Runner’s World Laufheld 2010

Wer läuft, tut nicht nur etwas Gutes für sich. Jeder Läufer ist zugleich ein Vorbild für einen gesunden, aktiven Lebensstil. Einige Läufer sind sogar herausragende Vorbilder. 2010 waren aus unserer Sicht diese fünf Sportler ganz besonders inspirierend und motivierend.

(Runner’s World, Heft 12/2010)

Cover (Runner's World 12/2010)Welch große Ehre!

Ich kann es kaum glauben: Die Redaktion der Runner’s World hat mich im aktuellen Heft Dezember 2010 neben Verena Sailer (Kategorie Elite), Corinna Harrer (Kategorie Nachwuchs), Marc Löhmann (Kategorie Trainer) und Sigrid Eichner (Kategorie Masters) zu einem ihrer fünf Laufhelden 2010 ernannt. Verliehen wurde ein Spezialpreis, der zum einen meine Ausdauerleistungen würdigt, die ich der Diabetestherapie abtrotze (denn das subkutan verabreichte und nur verzögert resorbierte Insulin ist das Hauptproblem beim Sport, mit dem es umzugehen gilt, nicht der Diabetes an sich), zum anderen aber auch das Engagement auszeichnet, mit dem ich andere motiviere, trotz Diabetes weiter Sport zu treiben, und ihnen ein wenig dabei helfe, dieses auch umzusetzen.

Artikel "Spezialpreis. Andreas May" (Runner's World 12/2010)Diese Auszeichnung ist eine große Motivation, auch in Zukunft diesen Blog sowie mein Engagement als Kassenwart, Regionalvertreter Hamburg und Ansprechpartner für den Bereich Laufen in der IDAA » (Vereinigung von Sportlern mit Diabetes) fortzuführen und mich weiterhin als Referent bei verschiedenen Anlässen für das Thema „Diabetes und Sport“ einzusetzen.

Auch ist dieser Preis eine schöne Bestätigung für ein Jahr, in dem ich meine persönlichen Grenzen wieder ein kleines Stück weiter verschieben konnte. Denn das große Ziel dieses Jahres, für das ich mein Trainingspensum enorm erhöht hatte, habe ich – gemessen an meinen letztlich doch begrenzten Leistungspotenzial – überraschend gut absolviert: Mein erster Triathlon über die Ironmandistanz, die Challenge Roth, verlief zwar vom Stoffwechsel nicht so wie geplant, die Zeit jedoch stimmte ebenso wie der große Spaß an dem Wettkampf, den ich ohne Leistungseinbrüche qualfrei bewältigte (vgl. Wo blieb der Mann mit dem Hammer?»). Wie gut mir das vorherige intensive, in der Regel tägliche Training getan hat, zeigt auch der Swiss Alpine Marathon » in Davos. Bei diesem 78 km langen Bergmarathon, den ich nur 13 Tage nach der Challenge in Angriff nahm, verbesserte ich meine zwei Jahre alte Bestzeit um mehr als eine Stunde.

Fotoseite (Runner's World 12/2010)Aber auch neben diesen beiden tollen Wettkämpfen war das erste Halbjahr 2010 voller schöner Erlebnisse: Angefangen von einer neuen Bestzeit beim Berliner Halbmarathon », einem fordernden, landschaftlich beeindruckenden Kyffhäuser Berglauf », der die Marathondistanz mit einigen Höhenmetern anreichert, dem inzwischen für mich schon traditionellen Rennsteiglauf » über knapp 73 km und dem Vierlanden-Triathlon », einer schnellen Triathlon-Mitteldistanz über 2 km Schwimmen, 82 km Radfahren und 20 km Laufen.

Doch dieses Jahr wird auch von einer brutalen Zäsur bestimmt, die sich zwei Tage nach dem Swiss Alpine ereignete. Eine eigentlich harmlose, weder mit meinem Diabetes noch mit dem Lauf zusammenhängende Erkrankung führte aufgrund ärztlicher Fehler und falschen Diagnosen zu einer absolut überflüssigen und völlig unnötigen Operation. Nach zwei Wochen Krankenhausaufenthalt und zweimonatigem Sportverbot ging zunächst gar nichts: 3 km Laufen im sechs Minuten Schnitt führte zu enormen Pulswerten, einem anaeroben Stoffwechsel und heftigstem Muskelkater. Doch dass ich überhaupt so bald wieder laufen konnte, dass mein Heilungsprozess so schnell verlief (andere können bei einer vergleichbaren Operation nach zwei Monaten gerade wieder aus eigener Kraft das Bett verlassen …), das habe ich mit Sicherheit meiner zu diesem Zeitpunkt großen Fitness zu verdanken!

Und so war ich über den Saisonabschluss, der Berliner Marathonstaffel am vergangenen Sonntag, bei dem ich in einer IDAA-Staffel zweimal fünf Kilometer laufen konnte und diese Strecke beim ersten Mal in 20:43 und beim zweiten Mal in 20:45 Minuten doch recht anständig bewältigte, richtig froh. Und diese Freude bleibt, denn auch wenn ich im Juni die gleiche Strecke anlässlich der Berliner Teamstaffel noch in etwa 18 Minuten bewältigt hatte, sind diese Zeiten –  eingedenk der kurzen vier Monate, die seit der OP vergangen sind – für mich eigentlich viel mehr wert.

Leider steht meine nähere sportliche Zukunft derzeit wieder infrage, denn ich werde Mitte Dezember ein weiteres Mal operiert und ich weiß nicht, wie lange mir danach sportliche Betätigungen verwehrt bleiben. Zum Glück ist dieser Eingriff im Vergleich zu dem, was Anfang August passierte, geradezu harmlos, sodass ich hoffe, im nächsten Jahr wieder das fortsetzen zu können, was im Juli abrupt endete und an das ich mich in den letzten Monaten, durchaus mühsam, wieder herangekämpft hatte …

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Veröffentlicht von

Andreas

* 1970 in Trier, seit 1988: Diabetes Typ 1 (CSII mit animas vibe, Dexcom G4), seit 2005: leistungsorientiertes Training (vor allem Laufen, aber auch Radfahren), zahlreiche Marathons, Ultras und Ironmans

15 Gedanken zu „Runner’s World Laufheld 2010“

  1. Gratulation zum Laufheld. Ich habe wohl nur eine leichte Ahnung, was es bedeutet mit dem Handicap zu laufen. Drücke dir die Daumen, dass alles gut geht und wir uns Ende April sehen.

    Jörg

  2. Lieber Jörg,

    vielen Dank für Deinen Glückwunsch!

    Ob das wirklich ein Handicap ist, bin ich mir nicht sicher, einerseits schon, andererseits ist mein Diabetes die Motivation zum Laufen schlechthin:

    > Ich laufe für meine Gesundheit und vor den Folgeschäden weg (denn der Sport hat mir zu einer viel besseren Einstellung verholfen),
    > und ich laufe gegen die Vorurteile, die gegenüber Menschen mit Diabetes bestehen und die mich auch selbst (idiotischer Weise) immer wieder beschleichen, nämlich nicht so leistungsfähig zu sein wie ein „Gesunder“.

    Von daher bleibt mir eigentlich gar nichts anderes übrig, als zu laufen, mir geht’s dadurch einfach viel besser!

    Und beim Laufen beschäftigt mich die Steuerung meines Stoffwechsels immer wieder, sodass Hennes (RW-Forum) schon fragte, ob mich das nicht von etwaigen Schwächeperioden ablenken würde. So würde ich das nicht sehen, denn ich kenne durchaus auch die -- glücklicher Weise sehr seltenen -- Momente, in denen nichts mehr geht, aber langweilig, das werden selbst längste Läufe nicht. Aber auch das liegt nicht nur am Blutzuckerkontrollieren und -einstellen, sondern auch weil Laufen in der Natur einfach nur schön ist!

    Dankeschön auch für’s Daumendrücken bei der OP, es wäre wirklich Klasse, wenn ich so ein, zwei Monate danach wieder laufen könnte … auch um mit Dir die 50 „Kilometer“ voll zu machen!

    Lieben Gruß,
    Andreas

  3. Hallo lieber Andreas,

    da hat es doch mal den richtigen „erwischt“. Du bits nicht nur ein Laufheld. Du bist auch mein persönlicher Held, weil ich es Dir und Deinem Blog verdanke, dass meine Lebensqualität um 1000% gestiegen ist durch die erfolgreiche Nutzung des Navigators. Ohne Dich hätte es vermutlich sehr viel länger gedauert diese Technologie persönlich zu testen -- Wenn überhaupt.

    Ich wünsche Dir persönlich weiterhin viel Glück und Erfolg bei allem was Du anpackst. Du bist wirklich ein Vorbild -- und Danke dafür, dass Du andere an Deinem Wissen und Deiner Erfahrung teilhaben lässt.

    Ich wünschte es gäbe noch viel mehr solcher Helden wie Dich.

    Ich werde an Sivester auch das Glas erheben auf Dich mit tief empfundener Danbarkeit!!!

    ganz liebe Grüße
    Tuut

  4. Oh, Tuut, wie liebenswürdig ist das denn? Was Du schreibst, freut mich total, macht mich sprachlos … und ist tausendmal schöner als jeder Preis, egal welcher Jury! DANKESCHÖN!

    Und es gibt weitere Helden, das weiß ich sicher, zum Beispiel Du! Denn auch Du bist eine große Aktivisten geworden, die unermüdlich in verschiedenen Foren die kontinuierliche Blutzuckermessung denen näher bringt, die in ihr bisher noch nicht _DIE_ entscheidende Hilfe zur Therapieanpassung und -kontrolle gesehen haben.

    Auch Dir für Dein Engagement ein herzliches Danke,
    Andreas

  5. hallo andreas!

    habe den artikel in runner`s gelesen. daumen hoch! eigentlich macht mir der diabetes im leben keine probleme und ich sehe ihn auch nicht als handicap an. allein beim laufen/sport geht er leider oft seinen eigenen weg und ich habe mit starken schwankungen zu kämpfen. das regt mich schon ziemlich auf, denn eigentlich sollte sport ja zu einem guten blutzucker verhelfen. bei mir sind die werte aber immer ziemlich durcheinander, besonders nach dem laufen saust er ganz schön nach oben, so dass ich die pumpe manchmal auf 180% laufen lassen muss.

    viele grüße und weiterhin erfolgreiche läufe!
    ilka

  6. Hallo Ilka,

    wenn Du hier im Block etwas herumgestöbert hast, wirst Du sehen, dass Schwankungen wohl unser tägliches Brot sind: Da wir keine automatische Blutzuckerkorrektur besitzen, müssenwir viel zu viele Faktoren berücksichtigen und drehen gleichzeitig an zahlreichen Stellschrauben, um den Stoffwechsel eines gesunden zu imitieren, das muss doch einfach schiefgehen. 😉

    Dennoch solltest Du versuchen herauszufinden, was diesen Anstieg auslöst. Bei mir tritt das in drei Situationen auf und die erkläre ich mir so:

    1. Die Sport-BE habe ich zu kurz vor einem Training oder während des Trainings zu mir genommen und sind -- auch weil die Verdauung während des Sports ja in der Regel eher träge ist -- noch nicht vollständig resorbiert, sodass ein Teil erst nach dem Sport den Blutzucker hochtreibt.

    2. Bei längeren Trainingseinheiten stoppt die Energiebereitstellung durch Fettverbrennung nicht sofort mit dem Trainingsende. Da ich nach dem Sport nicht mehr vergleichbar Energie verbrenne, ich aber mein Basalinsulin noch reduziert habe, fehlen Insulineinheiten, um den Blutzucker konstant zu halten.

    3. Ein Basalloch nach dem Training (falls das Basalinsulin reduziert war), weil der Muskelauffülleffekt, so habe ich den Eindruck, nicht sofort, sondern erst mit etwa zweistündiger Verspätung einsetzt.

    Daher messe ich etwa 20 Minuten vor Trainingsende meinen BZ, korrigiere den mit meinen normalen Faktoren und gebe, wenn ich erwarte, dass einer der drei Punkte eintreten kann, noch einen zusätzlichen Bolus von 1-3 Einheiten. Wenn ich das tue, ist mein BZ nach dem Sport eigentlich stabil, auch ohne Basalratenanpassung.
    Zudem: 180% hört sich viel an, ist aber nicht gerade viel Insulin, dass da unmittelbar nach dem Sport in Deinen Körper kommt, in der Stunde nach dem Sport ist das doch höchstens eine IE, oder?

    Aber wenn Du mit Boli experimentierst, sei bitte vorsichtig, sprich mit Deinem Arzt und taste Dich langsam heran (und nur, wenn Du genug Not-BE griffbereit hast!). Nur scheint mir ein Bolus effektiver als eine Regelung desselben über die Basalrate, weil er viel massiver und schneller wirkt und somit sowohl ein Insulinloch wirkungsvoll bekämpft als auch eine eventuelle leichte Insulin-Resistenz gar nicht erst entstehen lässt.

    Viele Grüße, ein gutes neues Jahr, vielleicht trifft man sich ja einmal bei einem Lauf,
    Andreas

  7. Hallo Andreas,

    auch von mir Gratulation und großes Lob für die Auszeichnung in der Runners World. Du hast es wirklich verdient!

    Gruß

    Michael

  8. Hallo Andreas,

    in einem Blog hast du berichtet, dass du den Navi auf dein Oberrohr am Rad montierst.

    Wie sieht das im Sommer mit der Hitze aus?
    Mein normales BZ-gerät ist schon öfters beim Wettkampf ausgestiegen, wegen Überhitzung. Jetzt trage ich ich es unter der Bekleidung mit.
    Ich möchte mir in diesem Jahr für die sportlichen Aktivitäten (Tria Halbdistanz)einen Navigator anschaffen. Deine Ausführungen sind wirklich super und ermunternd. Danke
    Gruß Olaf.

  9. @Michael: Vielen Dank für Deine netten Worte! Schön, dass Du (mal wieder) hier vorbeigeschaut hast!

    @ Olaf:
    [quote]in einem Blog hast du berichtet, dass du den Navi auf dein Oberrohr am Rad montierst.

    Wie sieht das im Sommer mit der Hitze aus?[/quote]

    Ich verwende diese Tasche:
    [url=http://www.amazon.de/gp/product/B004AHZ2AW?ie=UTF8&tag=saer20nayam0170-21&linkCode=as2&camp=1638&creative=19454&creativeASIN=B004AHZ2AW]Topeak TriBag All Weather Oberrohrtasche inkl. Regencover [/url]

    Der Navigator passt da problemlos hinein (auf einer dicken Lage Gels, Riegel o. ä.), ist mit einem Netz gegen Herausfallen gesichert und im Falle eines Regens lässt sich das Cover fix drüberziehen.

    Probleme mit Hitze hatte ich während keiner meiner Fahrten, darunter auch 180 km Touren bei 30°. Der Navigator-Empfänger selbst hat -- anders als die Messgeräte -- auch keinen Temperaturfühler, im Gegensatz zum Sender, aber der misst ja die Temperatur der Haut, die wohl nicht über einen entsprechenden Grenzwert steigen wird.

    Viele herzliche Grüße,
    Andreas

  10. Hallo Andreas,

    danke für die Hinweise.
    Eine ähnliche Oberrohrtasche benutze ich schon für schnelle BE´s.
    Ich dachte nur du hast den Navigator immer im Blick.
    Aber da er ja von sich hören lässt, ist dies sicher nicht nötig.
    Ist der Warnton auf dem Rad bei Wind und Helm auf, immer zu hören?
    Danke und Grüße aus Dessau
    Olaf.

  11. Guten Abend, Olaf!

    Doch, doch, ich habe den Navigator -- wenn es nicht regnet -- stets im Blick, durch die Netztasche der Oberrohrtasche kann man ihn durchaus ablesen, ohne ihn heraus zu nehmen.
    Aber auch der Warnton ist so laut, dass man ihn eigentlich kaum überhören kann.

    Viele Grüße,
    Andreas

  12. Lieber Andreas,

    habe gerade deinen Artikel in der Runners gelesen, RESPEKT, würde mein Sohn sagen. Ich finde es einfach nur schön, dass du diese Auszeichnung bekommen hast, denn deine sportlichen Leistungen mit dem Diabetes sind einfach anders zu bewerten als beim Sportler ohne Diabetes. Ich hoffe du hast die 2. OP gut überstanden und deine Genesung macht gute Fortschritte. Ich melde mich morgen bei dir persönlich, ist laaaange schon überfällig. Asche über mein Haupt….
    Liebe Grüße
    Susanne

  13. Ja, probier das, ich freue mich, mal wieder mit Dir zu sprechen!
    Und die OP habe ich tatsächlich gut, nein sehr gut überstanden und ich habe die Hoffnung, dass der Spuk des letzten halben Jahres damit ein für allemal vorbei ist. Jedenfalls darf ich in etwa einer Woche wieder Sport machen … und kann mich kaum noch bremsen.

    Viele Grüße, Danke für Deine nette Anwort,
    Andreas

  14. Hallo Andreas,
    auch von mir herzliche Glückwünsche zum Titel. Du hast eine solche Auszeichnung wegen deines Engagements auch verdient. Ich habe mir das Heft extra deswegen gekauft. Wünsch dir alles Gute und vielleicht 2012.
    Gruß,
    Philipp

  15. Hallo Philipp,

    auch Dir ein herzliches Dankeschön für Deine Wünsche.

    Aber was meinst Du mit „und vielleicht 2012“? Eine erneute IDAA-Triathlon-Aktion, eventuell als einen Angriff auf einen der IMs samt Quali-Versuch? Zutrauen würde ich es Dir ja.

    Viele Grüße, alles, alles Gute für erst einmal für das Jahr 2011,
    Andreas

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