Rennsteiglauf Supermarathon 2009: Wieder ein großartiges Erlebnis! (Laufbericht)

Oh je, wie schlecht nahmen sich doch die Wetter-Prognosen für den Rennsteiglauf aus: Ob Kachelmann-Wetter auf t-online.de oder die Vorschau auf wetter.com, beide waren sich einig, dass der Rennsteiglauf ins Wasser fällt …

Treff Hotel Panorama OberhofUnd noch am Morgen –
wir hatten im bekannten, an eine Skischanze erinnernden „Treff Hotel Panorama“ in Oberhof übernachtet, damit meine Frau komfortabel und einfach beim Halbmarathon starten kann –
goss es in Strömen und ich begann, meinen letzten Hoffnungen auf Sonnenschein aufs nächste Jahr zu vertrösten. Doch die einstündige Fahrt von Oberhof zum Start des Supermarathons über 72,7 km nach Eisenach zerstreute alle meine Befürchtungen, denn als ich um 5:05 Uhr den Bus verlies, war es trocken und zudem sah es auch nicht mehr danach aus, dass es noch einmal regnen würde. – Ein trockener Rennsteiglauf! … und das sollte nicht das Letzte bleiben, was den tollen Lauf vom letzten Jahr (vgl. Laufbericht: Gelassen über den Rennsteig ») toppen sollte.

Vom Bus sind es nur ein paar Meter durch die Fußgängerzone bis zur Ausgabe der Startunterlagen am historischen Marktplatz. Und wie gewohnt, ist alles bestens organisiert … bis auf die Finisher-Shirts, die – wie einige im Bus bereits unkten – nur noch in den Größen S und XL zu bekommen waren.

Da dieses Problem auch letztes Jahr auftrat, ist nicht zu verstehen, warum hier nicht mehr Shirts in den Größen M und L angefertigt werden: Läufer haben in der Regel keine XL-Figur!

Da ich aufgrund meiner Müdigkeit, schließlich war ich um 3:25 aufgestanden, und des warm geheizten Busses etwas fröstelte, suchte ich das Festzelt auf, um mich umzuziehen, und wurde Teil dieses bunten, emsig sich auf den Start des Supermarathons vorbereitenden Bienenschwarms.

Rennsteiglauf: Startvorbereitungen im Festzelt, Eisenach

Rennsteiglauf Supermarathon: Start in EisenachUnd dann, endlich, war es so weit: Ein kreisender mdr-Hubschrauber und das Sechs-Uhr-Läuten der Uhr des Glockenturms am Marktplatz begleiteten den Start und die über 2000 Läufer des Supermarathons setzten sich langsam in Bewegung. Dieses Mal hatte ich mich ein wenig weiter nach vorne gestellt, da ich versuchen wollte, die Zeit vom letzten Jahr zu knacken.

Rennsteiglauf Supermarathon: Im Gänsemarsch voranAber auf den ersten Kilometern ging es nicht wirklich schneller voran. Bergauf war das Feld so dicht, dass an Überholen eher nicht zu denken war, und auf dem ersten Plateau angekommen, waren die Feldwege so von Pfützen durchsetzt, dass auch hier alle dem Gänsemarsch fröhnten, wenn überhaupt, denn zwei-, dreimal staute sich das Feld aus Angst vor nassen Füßen.

Doch schon bald hatte sich das Feld so weit enzerrt, dass  ich frei laufen konnte, und ich nahm Tempo auf: Im Flachen lief ich einen Schnitt um die 5:30 min/km, bergauf deutlich langsamer, bergab etwas schneller.

Überhaupt war der Rennsteiglauf ein Probelauf für die kommenden 100 Kilometer Ultras in Biel und in der Mongolei. Insbesondere wollte ich testen, wie mir der Wechsel zwischen Gehen und Laufen bekommt. Deshalb bin ich die steileren Anstiege – im Gegensatz zum letzten Jahr – alle gegangen, um dann in der Ebene und bergab wieder zu laufen. Überraschender Weise wirkte sich das nicht negativ auf meine Gesamtzeit aus. Im Gegenteil: Ich war mit einer Zeit von 7:21:08 Stunden für die stark profilierten 72,7 Kilometer (1490 m Aufstieg, 989 m Abstieg) sogar 28 Minuten schneller als letztes Jahr! Und das bei einer – wie ich fand – deutlich schwieriger zu laufenden Strecke, denn es war einerseits sehr steining, andererseits sehr schlammig und auf Wurzeln und Steinen äußerst glatt. Zudem mussten immer wieder die Wege verlassen werden, weil große Pfützen den Weg versperrten (der Sieger 2008 und 2009, Christian Storck, war dieses Jahr mehr als 13 Minuten langsamer als letztes Jahr!).

Höhenprofil des Rennsteiglauf Supermarathons

Da ich zudem auch auf der gesamten Strecke keinen Durchhänger hatte und im Ziel durchaus noch Kraftreserven besaß (die letzten Kilometer waren mit einem Schnitt von 4:40 min/km die schnellsten des gesamten Laufs), scheint das Gehen der steileren Passagen auch dann äußerst ökonomisch, wenn ich die im letzten Jahr gesammelten Ultra-Erfahrungen und das entsprechende kontinuierliche Training mit einbeziehe.

Und gerade weil mir der Lauf dieses Jahr ungleich leichter fiel, hatte ich Zeit und Muße für die wundervollen Landschaftsimpressionen des Thüringer Waldes, die mit einer kleinen Digitalkamera während des Laufs eigentlich gar nicht richtig eingefangen werden können:

Rennsteiglauf Supermarathon: Großer Inselsberg

Rennsteiglauf Supermarathon: Impression von der Strecke

Vorbildlich und Maßstäbe setzend waren wieder einmal die Verpflegungsstellen mit ihren unzählige Helfern, die freundlich, engagiert und zuvorkommend jeden Wunsch erfüllten: Alle 5 Kilometer gab’s Getränke (Wasser, Tee, Cola – später Bier) und alle 10 Kilometer große Verpflegungsstände mit allem, was das Läuferherz überhaupt nur begehren könnte: Obst, Schmalzbrote, Brühe, Würste und natürlich den berühmten, wunderbar bekömmlichen (Hafer-)Schleim in verschiedenen Geschmacksrichtungen.
Neu probiert habe ich die Versorgung mit Salz: Alle 10 Kilometer habe ich in meine obligatorische Cola eine Prise Salz gestreut, um den Verlust durch das Schwitzen wieder auszugleichen. Angenehm bei dieser Lösung war, dass aufgrund des starken Eigengeschmacks der Cola das Salz nicht zu schmecken war. – Sicherlich hat sich auch die Salzaufnahme leistungsfördernd ausgewirkt.

Nicht zu vergessen sind natürlich die netten Menschen an der Strecke, die, wann immer der Rennsteig sich einem Parkplatz oder einer Straße näherte, am Wegesrand die Läufer anfeuerten und mit Glocken, Rasseln und Ratschen vorwärts trieben. – Ganz anders, nämlich poetisch motivierten vier Musiker: Neben den vom letzten Jahr bekannten Alphornbläsern musizierte unerwartet und fast ein wenig versteckt ein Trompeter im Wald. Und es waren gerade seine Klänge, die schon von weit zu hören waren, deren Schönheit mich besonders berührte!

Rennsteiglauf Supermarathon: Trompeter im Wald

Angesichts all dieser Eindrücke habe ich mich unmittelbar nach dem Zieleinlauf sofort für denn Rennsteiglauf 2010 angemeldet: Nächstes Jahr muss ich einfach wieder dabei sein!

Diabetes-Anpassung

Blutzuckerprofil während des Rennsteiglauf Supermarthons 2009Dieser auf den ersten Blick sehr erfreuliche, perfekt anmutende Blutzucker-Verlauf war ganz schön anstrengend. Denn die weitestgehend gerade, flache Kurve mit Blutzuckerwerten um 120 mg/dl verschweigt, dass diese durch permanente Kohlenhydrataufnahme stabilisiert werden musste.

1. Eine Stunde vor dem Start (5:00)

Beim Aufstehen um 3:25 hatte ich einen Aufsteh-Bolus von 1 IE abgegeben, da ich normaler Weise direkt nach dem Aufstehen einen steigenden Blutzucker beobachte. Dieses Mal aber führte sie zu einem Fallen, so dass die zwischen 4 und 5 Uhr gegessenen 5 BE Toastbrot und Nutella um 5 Uhr quasi nicht messbar waren (Blutzucker um 80 mg/dl). Daher trank ich gegen 5:30 Uhr noch einen halben Liter Cola (5 BE), um von diesem für Sport zu niedrigen Wert wegzukommen und einen steigenden Blutzuckerspiegel auszulösen. Warum diese vielen BEs zu keinem Blutzuckeranstieg geführt haben, ist mir unerklärlich, hatte ich doch um 5:15 die Basalrate meiner Pumpe auf 80% reduziert.

2. Start (6:00)

Wenige Minuten vor dem Start zeichnete sich dann auch endlich die ersehnte Wirkung der insgesamt 10 BE ab, mein Blutzucker stieg, wie mein Freestyle Navigator deutlich anzeigte, sodass ich mich traute, auch mit einem Wert von 100 mg/dl zu starten.

3. Erste Verpflegungsstation (6 km, 6:40)

Da sich mein Blutzucker auf etwa 200 mg/dl eingependelt hat, nehme ich lediglich Wasser zu mir.

4. – 9. Kohlenhydrate gegen die fallende Tendenz

Doch ganz bald beginnt mein Blutzucker wieder zu fallen, sodass ichbei fast jeder Getränkestation 2-3 BE Cola und sowie bei jeder Verpflegungsstation zusätzlich Haferschleim (1,5 BE) zu mir nehme. Zudem nehme ich immer wieder einen Schluck aus meinen Gelflaschen, indenen ich Maltodextrin mit Orangensaft angemischt habe. Dadurch komme ich auf einen Bedarf von ca. 7 BE pro Stunde.

10. Kurzzeitiges Abkoppeln der Pumpe (52 km, 11:15)

Entnervt von den vielen BEs, die mir mein bei 120 mg/dl rumdümpelnder Blutzucker auferlegt, koppele ich für etwa eine dreiviertel Stunde meine Pumpe ab, kurz genug, um keinen absoluten Insulinmangel zu riskieren (Stichwort: Ketoazidose), aber lang genug, um meine Basalversorgung so weit zu drücken, dass ich mit weniger Sport-BEs auskomme.

11. Die radikale Maßnahme zeigt Wirkung, mein Blutzucker steigt

Und wie erwartet, beginnt mein Blutzucker nach einem Tiefpunkt von unter 110 mg/dl endlich wieder merklich zu steigen, sodass ich zwar immer noch Kohlenhydrate zuführen kann (was angesichts der Belastung auch unbedingt angestrebt werden sollte!), aber in einem erträglichen Maße von ca. 4 BE pro Stunde.

12. – 14. Die letzten Verpflegungsstationen

Es ist ein gutes Gefühl, nur das zu sich nehmen zu müssen, was man möchte, und nicht das, zudem die berechtigte Sorge vor Unterzuckerungen einen zwingt. Mit ein, zwei oder auch drei BEs machen die Pausen wieder richtig Spaß …

15. Im Ziel mit einem Blutzucker von 124 mg/dl (72,7 km, 13:22)

Nicht nur der Traumwert im Ziel, auch der Verlauf nach dem Ende des Laufes stimmt zufrieden: Im Ziel gebe ich drei Einheiten Bolus ab, trinke zwei Becher gesüßten Eistee (2 BE) und mein Blutzucker steuert den normoglykämischen Wert von 80 mg/dl eineinhalb Stunden nach der Belastung an.
Meine Basalrate habe ich noch für die nächsten 48 (!) Stunden mit 80% gefahren, da der Muskelauffülleffekt mir immer wieder den Blutzucker nach unten drückte. Erst am dritten Tag nach dem Lauf habe ich wieder einen Blutzucker von über 130 mg/dl gemessen!

Fazit:

Der Aufstehbolus war unnötig und die Basalrate mit 80% noch zu hoch. Den nächsten Lauf werde ich mit 70% Basalrate fahren und alles Erdenkliche tun, um einen Bolus, sei es zur Korrektur oder als Morgengupf, zu vermeiden.
Noch deutlicher möchte ich meine Basalrate aber nicht reduzieren, weil ich es schon anstrebe, kontinuierlich während des Laufs zu essen.
Mal sehen wie das am 12. Juni beim 100 Kilometer Lauf in Biel wird …

[iframe: width=’465′ height=’548′ frameborder=’0′ src=’http://connect.garmin.com:80/activity/embed/32133817′]

Das könnte Dich auch interessieren:

Veröffentlicht von

Andreas

* 1970 in Trier, seit 1988: Diabetes Typ 1 (CSII mit animas vibe, Dexcom G4), seit 2005: leistungsorientiertes Training (vor allem Laufen, aber auch Radfahren), zahlreiche Marathons, Ultras und Ironmans

5 Gedanken zu „Rennsteiglauf Supermarathon 2009: Wieder ein großartiges Erlebnis! (Laufbericht)“

  1. Herzlichen Glückwunsch zu der guten Zeit.

    Aber ich ´Grübel immer noch, wie man sieben Plus Stunden am Stück laufen kann. Im Moment bin ich bei einer Stunde angekommen.

    Naja, vielleicht komme ich da auch mal hin. Am 06.06. sind wir erstmal zum Eltern-Kind-Lauf angemeldet… 400m

    Gruß

    André

  2. @Jörg:
    Für nächstes Jahr ist der Rennsteig Supermarathon ja bereits fest gebucht. Von daher: Neuer Rennsteig, neues Glück -- vielleicht klappt’s ja dann …
    Und den Rennsteig ohne Quälerei zu absolvieren, das ist schon ein besonderer Genuss. Leider hattest Du es ja, wie Du in Deinem Blog schreibst, mehrfach schwer! Aber auch dadurch wird dieser Lauf unvergesslich bleiben.
    Übrigens überleg ich -- nach Deinem liebevollen Bericht -- als Vorbereitung für den Rennsteiglauf den Kyffhäuser zu laufen. Mal schaun.

    @André:
    Danke schön für Deine erneut motivierenden Komplimente.
    Als ich 2005 für meinen ersten Marathon trainierte, konnte ich mir auch nicht vorstellen, jemals länger zu laufen, als diese 42,195 Kilometer. Doch wenn diese Distanz erst einmal gekonnt ist, verschiebt sich die Wahrnehmung im Kopf, dann ist noch viel mehr möglich! Und das Training dafür ist gar nicht mal umfangreicher als bei einem ambitionierten Marathon. Ab und zu einmal ein Überdistanzlauf, aber das war es auch schon.
    Zum Marathon (und damit letztlich auch zum sieben Stunden am Stück laufen) fehlen Dir derzeit doch „nur“ zwei Stunden. Aber diese müssen ganz langsam gesteigert werden, wenn die Knochen mitspielen sollen. Unmöglich ist es nicht!
    Was ist ein Eltern-Kind-Lauf? Laufen alle gemeinsam über die Ziellinie?

    Viele Grüße, Andreas

  3. Hi Andreas.

    Ich war ja schonmal auf Halbmarathondistanz, dann hatte es mich gewaltig Zerlegt. Geschichte, ich bin ja wieder gut dabei… 🙂

    Genau, Eltern-Kind-Lauf ist für die Drei-Käse-Hoch mit einem Elternteil. Gemeinsam starten, gemeinsam Ankommen. Unsere Kurze ist jetzt drei, bin mal gespannt.

    Zur Zeit sind für diesen Lauf, das ist übrigens der Erste von vielen und der Einzige ohne Zeitnahme, 75 ‚Teams‘ gemeldet. Das wird bestimmt eine riesen Gaudi.

    Gruß

    André

  4. Schöne Idee, dieser Eltern-Kind-Lauf!
    Viel Erfolg, insbesondere für Euren kleinen Pace-Maker …

    Gruß, Andreas

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.