irgendwie kam ich mir beim Brustschwimmen lahm vor.


DIABETES-ANPASSUNG

Ein Beleg für die größere Effizienz beim Kraulschwimmen, die der Anzug verleiht, ist mein deutlich geringerer Energieverbrauch: Für die ca. 1500 Meter, die ich im See geschwommen bin, habe ich nur zwei BE benötigt. Ohne Anzug habe ich im Schwimmbad zuletzt eine bis zwei BE mehr verbrannt.
Und das, obwohl meine Insulinempfindlichkeit durch die Anfahrt mit dem Fahrrad (ca. 8 Kilometer) eigentlich erhöht gewesen ist.

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Veröffentlicht von

Andreas

* 1970 in Trier, seit 1988: Diabetes Typ 1 (CSII mit animas vibe, Dexcom G4), seit 2005: leistungsorientiertes Training (vor allem Laufen, aber auch Radfahren), zahlreiche Marathons, Ultras und Ironmans

4 Gedanken zu „Neoprenanzug: Erster Praxistest“

  1. Hallo Patrick,
    ist ja interessant, auch ich habe gestern erste Erfahrungen mit dem Neoprenschwimmen gesammelt. Werd öfters mal reinschauen. Vielleicht sieht man sich am Rennsteig.

    Liebe Grüße, Kathrin(chen)

  2. Hallo Kathrin,

    willkommen auf meinem kleinen Blog (und viele Grüße ins laufen-aktuell-Forum).
    Von Deinen Erfahrungen und der sensationellen Verbesserung der Schwimmzeit von mehr als 2 Minuten habe ich gelesen. 🙂
    Bezüglich Rennsteig: Ja, vielleicht sehen wir uns -- bin jedenfalls morgen in Eisenach und ziehe durch die Straßen und übers Kloß-Fest. Übernachten werde ich im Hotel Glockenhof, Grimmelgasse 4.
    Bin relativ leicht zu erkennen, weil mir vor vielen Jahren alle Haare ausgefallen sind … und so viele mit Vollglatze wird es wahrscheinlich nicht geben (beim Lauf trage ich allerdings eine weiße Mütze).
    Welche Zeit planst Du denn? Ich möchte einen 6-Minuten-Schnitt laufen (also extra langsam) in der Hoffnung, nicht leiden zu müssen.

    Viele Grüße,
    Andreas (patrick_schere ist nur ein Nickname)

  3. Hi Andreas, es wäre schön, wenn wir uns irgendwie erkennen! Ich schau mal nach Dir! Ich seh so aus, wie auf den Fotos und hab Blau-Schwarze Klamotten an (blaues Tria-Shirt und schwarze Armlinge…) Du willst so langsam laufen? Bei Deinen Zeiten wäre aber sicher mehr drin. Ich würde mich freuen, wenn ich das Ding in 8 Stunden schaffe, aber wenn´s 8:30 werden, ists auch ok.

    Wenn wir uns nicht treffen: Viel Spaß und Erfolg! Und wenn wir uns doch treffen: Viel Spaß und Erfolg! -- und liebe Grüße, Kathrin (Die im wirklichen Leben auch Kathrin heißt ;-))

  4. Werde auch nach Dir mal Ausschau halten … vielleicht klappt’s ja.
    Ich trage das blaue Amnesty-Laufshirt wie auf dem Foto im laufen-aktuell-Forum, ebenfalls schwarze Armlinge und eine weiße Mütze (concurve) und so hässliche, weiße CEP-Socken.
    Und zum Tempo: Naja, soooo langsam finde ich das nicht -- ist mein erster Ultra und der längste Trainingslauf waren 50 Kilometer. Kann die Belastung halt nicht einschätzen, habe einen riesen Respekt vor der Strecke und wiederhole seit gestern unentwegt das Mantra: Du läufst locker los, nicht schneller als 6, du läufst locker los, nicht schneller als 6, du läufst …
    Deshalb werde ich mich im Start-Pulk auch in die hintere Mitte eingruppieren, das wird dann schon passen (notfalls wird halt überholt, wenn ich merke, dass ich’s kann).
    Vielleicht laufen wir ja auch ein Stück gemeinsam, mal sehen, wie das so wird.
    Bin jedenfalls mächtig nervös, schlafe schlecht -- herrlich!

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