„Langsamer“ Einstieg: Champions Run Berlin (10 km) und 7. Blankeneser Heldenlauf (Halbmarathon)

Nach dem 100-km-Trail “Sunrise to sunset” » habe ich zunächst fast drei Wochen pausiert, nicht nur wegen der Belastung des Ultra-Marathon in der Mongolei, sondern auch um meinem Knie-Waden-Problem (geplatzte Bakerzyste), das seit Anfang Juni ein kontinuierliches Training verhindert hatte, etwas (Ruhe-)Zeit zu verschaffen in der Hoffnung, dass die Beschwerden verschwinden würden. Und tatsächlich bin ich seit dem 12. August wieder schmerzfrei unterwegs und konnte bereits an zwei Läufen teilnehmen: dem Champions Run Berlin am 22. August im Rahmen der Leichtathletik-WM und dem 7. Blankeneser GENERALI Heldenlauf in Hamburg am 30. August.

Champions Run Berlin

Eigentlich versprach der Champions Run ein ganz besonderer, einmaliger Lauf zu werden: Am Vormittag rannten die schnellsten Marathonläufer der Welt vier Runden durch die Berliner Innenstadt um WM-Gold, am Nachmittag durfte dann jedermann und jederfrau – motiviert durch den großen Sport am Vormittag und inspiriert vom WM-Feeling – die eigene Bestzeit angreifen. – Doch das vermasselte der eigentlich erprobte Veranstalter SCC gründlich:

Zum einen war die Strecke, auf der morgens noch knapp 90 Läufer unterwegs waren, für mehr als 6000 Läufer viel zu schmal, zum anderen gab es keine mit Zielzeiten markierte Startblöcke (warum musste man eigentlich bei der Anmeldung seine Bestzeit angeben?). Beides kombiniert war zumindest für viele schnelle Läufer der Super-GAU: 80-Minuten-Jogger meets 33-Minuten-Athlet – und das auf einer sowieso schon zu engen Strecke. Ein Einander-Ausweichen und ein Vorankommen durch Slalomlaufen war kaum möglich.

Und obschon ich mich schlussendlich doch sehr weit vorne aufstellen konnte – denn irgendwann, unmittelbar vor dem Start, beugten sich die ätzenden Läufer eines Münchner Laufclubs doch noch der außerhalb der Strecke stehenden Menge und ließen es zu, dass schnellere Läufer über die Absperrgitter auf die Strecke kletterten –, war mir bereits nach zwei Kilometern klar, dass eine Zeit unter 40 Minuten bei diesen Bedingungen keinesfalls möglich ist. Auch wenn angesichts meines mangelnden Trainings der letzten Monate es überhaupt fraglich war, ob ich diese Wunsch-Zeit derzeit überhaupt laufen kann, ärgerten mich diese unmöglichen Bedingungen doch sehr, denn sie waren WM-unwürdig, konnte doch ein Wettkampf-Gefühl im engeren Sinne gar nicht erst aufkommen.

So musste ich mich damit abfinden, dass der horrende Startpreis (den freundlicher Weise die IDAA » übernommen hat) mich weniger an der WM teilnehmen ließ, als eine Sightseeing-Tour auf gesperrten Straßen ermöglichte. Und aus diesem Blickwinkel lohnt sich der Lauf durchaus (auch wenn ich das als Halb-Berliner nun nicht unbedingt brauche): Eine viel schönere Strecke, vorbei an den wichtigen innerstädtischen Sehenswürdigkeiten Berlins lässt sich kaum vorstellen. Hinzu kam ein traumhaft schönes, zum Laufen aber ein wenig zu warmes Wetter.

Strecke des Championruns Berlin 2009 (zum Vergrößern Grafik anklicken)

So gesehen wurde die Aktion der IDAA zum eigentlichen Höhepunkt: Im Rahmen der von Sanofi-Aventis unterstützten Aktion „Gesünder unter 7“ » durfte die IDAA bis zu dreißig Mitglieder einladen, nach Berlin zu kommen und mitzulaufen. Und diesem Treffen, das nicht nur einen Austausch über alle möglichen Therapieanpassungen vor dem Lauf ermöglichte, gelang es, mit einer Einladung zu einem leckeren Abendessen auch endlich mal einen Rahmen zu schaffen,  der das unangenehme Gefühl zerstörte, der Selbsthilfegruppe „anonyme Sport treibende Diabetiker“ anzugehören. 😉 Denn erst hier bestand Zeit für ungezwungene, immer wieder auch das Themefeld Diabetes verlassenden Gespräche, erst hier wurden die Teilnehmer, Vereinsmitglieder, die sich teilweise zum ersten Mal  sahen, unter einander näher bekannt. – Und so tat es fast ein wenig weh, als sich am frühen Morgen der harte Kern der Müdigkeit beugen musste …

7. Blankeneser GENERALI Heldenlauf (Halbmarathon)

Eine Woche später habe ich dann in einer anderen Stadt (Hamburg) an einem Lauf teilgenommen, der gemeinsames Sporttreiben wieder zu einem Genuss werden ließ. Die Strecke war nicht nur mindestens ebenso schön (für mich war es mein bisher schönster Stadtlauf!), sondern auch ausreichend dimensioniert für etwa 3000 Läufer. Hier hatten sich die Veranstalter wirklich Mühe gegeben, alles perfekt zu organisieren:

  • Ein großzügiger Startbereich, der allen Läufer ein angenehmes Beginnen ermöglicht (Streit zwischen Läufern kann hier eigentlich nicht aufflammen …) und es zulässt, vom ersten Meter das eigene Tempo zu laufen,
  • ein stimmungsvolles Ziel mit Band, DJ und angemessener Verpflegung (gab’s eigentlich überhaupt etwas anderes als Wasser beim Championsrun?),
  • Höhenprofil des 7. Blankeneser Heldenlaufseine in jeder Hinsicht abwechslungsreiche Strecke (Bodenbeschaffenheit von Teer bis Wurzelweg, Landschaft von Wald über Elbe bis sehenswertes Stadtbild) und
  • eine fordernde Strecke, denn immerhin war dreimal, zum Teil auf Treppen der Elbhang zu erklimmen (insgesamt 360 Höhenmeter kamen im „flachen“ Hamburg zusammen!).

Strecke des Blankeneser Heldenlaufs 2009

Strecke des Blankeneser Heldenlaufs 2009

Und wenn die Rahmenbedingung stimmen, wird auch gleich die Zeit und die Platzierung wieder besser: War ich beim Champions Run mit einer Zeit von 42:26 Minuten 631. (von 6101 Läufern), erreichte ich beim Heldenlauf in einer Zeit von 1:37:06 Stunden als 85. (von 1586 platzierten Läufern des Halbmarathons) das Ziel.

Diabetes-Anpassung beim Heldenlauf

Beim Heldenlauf gelang es mir, mit sehr wenigen Sport-BE während des Wettkamps auszukommen: Lediglich bei Kilometer 13 nahm ich 2 BE Powerbar-Gel (Geschmacksrichtung: Vanille) zu mir, weil ich an meinem Navigator ablesen konnte, das seit Kilometer 9 mein Blutzucker um 10 mg/dl pro Kilomter fiel und ich nicht wollte, dass sich diese Tendenz verschärft.

Möglich wurde die insgesamt geringe Nahrungsaufnahme durch eine sich wohl in der Nacht bereits aufbauende leichte Insulin-Resistenz (mein Morgenwert war mit 142 mg/dl höher als gewohnt), die ich nicht korrigierend bekämpfte. Beim Frühstück führten sowohl die geringe BE-Menge und die damit verbundene ebenso geringe Insulin-Menge als auch der zeitliche Abstand zum Start (mehr als vier Stunden) dazu, dass wohl kein oder nur noch wenig Bolus-Insulin vom Frühstück während des Laufs wirkte. Dafür nahm ich die erhöhten Werte in der Zeit zwischen Frühstück und Start gerne in Kauf.

Eine Stunde vor dem Start reduzierte ich die Basalrate meiner Pumpe um 40% auf 60% und nahm weitere BE zu mir (2,5 BE Nutella-Toast), obwohl mein Blutzucker von 204 mg/dl auf den ersten Blick dazu keinen Anlass gab. Allerdings möchte ich – selbst wenn der Blutzucker leicht erhöht ist – stets mit einem steigenden Blutzucker starten und ohne die BE des Toastbrots mit Nutella hätte ich die fallende Tendenz nicht kippen können.

Das Ziel erreichte ich mit einem angesichts der Belastung perfekten Wert von 135 mg/dl und gab gleich 5 IE ab und stellte die Pumpe auf 100%. Dieses ist nicht jedem zur Nachahmung empfohlen, bei mir aber durchaus sinnvoll, weil meine gut trainierte Fettverbrennung mein Blut noch einige Zeit weiter mit Glukose versorgt und ich außerdem zur ein oder anderen BE der Zielverpflegung greife. Beides, Fettverbrennung und Nahrungsaufnahme trifft zu diesem Zeitpunkt aber auf ein durch die Reduktion der Basalrate verursachtes Insulinloch, das nicht mehr durch Bewegung kompensiert wird. Daher der für viele sicherlich ungewöhnlich heftige Bolus.

Den Muskelauffülleffekt bemerkte ich erst deutlich später: Er führte erst etwa zwei Stunden nach der Belastung zu einem abfallenden Blutzucker und hielt fast zwei Tage an. In dieser gesamten Zeit reduzierte ich die Basalrate meiner Pumpe um 20% auf 80%, nahm die ein oder andere BE zusätzlich zu mir, ließ die Faktoren der Essens- und Korrekturboli aber unangetastet.

Blutzucker-Einstellung beim Heldenlauf Hamburg 2009

(zum Vergrößern Grafik anklicken)

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Veröffentlicht von

Andreas

* 1970 in Trier, seit 1988: Diabetes Typ 1 (CSII mit animas vibe, Dexcom G4), seit 2005: leistungsorientiertes Training (vor allem Laufen, aber auch Radfahren), zahlreiche Marathons, Ultras und Ironmans

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