Radfahren und seinen Blutzucker bestimmen

Ein Problem, das ich vor meinem ersten Triathlon in vier Wochen lösen muss, ist die Frage, wie kann ich während des Fahrens meinen Blutzucker messen.

Denn während des Rennens anhalten finde ich ziemlich blöd, auch wenn sich der „Zeitverlust“ sicherlich auf nicht mehr als eine Minute beläuft und letztlich in meiner Leistungsklasse absolut irrelevant ist. Eher würde ich, so wie ich mich kenne, auf eine Messung verzichten und mich auf mein „Gefühl“ verlassen, was an sich leichtsinnig und inakzeptabel ist, aber trotz dieser Einsicht leider nicht an Wahrscheinlichkeit verliert.
Also muss eine Lösung her!

Da ich weiß, dass das accu-check Triathlon-Team mit dem accu-check Compact Plus misst, habe ich mir dieses als Testgerät schicken lassen. Die Vorteile klingen überzeugend:

  • Die Stechhilfe ist an der Seite mit dem Messgerät verbunden.
  • Die Sensoren werden aus einer Trommel (Inhalt: 17 Sensoren) auf Knopfdruck mit einem Motor in die richtige Position gefahren und anschließend „ausgespuckt“.
  • Das Messgerät piepst sehr laut bei jedem Schritt (Sensor ausgefahren, genug Blut aufgetragen, Blutzucker bestimmt).

Dadurch ist, falls das Messgerät fixiert ist, eine Bedienung mit einer Hand möglich. Das heißt, ich kann mit einer Hand lenken, während die andere den Messvorgang durchführt. Zudem können die Blicke auf das Messgerät aufgrund der lautstarken Meldungen auf ein Minimum begrenzt werde: Die Aufmerksamkeit bleibt weitgehend der Straße vorbehalten.

Die Montage an mein Rennrad erwies sich als problemlos (vgl. Foto links): Das Gerät habe ich mit zwei Tesafilm-Streifen sicher befestigt (sicher, das geht auch ordentlicher – es war halt ein erster Versuch). Dabei sollte man unbedingt darauf achten, dass das obere Ende der Stechhilfe nicht fixiert wird, denn hiermit wird die Lancette gespannt und losgefeuert.

Der Praxistest bestätigte, dass eine Ein-Hand-Bedienung problemlos möglich ist. Allerdings lässt das Display sehr zu wünschen übrig. Bei moderatem Sonneneinfall lässt sich der Wert nur ablesen, wenn ich mit der Hand das Display vom Sonnenlicht abschatte und mich zugleich bemühe, im richtigen Winkel auf die Anzeige zu sehen.
Erschreckend finde ich auch die monströs große Form: Das Ding (accu-check Compact Plus) ist einfach nur klobig, was älteren Menschen die Bedienung sicherlich erleichtert, für mich aber jede Alltagstauglichkeit nimmt.

Mit anderen Worten: Auf dem Fahrrad sehe ich derzeit keine andere Möglichkeit, als mit diesem Messgerät ohne abzusteigen meinen Blutzucker zu messen.
Im Alltag bleibe ich aber bei meinem Freestyle Lite, dass klein und fein, schnell und mit einem immer (!) ablesbaren Display meine Werte mit viel weniger Blut bestimmt.
Vielleicht ist ja bereits ein Gerät in der Pipeline, dass die Vorteile beider Geräte vereint? – Ein Freestyle Lite mit integrierter Stechhilfe und automatischem Sensoren-Auswurf oder ein accu-check Compact Plusplus mit einem vernünftigen Display, weniger Blutbedarf und kleinerem Formfaktor …

EDIT: Da die Wettervorhersage beim Triathlon am vergangenen Sonntag, den 22.06.08, für Berlin sonniges und trockenes Wetter vorausgesagt hatte, habe ich das Messgerät wie beschrieben benutzt und zweimal problemlos bei knapp 40 km/h gemessen. Eigentlich super! — NUR: Als ich nach dem Triathlon wieder mit dem Gerät messen wollte, ging nichts mehr, lediglich eine Fehlermeldung begleitete das Piepsen: Das Gerät war in der Sonne zu heiß geworden.
Damit ist das Testergebnis eindeutig:
MEINE LÖSUNG IST – auch bei gutem Wetter – KEINE LÖSUNG!

EDIT 2: Eine – zugegeben sehr kostenintensive – Lösung ist der Freestyle Navigator, das kontinuierliche Glukose-Messsystem der Firma Abbott. Dieser bestimmt mit einem am Oberarm oder Bauch fixierten Sensor minütlich den Blutzucker, zeigt den Trend des Blutzuckerverlaufs an (steigend, stark fallend etc.) und warnt mit lauten Signaltönen vor Hypo- und Hyperglykämien. Hier bleiben die Arme frei, weil keine Messung nötig ist, und man ist stets perfekt informiert.
Einige Hinweise habe ich in einem ausführlichen Artikel zusammengestellt:

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Veröffentlicht von

Andreas

* 1970 in Trier, seit 1988: Diabetes Typ 1 (CSII mit animas vibe, Dexcom G4), seit 2005: leistungsorientiertes Training (vor allem Laufen, aber auch Radfahren), zahlreiche Marathons, Ultras und Ironmans

12 Gedanken zu „Radfahren und seinen Blutzucker bestimmen“

  1. Beim Triathlon hätte ich bei so einer Befestigung Angst, dass das Gerät absäuft, wenns mal regnet (und das kommt durchaus öfter vor). Ansonsten war ich von dem Gerät auch nicht so begeistert. Hast Du einen Aufsatz auf Deinem Rennrad? Würde ich sehr empfehlen, dann hat man nämlich beide Hände frei und kann auch mit dem normalen Messgerät messen -- denke ich zuminstest. Mein Tria-Rad ist seit meiner Erstmanifestation eingemottet und wird erst demnächst wieder rausgeholt.

    Ansonsten geb ich Dir recht zum Gerät: Ist trotz guter Idee auch nicht so mein Fall.

  2. Du hast Recht, Regen wäre bei dieser Lösung das Ende jedes Messens auf dem Rad. Hatte ich als Schönwetter-Trainierer nicht bedacht ….

    Einen Triathlon-Lenker habe ich (noch) nicht, aber logisch, das ist ein Lösung: Die Hände sind dicht beisammen und gelenkt wird -- bei entsprechender Übung -- mit den Unterarmen.
    Werde also mal schauen, ob ich mein Rad entsprechend umrüste.

    Übrigens habe ich auch mit meiner Erstmanifestation im Jahre 1988 mit Triathlon aufgehört, nachdem ich kurz zuvor zwei Triathlons mit großem Spaß und Altersklassen-Erfolg (2. Platz) bestritten hatte. Aber aufgrund der Diabetes-Diagnose und mangelnder Beratung habe ich fast komplett mit Sport aufgehört … und erst jetzt wieder begonnen. Auch deshalb mein Weg zurück zum Triathlon.

  3. Ich habe am Ende des Artikels noch eine Ergänzung eingefügt, denn die von mir getestete Methode geht gar nicht! Das schwarze Messgerät wird bei Sonne zu heiß und misst irgendwann gar nicht mehr. Eine Lösung die aber weder bei Regen noch bei Sonne, sondern nur bei bedecktem Himmel funktioniert, ist keine Lösung! — Ich muss also weiter suchen …

  4. Halo,
    die Erfahrungen mit dem Akku Check kann ich bestätigen, auch in der Gürtetasche wurde dem Gerät zu warm und es maß nichts mehr.
    Über ein Abott Gerät habe ich auch schon nachgedacht, aber mein Arzt hat mich ausgelacht, weil er kein Kosten / Nutzen Verhltnis sieht. Aber gerade um seinen Körper beim Spor kennenzulernen ist dies sicher eine große Hilfe. Ich jedenfalls tue mich da sehr schwer und muss mit Einzelmessungen zurecht kommen, was mir sichtlich schwer fällt. Andere Nahrung ausprobieren habe ich längst aufgegeben, damit ich nicht zigmal messen muss…
    Wie hoch sind neben der Anschaffung denn die laufenden Kosten für den Sensor beim Freestyle?

  5. Hallo Anja,
    das hätte ich ja nicht gedacht, dass das Accu Check Compact Plus selbst in einer Gürteltasche ein Hitzeproblem entwickelt … Also das hatte ich mit meinen Freestyle-Geräten (Freestyle Mini und Lite) noch nie, selbst bei größter Hitze waren die bei langen Laufeinheiten immer einsatzbereit.
    ———--
    Dass Dein Arzt den Freestyle Navigator skeptisch beurteilt, kann ich nicht nachvollziehen. Das Gerät ist -- trotz aller Einschränkungen wie der zu große Formfaktor von Sender und Empfänger, die schlechten Klebeeigenschaften des Sensorträgers, der Stoß-Empfindlichkeit des Gerätes -- sensationell: Meiner Meinung nach ist die kontinuierliche Glukosemessung jeden Cent wert, ein echter Meilenstein in der Therapie (und nicht nur beim Sport!), ich lerne sooooo viel über meinen Diabetes (Basalbedarf, Wirkung von Lebensmitteln etc.) und habe, so lange ich das Ding trage, keinerlei Hypos mehr!!!
    Jeden Cent wert ist es allerdings nur, wenn es die Kasse bezahlt oder man selbst gut situiert ist, denn 6 Sensoren kosten derzeit (vielleicht wird der Preis ja irgendwann sinken) 389,- Euro, das sind 65,- Euro das Stück bzw. -- bei fünf Tagen Liegedauer -- 12 Euro pro Tag.
    Die Kosten lassen sich in halbieren, wenn man die Laufzeit des Sensors mit einem Trick verdoppelt (oder sogar verdreifacht). Die Genauigkeit der Werte wird davon zwar nicht beeinträchtigt (heißt es in einschlägigen Foren und Newsgroups…), allerdings liegt der Sensor dann entsprechend lange, was unter Umständen zu Problemen an der Einstichstelle führen kann (allerdings verneinen das die Nutzer, die das tun …). Verdoppelt man die Laufzeit, sind es „nur“ noch 6 Euro pro Tag, also eine Schachtel Zigaretten, die die kontinuierliche Glukosemessung kostet.

    Viele Grüße,
    Andreas

    Newsgroup CGMS (englisch):
    http://health.groups.yahoo.com/group/diabetescgms/

  6. Danke für die Tips.
    Nächste Wohe habe ich wieder einen Termin und werde das nochmals thematisieren. Nicht nur, dass ich erne bessere Leistungen bringen möchte, ich möchte auch effektiver trainieren können, meine Werte verbessern und unbedingt abnehmen.
    Vielleicht hilft das Gerät mir dabei, so wie es ist ist es nämlich sehr wenig zufriedenstellend, insbesondere was die Werrte betrifft.
    Ich werde sehen, jedenfalls hast du mir, mit deiner ganzen Homepage schon sehr geholfen!

  7. Helfen würde der Navigator sicherlich …
    Also, ich drück die Daumen, dass Dein Arzt da mitmacht, ich kann mir, wie gesagt, nicht erklären, woher seine Skepsis kommt.
    Das für eine Kostenübernahme beigesetzlichen sehr genau oder eher sehr geschickt begründet werden muss, das ist klar. Und ob dann die Kasse zahlt, steht noch einmal auf einem anderen Blatt.
    Aber: Warum nicht die derzeitige Situation nutzen (dank neuem Gesundheitsfond bringen den Krankenkassen „gesunde“ Diabetiker, also Diabetiker ohne Spätschäden ja mehr Geld, als sie die Kasse kosten) und mal die Kassen anschreiben mit einem Brief, dessen Inhalt heißt: Ich würde zu Ihnen wechseln, wenn Sie mir die Kosten eines Navigators ersetzen?

    Wünsch Dir jedenfalls viel Glück,
    Andreas

  8. Hallo,
    ich habe das Thema vorgebracht -- der Anlass war auch wieder gegeben (HbA1c letztes Quartal 9,1, dieses Quartal 8,7) und wurde erstmal ausgelacht.
    Der Aussage des Arztes nach gäbe es keine deutsche gesetzliche KV, die diese Kosten wenigstens anteilig übernimmt und er wisse auch nicht welche Begründung man dafür vorbringen sollte.
    Ich ben nicht in einer gesetzlichen KV, weil ich Beamte bin und haben einen sog. sonstigen Kostenträger. Muss ich testen, was der übernimmt und was nicht.
    Mir will er nun ein Schreiben aufsetzen „…zur Anpassung der Therapie…blablabla“ ich bin mal gespannt.
    So kann und sollte es ja nicht weitergehen und ganz aufhören mit Sport willich auch nicht.
    Hat dich deine KV denn unterstützt, und mit welcher Begründung des Arztes?

  9. Hallo Anja,
    Dein Arzt irrt, ich weiß von zwei Fällen, bei denen die Barmer die Kosten fast vollständig übernommen hat (wenn auch „nur“ bis zu einer Höchstgrenze von 600,- Euro pro Quartal für die Sensoren).
    Zudem ist mein Status ein ähnlicher wie Deiner: Ich bin verbeamteter Lehrer und bekomme alle Kosten sowohl von der Hamburger Beihilfe als auch von meiner privaten Krankenkasse ersetzt. Bei der privaten war lediglich ein Anruf von mir nötig (ich habe nur gefragt, ob dies überhaupt möglich ist, und zwei Tage später hatte ich die Zusage -- also ganz ohne Attest!), auch die Beihilfe hatte auf meine telefonische Anfrage bereits grundsätzlich grünes Licht gegeben und gemeint, ich sollte einfach Rechnung und Rezept einreichen, sie würden das dann entscheiden. Zur Sicherheit hatte ich noch ein Gutachten von meinem Arzt beigelegt -- ich weiß aber nicht, ob das überhaupt nötig war. Tatsache ist jedenfalls: Beide bezahlen! 🙂
    Mir scheint, Dein Arzt blockiert das absichtlich oder scheut die damit verbundene Mehrarbeit … Zumindest sollte er sich besser informieren!
    Lieben Gruß, ich habe Dir außerdem eine E-Mail gesendet,
    Andreas

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