Münster Marathon 2013: Wir (b)rennen für die Diabetesschulung – trotz strömenden Regens (Laufbericht)

Bumskarbautz!

Hell wach liege ich im Bett, was für ein Donnerschlag! Ich blicke aus dem Fenster meines Hotelzimmers: Starkregen und Gewitter – und das um 7 Uhr, nur zwei Stunden vor dem Start des Münster Marathons. Sofort macht sich ein demotivierender Gedanke breit: Niemand MUSS ja heute einen Marathon laufen. Stattdessen: Im Hotel einfach lecker frühstücken, all die Sachen kosten, die man vor einem Lauf nicht zu sich nehmen sollte, Ham and Eggs, Bircher Müsli, Früchte, Quark … Ach herrje, wie schön könnte unsportlich sein!

Aber ich bin ja nicht aus Zucker, ich habe ihn nur.

Und was sollen die ganzen afrikanischen Gazellen denken, die sicherlich ebenfalls vom Donner geweckt wurden und jetzt mit mir frühstücken. Die laufen auch, obwohl das nun gar nicht ihr Wetter ist.

Und zumindest ist es bei dem einen Donner geblieben, obwohl der Starkregen weiter anhält.

Also los, zwei Brötchen mit Nutella, drei Tassen Kaffee mit Milch, ein Glas Wasser und die Basalrate auf 50%. Die freundlichen Damen im Foyer des Treff-Hotels haben bestimmt noch eine Tüte, die ich mir irgendwie überstülpen kann. Aber nein, viel besser, die Gazellen haben noch ein paar Ponchos zurückgelassen und so kann ich trockenen Oberkörpers und ohne auszukühlen zum Start gehen.

Am Start geht es zunächst zum Diabetes-Stand des Herz-Jesu-Krankenhauses, das in Zusammenarbeit mit der IDAA eine Betreuung für Diabetiker organisiert hat (Bericht auf der Webseite der IDAA »). 117 mg/dl mit steigender Tendenz, mit diesem  Blutzuckerwert auf dem Display meiner Decxom-animas-Kombo steht einem Start nichts im Wege – eingedenk der Tatsache, dass ich erst vor einer halben Stunde vom Frühstück aufgestanden bin und die beiden Brötchen sich gerade erst im Blut bemerkbar machen. Bis zum Start steigt der Blutzucker dann auf über 170 mg/dl, ein guter Wert angesichts der Belastung.

Dieses Jahr sind besonders viele Läufer mit Diabetes am Start, denn der diesjährige Lauf ist Frau Dr. Brigitte Osterbrink gewidmet, die letztes Jahr in Münster gestorben ist. Sie ist die Mutter der „Diabetesbetreuung“, denn sie hat entscheidend dazu beigetragen, dass Diabetiker ihren Diabetes selbst managen, … und somit muss auch ich ihr sehr danken, denn ohne dieses Selbstmanagement wäre ein Marathon ebenso wie ein flexibles, keine Einschränkung kennendes Leben kaum vorstellbar! Als Zeichen der Verbundenheit mit ihr und ihrer Leistung tragen wir alle ein von mir gestaltetes T-Shirt mit der Aufschrift: „Wir (b)rennnen für die Diabetesschulung!“.

Laufshirt Münster Marathon 2013: Wir (b)rennen für die Diabetesbetreuung

Doch trotz unserer großen Fürsprecherin dort oben, meint es Petrus heute nicht gut mit den Münsteranern und lässt auch beim Start um 9 Uhr alle Himmelsluken offen. – Aber ist man erst einmal unterwegs, stört das kaum noch. Das tut eher der Wind, der doch um einige Ecken des sehr verwinkelten Kurses in der Münsteraner Innenstadt mächtig pfeift. So sehr, dass sich ein Werbebanner selbständig macht und mir vor die Füße fliegt. Gerade so springe ich noch drüber, die hinter mir Laufenden weichen aus. Langweilig wird es also wirklich nicht, auch wenn es nur wenige Zuschauer an die Strecke treibt. Umso mehr gebührt ihnen ein großes Dankeschön für’s Ausharren und Anfeuern … bei dem Wetter!

Der Starkregen löscht die Flamme nicht!

Eine völlig gleichmäßige Pace ist unter diesen Umständen nicht möglich, aber ich pendele stets so um die 4:30 min/km, laufe also im Bereich meiner Bestzeit von 3:10 Stunden. Mein Zucker macht weiterhin das, was er soll, steigt auf etwa 220 mg/dl und sinkt dann langsam ab, sodass ich nach 15 Kilometern bei einem Blutzucker von 176 mg/dl ein Powerbar-Gel (2 BE) zu mir nehme. In der Folge trinke ich alle 5 Kilometer eine Cola (1 BE) und nehme bei Kilometer 22 ein weiteres Gel zu mir.

Blutzuckerverlauf Münster Marathon 2013

Weiterhin läuft es sich leicht und flüssig, der Regen hat gerade aufgehört und es herrschen beste Bedingungen. Ich male mir euphorisch eine mögliche Bestzeit aus und vergesse, wie wenig ich das letzte Jahr trainiert habe: Nichts kann mich stoppen!

Aber da passiert es: Nach und nach meldet sich mein linker Fuß, das Gewölbe fängt an zu schmerzen. Bei Kilometer 28 sind die Schmerzen dann so groß, dass ich Tempo rausnehme und beschließe, bei Kilometer 31 nach 2:22 Stunden an einer Betreuungsstation der IDAA auszusteigen. Mein zweites DNF meines Lebens.

Enttäuscht bin ich aber nicht, denn in 5 Wochen ist Marathon in München – und da soll meine Bestzeit fallen! Und deshalb höre ich heute lieber früher auf, sodass ich die verbleibende Zeit weiter trainieren kann (und deutlich mehr, als die durchschnittlich 40 Wochenkilometer des letzten Jahres). Der Marathon in Münster war halt „nur“ ein intensiver, lohnender Trainingslauf … und eine Werbung für eine gute Sache: die Diabetesbetreuung.

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Veröffentlicht von

Andreas

* 1970 in Trier, seit 1988: Diabetes Typ 1 (CSII mit animas vibe, Dexcom G4), seit 2005: leistungsorientiertes Training (vor allem Laufen, aber auch Radfahren), zahlreiche Marathons, Ultras und Ironmans

3 Gedanken zu „Münster Marathon 2013: Wir (b)rennen für die Diabetesschulung – trotz strömenden Regens (Laufbericht)“

  1. Hallo Andreas,

    du bist ja schon wieder fremd gegangen ! Oder ist die Animas/Dexcom Kombi mittlerweile eine „feste“ Beziehung ?
    Wie macht sich das beim Sport? Du hast mal irgendwo geschrieben, dass es nicht so optimal ist, während des Sports die Pumpe hervor zu kramen um auf dem Display den Glukoselevel abzulesen und dann mitsamt Schlauch wieder verstaut werden muss.

    Die Bedingungen beim Münster Lauf waren ja echt grauslig. Daumen hoch für jeden der gelaufen ist und für jeden, der an der Strecke ausgeharrt hat.

    Gruss
    Stefan

  2. Ja, ich bin immer noch untreu. 😉
    Das Dexcom-animas-System ist nicht ganz so genau wie der Navigator, dies betrifft aber eher höhere Werte. Auf die Werte, auf die es beim Sport ankommt, der Blutzuckerbereich von 70-150 mg/dl, da ist das System schon sehr genau.
    Beim Laufen finde ich die Pumpen-CGM-Kombi gar nicht schlecht: Ich trage die Pumpe mit einem Clip am Gürtel und muss sie zum Ablesen nicht bewegen. Das Handling des Schlauchs, insbesondere das Verstauen desselben nach dem Ablesen, findet so gar nicht statt. -- Anders wird das bei Frost im Winter aussehen, wenn die Pumpe vom Körper gewärmt werden muss. Aber vielleicht geht hier auch was, indem man einfach den Fleece o. Ä. über der Pumpe trägt und anhebt. Hier ist natürlich der separate Empfänger ein großer Pluspunkt! Ans Skifahren mit Pumpen-CGM-Kombi möchte ich jedoch gar nicht denken …
    Ich hatte für ein paar Tage auch den Dexcom-Empfänger zum Ausprobieren (ein detaillierter Bericht wird folgen), der löst dieses Problem.
    Aber leider nicht das beim Fahrradfahren: Die Zahlen auf dem Display sind so klein, dass ich diese nicht bei Sonnenschein ablesen kann, wenn der Empfänger bei hellem Licht in meiner Oberrohrtasche liegt. Und ob ich bei 35 km/h nun einen Empfänger hervorkrame und verstaue oder eine Pumpe, das ist fast Jacke wie Hose.
    Also optimal ist die animas-Dexcom-Kombi insgesamt nicht, aber hinsichtlich des Laufens ergeben sich klare Vorteile: Ich trage ein Gerät weniger mit mir rum!
    Und wie es sich beim Schwimmen verhält, ob die animas eventuell auch beim Schwimmen Werte anzeigt, das habe ich immer noch nicht ausprobiert. Aber wenn das ginge, überwiegen für mich die Vorteile -- im Winter kann man dann ja immer noch den Empfänger mitnehmen, der auch beim Autofahren gute Dienste leistet (hier sind die Lichtverhältnisse besser, sodass die Zahlen stets auch aus Entfernung abgelesen werden können, zudem muss nicht beim Fahren die Pumpe ausgepackt und wieder verstaut werden).

    Ja. Die Bedingungen in Münster waren fies -- meine Laune aber Lange Zeit richtig gut: Irgendwie hat das auch richtig Spaß gemacht!

    Viele Grüße,
    Andreas

  3. Hallo,

    wie mir scheint, ist der Marathon in Münster eine feste Größe in deinem Kalender.
    Das Wetter beim letzten Mal war nicht wirklich berauschend, leider hat es auch mich gestreckt beim Lauf. Zufällig laufe ich in der gleichen Leistungsklasse wie du. Komisch finde ich, dass wir uns noch nie begegnet sind bei diesem Wettbewerb.
    Sollte man das vielleicht mal ändern, z.B. 2014?

    Mit Gruß,
    Der Dicke

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