Münster Marathon 2011: klasse Stimmung, gute Zeit und (fast) perfekte Werte (Laufbericht)

Am Tag nach der Mitgliederversammlung der IDAA », der Vereinigung von Sportlern mit Diabetes, nahmen drei Staffeln und vier Einzelläufer die 42 km lange Marathondistanz in Angriff. Drei erfolgreiche, in guten Zeiten absolvierte Marathondebuts und drei recht schnelle Staffelzeiten zeigen eindrucksvoll, dass Diabetes – wenn er kenntnisreich beherrscht wird – kein Hindernis, sondern vielmehr ein Grund für sportliche Leistung ist: Denn gründliche Vorbereitung und ein intensives Hineinhorchen in den eigenen Körper sind für Diabetiker selbstverständlich und zugleich Bedingungen, wenn ein Marathon ohne Qual gefinisht werden will. Und das haben die IDAA-Mitglieder allen anderen zum Teil kämpfenden Läufern deutlich vor Augen geführt.

Aber auch ich war zufrieden. Es scheint, als hätte ich in der Tat mit dem 25 km Lauf in Berlin » im Mai dieses Jahres das für mich passende Konzept der Therapieanpassung gefunden, das ich seitdem im Training und Wettkampf bei mehr als einstündigen Belastungen verwende und nahezu immer funktioniert. Das besondere ist die vor dem Lauf programmierte 90%-ige Absenkung meiner Basalrate vor und am Anfang der Belastung und die anschließende Anhebung auf etwa 40%. Diese zweistufige und zunächst starke Absenkung führt zu einem schnelleren und stärkerem Absinken des Insulinspiegels im Blut als bei einer nicht so deutlichen einstufigen Absenkung, die ich früher probierte. Die Auswirkungen liegen auf der Hand:

  • Niedriger Insulinspiegel am Anfang der Belastung bewirkt eine Aktivierung des Fettstoffwechsels, der bekanntlich bei einem hohen Insulinsspiegel nur schwer in Gang kommt, und eine Glucose-Ausschüttung aus der Leber. Dadurch sinkt der Sport-BE-Bedarf während des Sports deutlich.
  • Zudem ist es so möglich, eine eventuell noch vorhandene geringe (!) Restwirkung eines Bolus im Basalloch verschwinden zu lassen, sodass auch diese die angesprochenen positiven Effekte nicht bremmst.

Dass ich die Basalrate nicht stoppe, liegt daran, dass ich durch den weiterhin vorhandenen Insulinfluss unbedingt verhindern möchte, dass sich die Kanüle meines Katheters zusetzt. Die Anhebung der Basalrate danach ist notwendig, damit mein Blutzucker nicht durch den relativen Insulinmangel steigt und damit ich während der Belastung noch Kohlenhydrate zuführen kann, was bei Belastungen wie einem Marathon unverzichtbar ist.

Hier nun mein fast perfekter Blutzuckerverlauf mit Werten während der Belastung zwischen 120 und 160 mg/dl, fast perfekt, weil ich im Ziel für Zielverpflegung und gegen das Basalloch einen Bolus von 5 IE abgeben wollte, beim Wegstecken der Pumpe aber aus Versehen den Bolus abbrach und den Alarm der Pumpe im Lärm des Zieles überhörte. Glücklicherweise ist so ein Wert anschließend schnell korrigiert und kein großes Dilemma.

Ein Klick vergrößert den aufgezeichneten Blutzuckerverlauf.

Aber auch sonst war der Münster Marathon ein schönes Erlebnis. Noch immer bin ich beeindruckt von der Stimmung, die an der Strecke herrschte, hier hat eine Stadt „ihren“ Marathon richtig gern: Ein 9-jähriges Mädchen, dass am Straßenrand steht und für die Läufer Geige spielt, vier klatschende Nonnen, von denen eine uns mit einem Tambourin weiter peitscht, unzählige Kinder mit ausgestrecktem Arm zum Abklatschen – die Liste ließe sich noch lange fortsetzen. Wunderschön!

Inzwischen freue ich mich auch über meine Zeit, 3:13:05 Stunden sind immerhin eine neue Bestzeit, eineinhalb Minuten schneller als vor zwei Jahren in Frankfurt », auch wenn ich die geplanten 3:10 an diesem Tag nicht laufen konnte. Da fehlte neben einem kühlen Wetter auch der ein oder andere Trainingskilometer. Aber kein Grund zum Grämen, nach den Operationen des letzten Jahres war noch nicht mal an einem Kilometer in einem 4:32er Schnitt zu denken. Und es bleibt ja in diesem Jahr noch eine Möglichkeit: In zwei Wochen laufe ich den Marathon in Köln und da dürfte die diesjährige Wunschzeit mit Sicherheit fallen, nach dem tollen Trainingslauf!

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Veröffentlicht von

Andreas

* 1970 in Trier, seit 1988: Diabetes Typ 1 (CSII mit animas vibe, Dexcom G4), seit 2005: leistungsorientiertes Training (vor allem Laufen, aber auch Radfahren), zahlreiche Marathons, Ultras und Ironmans

36 Gedanken zu „Münster Marathon 2011: klasse Stimmung, gute Zeit und (fast) perfekte Werte (Laufbericht)“

  1. Hey Andreas, ich habe deine „TBR-Senk-Technik“ (so will ich sie mal nennen) übrigens gleich heute bei einem lockeren 1,5h-Lauf ausprobiert. Ich muss dich mal wieder in den Himmel loben ;D. Ich hatte weder während des Laufs, noch danach, nicht einen einzigen Wert über 150mg/dl, noch einen unter 90mg/dl zu verzeichnen. Wow! Allerdings lag mein Startwert bei 130mg/dl (Tendenz: gleichbleibend). War aber auch okay. Dank Steuergerät (CGMS) hatte ich natürlich nen super Überblick. Kann nur hoffen, dass ich das irgendwann erstattet bekomme. Ich hatte gestern und heute so einen gleichmäßigen Blutzuckerverlauf, wie lange nicht mehr. Bin froh, dass ich einige Therapiefehler damit aufdecken konnte und auch für deine Tipps gestern. Hehe und jetzt kann ich auch alle Statistiken/Diagramme sehen, nicht nur die eines einzigen Tages ;D. Danke noch mal und ich plädiere dafür, dass du Diabetes-Arzt und -Berater wirst :). Lieben Gruß Steff

  2. @Jörg: Ich wusste gar nicht mehr, dass ich auf Deinen Spuren wandelte. Habe gerade noch einmal in Deinem Blog den Münster-Marathon gefunden: [url=http://19joerg61.blogspot.com/2009/09/wie-ich-beim-munster-marathon-nur.html]Wie ich beim Münster-Marathon nur Joschka versägte[/url]
    Stimmung und Strecke werden von Deinem Text und Deinen Bildern sehr schön transportiert -- und da ist ja noch eine Parallele: Wir beide sind in Münster Bestzeit gelaufen.
    Und das es WIEDER „gut“ läuft, ja, darüber bin ich wirklich froh!

    @Steff: „TBR-Senk-Technik“, soll ich mir das als Begriff schützen lassen? 😉 Aber einfacher ist es, wenn man -- zumindest in der animas 2020 -- eines der vier Basalprofile zum Sportprofil macht. Dieses besteht bei mir nur aus drei Einträgen:
    0:00 Uhr -- 0,100 IE/Stunde (totale Absenkung läuft mit Aktivierung des Profils)
    10:00 Uhr -- 0,350 IE/Stunde (Anhebung auf 40%)
    12:00 Uhr -- 0,825 IE/Stunde (Anhebung auf 100% 10-20 Minuten vor dem geplanten Zieleinlauf)
    Vor Training und Wettkampf ändere ich nur die Zeiten 10 Uhr und 12 Uhr auf die entsprechenden Werte, dann muss ich nicht im Wettkampf Pumpe rauskramen und neuprogrammieren -- und ein Vergessen ist unmöglich!
    Es freut mich jedenfalls 1000%ig, dass das bei Dir so gut geklappt hat. Ich denke ja, dass das bei nahezu allen klappen müsste, weil durch die 2 Stufen die Insulinkurve des Stoffwechselgesunden besser nachgeahmt wird.
    Für CGM drücke ich Dir fest die Daumen, Deine lieben Worte zaubern ein Rot ins Gesicht.

    Seid herzlich gegrüßt,
    Andreas

  3. Hallo Andreas, ich finde es total beeindruckend, dass Du einen Marathon so sauber durchziehen kannst! Hut ab! Ich lass mich von Deiner Strategie beim nächsten Mal inspirieren und versuche meine Basal-Dosis am Morgen eines Laufs von 4 auf 2 IE runter schrauben. Mal sehen was passiert. Ich ich bin ja „Penner“ (Nutzer eines Pens).

    Grüße! typ1typ

  4. Ein Ausprobieren ist es sicherlich wert, wie gesagt, der Insulinspiegel sinkt auch beim Gesunden -- und warum sollten wir das nicht nachahmen? Zumindest, so gut es geht.

    Sehen wir uns in Köln beim Marathon? Ich habe mir gemerkt, dass Du dort Deinen ersten laufen möchtest …

    Viele Grüße,
    Andreas

  5. Das hast Du Dir aber falsch gemerkt. Marathon? Ich bin doch kein Grieche. 😉 Oder habe ich irgendwo wieder mal eine dicke Lippe riskiert? Hoffentlich gibt es nix schriftliches…

  6. Nein, nein, nein, da will ich auch keine Gerüchte in die Welt setzen. Mit den Pseudonymen der virtuellen Welt bin ich wohl durcheinander gekommen. Aber jetzt werde ich mir für allezeit merken: Du bist KEIN Grieche und willst wohl auch keiner werden. Pleite sein und nach dem Laufen tot umfallen, das sind ja auch keine attraktiven Lebensziele. 😉

    Sorry für das Velwechsern,
    Andreas

    P.S.: Eins fällt mir noch gerade ein. Wie war’s denn mit der Basalratenabsenkung? Und: Sinnvoll ist das, denke ich, nur bei Läufen über eine Stunde.

  7. Hallo.

    „Andreas“, du warst das nicht, der die Schwestern, die Nonnen, bzw. einer der Nonnen mit:
    „Hallo Schätzchen“ begrüßt hat?
    Zu der Zeit müsst ich noch in der Nähe des Dreistundenzugläufers gewesen sein…
    zu der Zeit, als ein Läufer für Stimmung gesorgt hat…

  8. Nein, das war ich nicht.

    Ernsthaft: Dazu habe ich viel zu viel Respekt vor meinem Mitmenschen und deren Lebensformen, um mich über sie derart billig lustig zu machen.

    Viele Grüße,
    Andreas

  9. …wohl wahr,
    aber dieser Mensch hatte Mühe seine Aussage zu relativieren, er meinte, dass er sagte:
    „Hallo Schwester“, das ging dann allerdings unter in der Menge.
    Mit diesen Schwestern habe ich in der dazugehörigen Klinik auch schon meine Erfahrungen gesammelt, sie sind sehr renitent und befehlend.
    Wurde dort schon mal in die Notaufnahme eingeliefert, da wollten die Schwestern einen Blutzuckertest machen. Ich habe ihnen dafür eine Körperstelle zugewiesen, dies wollten die Schwestern nicht akzeptieren, „wo würden wir denn da hin kommen, wenn ein Patient Vorschiften machen würde“. Da haben die Schwestern einen Arzt gerufen, der hat einen Zugang gelegt, was sowieso gemacht werden sollte. Also nicht ohne die Schwestern!

  10. So wirkten sie aber auf der Strecke gar nicht: Freundlich strahlende ältere Damen, denen jeder Zwang fremd ist. 😉

  11. Jo, als ich dort vorbeikam hat eine der Schwestern gar getanzt, die war richtig aufgedreht, deshalb wohl auch der Zuruf, von dem ich schrieb.
    Wir sprechen hoffentlich von dem selben Ort, dem „Schwesternwohnheim“ gegenüber der „Synagoge“, müsste so ungefähr bei Km acht gewesen sein. Am Anfang der Straße beginnt die „Raphaelsklinik“, am Ende ist dann das Schwesternwohnheim, daneben folgt eine kleine Kapelle, gegenüber die Synagoge und danach die 90° Kehre in die Einkaufsstraße oder Einkaufsgasse (Salzstraße).

  12. Hi Andreas,
    toller BZ-Verlauf! Ab wann machst Du das bei Deinen Trainingsläufen? Immer ab 90min, um damit den Fettstoffwechsel zu trainieren, oder nur wenn Du über 90min langsam läufst?
    Ich hab es die letzten Monate mal bei allen Läufen über 90min gemacht, da ich nicht ganz soweit runter gehe (auf 20% und 55%) muss ich wohl etwas mehr essen. 90min vorher esse ich immer was auf einem 33%-Bolus.
    [url=http://www.diprobe.com/misc/16km-Runde.gif][img=http://www.diprobe.com/misc/16km-Runde.gif][/img][/url]

    beste Grüße
    Robert

  13. Hallo Robert,

    ich reduziere derzeit bei (nahezu) jeder Trainingseinheit über 60 Minuten. Stets mit der Totalabsenkung zu Beginn (etwa 1 h Stunde vorher) für 60-90 Minuten, danach hebe ich, je nach geplanter Trainingsdauer, die BR wieder an, manchmal gleich wieder auf 100%, meist aber auf 40-60%.
    Freut mich, dass Du hier auch experimentierst. 🙂
    Mir persönlich wären aber die BZ-Werte (wenn ich sie richtig aus der Grafik herauslese) zu niedrig. Bei 100er Werten (so genial gerade die Kurve auch ist) ist wenig Luft nach unten …

    Viele Grüße,
    Andreas

  14. Mmh seh ich auch so, ich fühl mich unter 100 auch eher unsicher, weshalb der 2x2BE-Einwurf kam.
    Aber hier siehst Du auch wieder wie der BZ dem Zwischenzellwasser vorweg sprinted Mitte 80 zu 130 nach 20min! Generell finde ich Deine Kurve sicherer und ich reduziere mal morgen etwas mehr.

  15. Bei Dir schlägt vermutlich auch noch der Bolus durch: Etwa eineinhalb Stunden vorher fast 3 IE ist schon ein Pfund. Der Bolus schwächt mit seiner auslaufenden Wirkung die Absenkung deutlich ab, oder andersherum: Die Absenkung schluckt den Bolus, senkt aber nicht wirklich den Basalspiegel unter den normalen ab (was ja beim stoffwechselgesunden Sportler der Fall ist).

    Viel Erfolg morgen,
    Andreas

  16. Darf ich -- zumindest solange, bis sich Robert meldet -- für ihn antworten? 😉

    Soweit ich weiß, importiert Robert zunächst alle Daten in SiDiary und exportiert diese anschließend dann als csv, was er wiederum in ein von ihm entworfenes excel-Addin importiert, dass Du hier downloaden kannst:
    [url=http://www.forum.diabetesinfo.de/forum/index.php?action=downloads;sa=view;down=32]http://www.forum.diabetesinfo.de/forum/index.php?action=downloads;sa=view;down=32[/url]

    Viele Grüße,
    Andreas

  17. Moment, eines ist nicht ganz genau:
    Robert importiert in SiDiary die CGM-Daten, exportiert diese wieder als csv in Excel, die Pulswerte müssten in einem extra Schritt in Excel importiert werden.

    Gruß, Andreas

  18. @Detlef: In dem Fall habe ich das csv-Export plugin von Sporttracks angeworfen und die HR sowie Watt-Werte exportiert. Hat den Vorteil zu fitlog, dass die Datenmenge geringer ist, einfacher strukturiert und die Zeit nicht in GMT ausgegeben wird. Ich habe dann mal mit den UDT’s von Sidiary rumgespielt und die beiden Reihen in Sidiary imortiert.
    Diese Exportvorlage von Ralf und Joa http://www.sidiary.net/download-template-42-214.asp?f=CGMS-Multi_302.zip ermöglicht Dir mehrer UDT’s in ein Excel zu exportieren. Navi-Daten landen über den Abbott-Import in Sidiary.
    Das war nur nen Rumgespiele von 1-2h und ist nicht wirklich immer anwendbar. Außerdem ist es eine Sackgasse, da Sidiary vom Zeitstempel wohl nur h und min übernimmt, zumindest werden wohl nur h und min wieder exportiert.

    Der Weg den Andreas oben beschrieben hatte, mit meinem Excel ist etwas einfacher und korrekter aber auch nicht praktisch. Dies hier war nur ein Versuch Ralf’s Datei mal zu nutzen.

  19. @Andreas: das mit dem Bolus ist mir auch gestern beim Laufen durch den Kopf gegangen. Ich erinnerte mich vor dem Laufen an Deine Graphen und dass Dein Frühstück immer 3.4h zurückliegt und Dein Honigbrot ohne Insulin daherkommt. Ich hab dann also auch mein 1/3 Bolus vorm Laufen weggelassen, Basalrate minimal stärker reduziert und pendelte gestern 100min zwischen 140er-180er Werten rum, kam mit 130 wieder an und hatte nur 2BE unterwegs eingeworfen. Viel besser! Mal sehen ob ich mir die 2h Excel noch mal antue :-).

  20. [url=http://www.diprobe.com/misc/Sport-BZ-Verlauf_111012.gif][img=http://www.diprobe.com/misc/Sport-BZ-Verlauf_111012.gif][/img][/url]

  21. [quote]Robert schrieb:
    Ich hab dann also auch mein 1/3 Bolus vorm Laufen weggelassen, Basalrate minimal stärker reduziert und pendelte gestern 100min zwischen 140er-180er Werten rum, kam mit 130 wieder an und hatte nur 2BE unterwegs eingeworfen. Viel besser! Mal sehen ob ich mir die 2h Excel noch mal antue 🙂 .[/quote]
    Schön. Und wie war’s nach dem Laufen? Explodierte der Blutzucker nach oben oder war’s zu beherrschen? Der Anschluss in Deiner Grafik deutet ja nur einen minimalen Anstieg an …

    Lieben Gruß,
    Andreas

  22. Ist auf 170 hochgegangen.

    [url=http://www.art-wide-eyed.com/misc/Sport-BZ-Verlauf_111012a.png][img=http://www.art-wide-eyed.com/misc/Sport-BZ-Verlauf_111012a.png][/img][/url]

  23. Also insgesamt noch beherrschbar und keine „Resistenzen“ (woher auch immer die kommen mögen 😉 ).
    Aber genau wegen dieser Anstiege hebe ich die Basalrate eine halbe Stunde vor Sportende wieder an oder gebe einen Bolus von etwa 2 IE, wenn der Blutzucker es erlaubt, noch während ich unterwegs bin, so 15-20 Minuten vor Schluss, oder, wenn der BZ knapp ist, wenn ich zuhause angekommen bin.

  24. Nach den langen Läufen senke ich für ein bis zwei Tage meine Basalrate um 10-30%, nach dem Münster-Marathon waren es beispielsweise 2 Tage mit 30% Absenkung. Ansonsten weckt mich mein Freestyle Navigator alle zwei Stunden und erinnert mich freundlich, dass jetzt wohl ein Glas Saft angesagt ist. Also von daher ein klares „JA!.

    Ob dass mit der Lipolyse zusammenhängt, bezweifle ich. Eher ist es eine Mischung aus Insulinrezeptor-Up-Regulation, die großteils wohl bereits während des Laufs stattfindet, und erhöhtem Grundsatz aufgrund stattfindender Reperaturprozesse und Wiederauffüllen der geleerten Speicher, was von Ulrike Thurm immer als „Muskelauffülleffekt“ bezeichnet wird.

  25. Hi,

    denn will ich „Couch-Potatoe“ auch mal wieder was dazu senfen. 😉

    [Quote]Ob dass mit der Lipolyse zusammenhängt, bezweifle ich.[/quote]

    Da müsste sich wohl ein biophysischer Chemiker mit medizinischem Background zu äußern. Offenbar nicht die stärkste Seite vom „Meister“.

    Ich vermute anhand der praktischen Erfahrungen die geschildert werden, dass eine erhöhte Fettsäurenproduktion (=Lipolyse) sinnvoll ist um die Energiebereitstellung zu sichern, aber keine Resistenzen hinterlässt, wenn der Fettsäurenzusatz auch tatsächlich verwertet, also verbrannt wird.

    Resistenzen kommen wohl nur von einer insulinmangelbedingt gesteigerten Lipolyse, wenn die Fettsäuren quasi die Mitochondrien verstopfen?

    Hat Teupe da Nachholebedarf, um es mal auf Ossi zu sagen?

    [Quote] Eher ist es eine Mischung aus Insulinrezeptor-Up-Regulation, die großteils wohl bereits während des Laufs stattfindet[/quote]

    Bei Dir würde ich das Potenzial zum Uppen als vernachlässigbar vermuten.

    [Quote] und erhöhtem Grundsatz aufgrund stattfindender Reperaturprozesse
    [/quote]

    Das ist mir zu hoch…

    [Quote]… und Wiederauffüllen der geleerten Speicher, was von Ulrike Thurm immer als “Muskelauffülleffekt” bezeichnet wird.[/quote]

    Nun, nicht nur von Ulrike. 😉

    Aber ich vermute mal, dass die Leber da auch noch mitsaugt.

    Durch die Reduktion der Insulinwirkung im Wettkampf wird die Leber ja vermutlich, wahrscheinlich, ziemlich sicher auch in der Glkogenolyse beflügelt.

    Der Reload der Leber käme dann auch noch zum Muskelauffülleffekt hinzu, wenn auch in geringerem Maß.

    Ok. Wir schicken Teupe mal zur Nachschulung bei Ulrike und uns? :-)))
    Ein gewisser Bedarf scheint evident, wenn auch nicht AD-kompatibel.

    Gruß
    Joa

  26. So die letzten 3 Wochen bin ich immer mit 60-90 min BR Reduktion auf 5-10% vor dem Laufen gestartet und bei 45-55% BR gelaufen. Ist das stressfrei! Keine startken BZ-Abfälle. Ich esse auch ca. 60min vorher 2-4 BE ohne Insulinierung, starte so zwischen 160 und 200 und komme ganz gemütlich bei 120-140 an, evtl. esse ich bei 90min Lauf noch 1-2 BE.
    Wenn ich ankomme muss ich mir dann 1-1,5 IE geben und bleibe im Normalbereich. Passt echt super!

  27. Super! Das freut mich!

    Du bist nun neben Steff und mir der Dritte, der diese Technik ausprobiert und anwendet … und sie scheint tatsächlich für mehrere Läufer eine Möglichkeit der Therapieanpassung bei längeren Ausdauerbelastungen zu sein. 🙂

    Liebe Grüße,
    Andreas

  28. Hallo Robert & Andreas,

    ich schon wieder, als Trockenschwimmer. 😉

    Das ist ja wirklich spannend, wie das mit der Verbrennung der FFS unter Ausdauerarbeit läuft, so dass letztlich keine nachhaltige Fettsäurenresistenz übrig bleibt, die dann die Glucoseutilisation/Oxydation hinterher hemmt (siehe B-Korrektur).

    Das ist wohl so ’ne Frage an die Biochemiker/Zellphysiker und (Leistungs-)Sportdiabetologie?

    Wie wäre das, wenn die kleine „Insulindusche“ nach dem Lauf wegbliebe?

    Ein etwas anderer Zusammenhang, aber auch nicht so weit weg von der Thematik:
    Vorgestern fiel mir per Zufallsklick eine PDF-Datei in den Reader, die ich mal aus Google books „gedruckt“ und dann vergessen hatte.

    Danach geben auch die Muskelzellen bei Insulinmangel und laufender Glykogenolyse Glucose nach außen ab. Was eigentlich i.d.R. nicht so beschrieben ist.

    Hat ja auch was mit Insulinrduktion, bzw. basalem Insulinmangel, zu tun?

    Und ist vlt. auch nicht uninterssant zur Erklärung des Power-Potentials von Blitzhypos nach physiologischen Insulinmangelsituationen.

    Nun ja. Soviel zur Philosophie am früheren Vormittag. 😉

    Schönen Tach noch und

    Gruß
    Joa

  29. [quote]Wie wäre das, wenn die kleine “Insulindusche” nach dem Lauf wegbliebe?[/quote]
    Dann steigt zunächst mein Blutzucker (vgl. Grafik oben), auch weil die Fettverbrennung noch bis zu zwei Stunden nachbrennt und es ein Basalloch zu stopfen gilt.

    [quote]Danach geben auch die Muskelzellen bei Insulinmangel und laufender Glykogenolyse Glucose nach außen ab. Was eigentlich i.d.R. nicht so beschrieben ist.

    Hat ja auch was mit Insulinrduktion, bzw. basalem Insulinmangel, zu tun?

    Und ist vlt. auch nicht uninterssant zur Erklärung des Power-Potentials von Blitzhypos nach physiologischen Insulinmangelsituationen.[/quote]

    Sehr interessant -- wäre aber bei Sport kontraindiziert, denn da benötigen wir den Treibstoff der Zellen ja in den Muskelzellen! Aber ein zusätzlicher Sicherheitsanker bei Hypos wäre es allemal.

    Danke für die interessanten Einblicke,
    Andreas

  30. [Quote]Sehr interessant – wäre aber bei Sport kontraindiziert, denn da benötigen wir den Treibstoff der Zellen ja in den Muskelzellen![/quote]
    Mmmh, ist natürlich reiner Spekulationsmodus von meinereiner. Aber ggf. könnte so ggf. auch noch ein Austausch zwischen mehr oder weniger geforderten Muskelzellen erfolgen? Offensichtlich können die aerob belasteten Muskelzellen ja immer noch Glucose nachladen, auch wenn das Insulin heftig reduziert ist.

    Was ich aber meinte war die Verstärkung von Hypopower nach Insulinmangelsituationen im Alltag. Da hatte ich an die damalige Schilderung von Robert gedacht, mit der Abklapp-Hypo. Seine Insulinversorgung war zuvor chronisch defizitär angelegt. Die Idee war damals, dass es sich bei seinem Blackout um einen Reload der Leberglykogenspeicher gehandelt haben dürfte. Denn rein insulinwirktechnisch war eigentlich kein erkennbarer Grund zu sehen.

    Wenn sich bei langen Insulindefiziten auch die Glykogenspeicher der Muskelzellen entladen könnten, dann würde das wohl eine Verstärkung auch von Hypo-Power bewirkten können, und eine ggf. deftige?

    Gute Nacht und
    Gruß
    Joa

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