Konfetti bremst Haile – Volksläufer behindert die zu enge Strecke: Trierer Silvesterlauf 2010 (Laufbericht)

Auch dieses Jahr stand nach einer Woche Skifahren wieder der Trierer Silvesterlauf auf dem Programm und zum 20-jährigem Jubiläum hatte man tief in die Tasche gegriffen, um den Lauf auch für die nächsten Jahrzehnte mit einem großen Namen zu adeln, dessen erwarteter fabulöser Streckenrekord für lange Zeit Aushängeschild sein sollte: Am Start stand Haile Gebreselassie, der 27-fache Weltrekordler und sympathisches Idol der gesamten Laufszene!

Und fast alle Erwartungen wurden erfüllt. Noch nie starteten so viele Läufer in den verschiedenen Rennen (über 2200), noch nie standen so viele Zuschauer an der Strecke (geschätzt wurden 20.000), noch nie war die Presse derart interessiert an dem, was da an diesem nassen, aber wenig kalten Tag in Trier stattfand. Doch das, was doch so selbstverständlich schien, die werbeträchtige Verbesserung des Streckenrekords, misslang … und auch wenn unser liebenswerter Held, der sich für die lokale Presse peinlicher Weise als Gladiator vor der Porta Nigra ablichten lassen musste, bescheidener Weise die Schuld auf sich nahm („Ich habe mich verrechnet“), sind doch die Veranstalter an den fehlenden 2 Sekunden zur neuen Bestzeit mitschuld: Denn niemand hielt es scheinbar für nötig, dem Sympathieträger mitzuteilen, dass nach der ersten der acht zu laufenden 1-Kilometer-Runden das Führungsfahrzeug die enge Strecke verlassen würde, sodass Haile diesem Auto nachsetzte und erst von den Mitläufern auf die Strecke zurück gerufen werden musste. Auch das haufenweise verteilte Konfetti kostete sicherlich Zeit, denn es machte die regennasse Strecke glitschig und animierte das Publikum dazu, bei jeder Runde Haile mit vollen Händen zu bewerfen, was der im Papierregen  Befindliche – leider vergeblich (!) – als zu unterlassen anzeigte.

Selbstverständlich musste nach diesem Highlight der anschließend stattfindende Jedermannlauf verblassen (was auch mehr als die Hälfte des Publikums mit demonstrativem Abwandern mehr als deutlich machte). Von der großen Stimmung des Elitelaufs blieb nur noch atem(be)raubender Wunderkerzen-Gestank und liebenswürdig anfeuernde Angehörige übrig, allerdings kein Konfetti, denn das Konfetti war ja schon auf Haile abgefeuert worden … zum Glück, denn so musste zumindest ich keine Papierschnippsel aus meiner Lunge befördern. 😉

Läuferisch fühlte ich mich eigentlich sehr gut, auch wenn meine Zeit mit 33:48 Minuten für die 8 Kilometer zwar etwa eine Minute schneller als letztes Jahr war (da war ich aber auch krank …), allerdings doch deutlich die erwarteten sub 32 verfehlte. Das lag aber auch an der viel zu engen Strecke: Ohne Startblöcke hatte ich mich zu weit hinten orientiert, sodass die ersten zweihunder Meter nur im Schritttempo zurückzulegen waren, und ab der dritten Runde gestaltete sich der Lauf als ausgewiesener Slalomwettkampf, da die überrundeten Läufer nicht innen Platz machten, sondern willkürlich verteilt Zweier-, Dreier-, ja sogar Zwanzigergruppen bildeten, die es mal rechts, mal links zu umkurven galt. Motivierend ist so ein Rennverlauf natürlich nicht gerade, auch weil – wie im letzten Jahr bereits von mir moniert – immer noch keine Rundenzählung vorgenommen wurde, sodass jeder sich die unterschiedlichsten Taktiken zurecht legen konnte, um gute Zeiten zu ergauern: Diese reichten von „Ich laufe eine Runde weniger“ bis zu „Nach drei langsamen Runden hänge ich mich für eine Runde an die Spitze an und laufe mit denen ins Ziel“.

Bleibt halt das schöne weihnachtlich beleuchtete Stadtbild der geschichtsträchtigen Stadt, das besondere Gefühl, am Silversterabend Sport zu treiben und die zumindest in der Nähe des Start- und Zielbereichs noch vorhandene Stimmung durch die unentwegten Angehörigen der Läufer, die dem Lauf zumindest in dieser Hinsicht etwas Flair verleihen. Sportlich ist er es für die Teilnehmer, die nicht am Elitelauf teilnehmen dürfen, wohl eher nicht – und dieses Jahr wohl noch nicht einmal für diese …


Diabetes-Anpassung

Bei kurzen Läufen passt es immer noch nicht, weil ich mich aus Angs vor einer Unterzuckerung nicht traue, mich knapp einzustellen.

Etwa zwei Stunden vor dem Lauf beobachtete ich eine fallende Tendenz des Blutzucker, den ich mit zwei BE Sport-Gel (High5 Isogel) stoppte, zudem reduzierte ich die Basalrate meiner Pumpe auf 60%. Auch nach einer Stunde war mein Blutzucker nicht deutlich gestiegen, sondern verharrte auf Werten um 100 mg/dl. Also nahm ich weitere zwei BE zu mir (Powerbar Gel Vanille) und startete noch eine halbe Stunde später mit einem Blutzuckerwert von 140 mg/dl mein zwanzig Minütiges Aufwärmprogramm, das aus 4 Kilometern langsamen Traben, 5 Steigerungsläufen und ausgiebigen Dehnen bestand. Währenddessen stieg mein Blutzucker auf 180, sodass ich unmittelbar vor dem Lauf meine Pumpe wieder auf 100% zurückstellte. Ohne Auswirkung, denn im Ziel hatte ich einen Wert von über 250 mg/dl, der sich aber leicht mit drei IE korrigieren ließ, jedenfalls hatte ich beim anschließenden Käsefondue zum Jahresauklang wieder normoglykämische Werte.

Wieder scheint eine Kombination verschiedener Einflüsse den Wert nach oben getrieben zu haben: Die Insulinversorgung während des Einlaufens und vor allem während des Wettkampfs war zu gering, um diesen Anstieg zu verhindern, der nicht nur von den insgesamt 4 BE Sport-Gels, sondern auch von der Insulinresistenz beeinflusst wurde, die durch die anaerobe Energiebereitstellung während des Laufs (ich lief zumindest über weite Teile – gefühlt, da ohne Pulsmesser – über meiner anaeroben Schwelle) entstanden war. Geringer Insulinspiegel, Resistenz und verstoffwechselte Sport-BEs müssen zu diesem Anstieg führen. – Allerdings ist mir ein 250er-Wert im Ziel immer noch tausendmal lieber, als das Worst-Case-Szenario Hypoglykämie! Von daher: Es geht besser, aber es geht auch deutlich schlechter …

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Veröffentlicht von

Andreas

* 1970 in Trier, seit 1988: Diabetes Typ 1 (CSII mit animas vibe, Dexcom G4), seit 2005: leistungsorientiertes Training (vor allem Laufen, aber auch Radfahren), zahlreiche Marathons, Ultras und Ironmans

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