Mein erster Neoprenanzug

Heute wurde er endlich geliefert: Das wichtigste Utensiel für einen Kältehypochonder wie mich, der bei Temperaturen unter 24° nicht ins Wassergeht, beim Triathlon aber muss – mein erster Neoprenanzug.

Da ich als Kind und Jugendlicher sieben Jahre lang sehr intensiv im Verein geschwommen bin, habe ich mir einen eher „sportlichen“ Neoprenanzug gewählt, das heißt, er sollte flexibel sein und beim Schwimmen nicht einengen. Dies bezahle ich mit einem etwas geringeren Auftrieb, weil an vielen Stellen das Neoprenmaterial dünner ist. Aber das sollte kein Problem sein, denn meine Wasserlage ist eigentlich recht gut, Schwimmtraining halt.

Aber das erste Anziehen war schockierend: Ich fühlte mich wie eine Wurst, die in eine zu enge Hülle gestopft worden ist. Oh, nein, das Ding muss zurück geschickt werden. Eine Nummer größer.

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Warum dieser Blog? Meine kleine Lebensgeschichte

Bereits als Jugendlicher entdeckte ich das Laufen. Auslöser war der 1. Trierer Stadtlauf, den meine Heimatstadt Trier anlässlich ihrer 2000-Jahrfeier veranstaltete. Die Begeisterung beim Zuschauen an der Strecke steckte so sehr an, dass ich mir ein paar Laufschuhe kaufte – Adidas „New York“ (Nomen est omen!) – und anfing zu trainieren. Denn beim nächsten Stadtlauf wollte ich unbedingt dabei sein!

Und ein Jahr später, 1985, war es so weit: Mit dem 2. Trierer Stadtlauf über die Halbmarathondistanz startete ich in mein „Läuferleben“. Bis 1988 folgten vier weitere Stadtläufe (mit einer Bestzeit von 1:24), zahlreiche 10km- und 15km-Läufe sowie einige Crossläufe. Außerdem startete ich zweimal bei Kurz-Triathlons mit guten Platzierungen in meiner Altersklasse (jeweils 2. Platz).

Doch damit war drei Jahre später Schluss:
Diagnose „Diabetes“.

Schon vorher hatte ich mich wochenlang komisch gefühlt, großer Durst und stündliches Wasserlassen, Juckreiz und zuletzt Sehstörungen – die typischen Symptome eines nicht behandelten Diabetes. Am Tag der Diagnose wurde ich auf Insulin eingestellt, mischte ab sofort zweimal täglich Actrapid und Protaphan, ein Normalinsulin und ein Verzögerungsinsulin, und musste mich an einen strengen Diätplan mit geringem Kohlenhydratanteil halten (15 BEs – die sogenannten Broteinheiten – verteilt auf den ganzen Tag).
An Laufen im bisherigen Umfang war nicht zu denken: Ich unterzuckerte schnell, konnte kaum dagegen anessen und musste ständig meine Laufeinheiten zum Traubenzucker-Kauen unterbrechen (sehr unangenehm mit einem vom Sport trockenen Mund!).
Kompetente ärztliche Betreuung? – Leider Fehlanzeige: Keiner erklärte mir, wie Diabetes und Sport funktioniert. Und die 1988 noch nicht besonders zahlreiche Literatur problematisierte das Sporttreiben mit Diabetes, ohne Lösungen zu zeigen. Intensiver Ausdauersport, das wurde mir sehr schnell klar, schien unmöglich!

17 Jahre später wollte ich es aber wieder wissen!

Eine berufliche Neuorientierung (spricht man eigentlich inzwischen von „Lebensabschnittsberufen“?) ging einher mit dem unbedingten Wollen, wieder intensiv Sport zu treiben.
Meine Diabetes-Einstellung hatte sich inzwischen komplett geändert: Kein fester Diätplan, sondern größtmögliche Flexibilität im Umgang mit Essen (sowohl hinsichtlich der Uhrzeiten, der Menge und der Art der Lebensmittel) war inzwischen möglich (Stichwort: ITC), ein kurzwirkendes Analoginsulin (Humalog – das aber immer noch vier Stunden in meinen Körper vorhält) und länger wirkende Verzögerungsinsuline (Lantus und später Levemir) trugen ebenso zu einem „normaleren“ Leben bei.
Bei einer solchen Einstellung, so dachte ich, sollte Sport doch eigentlich kein Problem sein …
Also begann ich zu trainieren, steigerte meine Kilometer-Umfänge und lernte mich und meine Krankheit neu kennen:

  • Ich lernte, wieviele BEs ich für welche Entfernung brauche,
  • ich lernte, dass Energie-Gels schneller wirken und leichter zu schlucken sind als Traubenzucker,
  • zudem auch leicht zu transportieren,
  • ich lernte, dass das einzige Energie-Gel, was mir einiger Maßen schmeckt, nur schwer zu bekommen ist (Hammergel, Geschmack: Esspresso),
  • ich lernte im Laufen meinen Blutzucker zu messen, ohne das Tempo zu variieren (Messgerät: Freestyle Mini/Lite),
  • ich lernte, ab welcher Entfernung ich mein langwirkendes Insulin reduzieren muss (und dass ich mir deshalb schon am Abend vorher überlegen muss, wann und wieviel ich am nächsten Tag laufen werde),
  • ich lernte, dass ich nicht kurz nach einer Mahlzeit laufen sollte, zumindest dann nicht, wenn ich dafür kurzwirkendes Insulin abgegeben habe (dann lieber kein Insulin oder eine deutlich reduzierte Dosis),
  • ich lernte vieles und noch viel mehr, vor allem aber:

DASS ES MÖGLICH IST, ALS DIABETIKER 42 KILOMETER AM STÜCK ZU LAUFEN!

Als Motivationshilfe meldete ich mich für den Berlin Marathon 2005 an, lief ihn durch (ohne Quälerei), musste aber erkennen, dass …

  • trotz Reduktion des langwirkenden Insulins am Abend vorher um 70% (um drei Uhr nachts habe ich deshalb noch einmal meinen Blutzucker kontrolliert und korrigiert) und …
  • trotz Frühstück um fünf Uhr (damit das kurzwirkende Insulin nicht mehr beim Start um neun Uhr wirkt) …

ich eine Unmenge Kohlenhydrate während dem Lauf benötigte. Mir kam es vor, als würde ich nicht laufen, sondern ausschließlich gegen meinen sinkenden Blutzuckerspiegel kämpfen: Insgesamt 36 BEs habe ich vertilgt (für Nicht-Diabetiker: Das sind vier riesengroße Teller Spaghetti!). – Vielleicht gibt es ja Läufer, die ein solch üppiges Mahl während eines Marathonlaufs schätzen. Mein Magen tat es jedenfalls nicht!
Und so wären meine sportlichen Ambitionen, trotz einer passablen Zeit von 4:06, ein zweites Mal jäh beendet gewesen, wenn ich nicht auf der Marathon-Messe in Berlin auf einen kleinen Informationsstand gestoßen wäre.

Ulrike Thurm und die IDAA zeigten mir, wie’s besser geht!

Dieser Stand eröffnete mir ein neues Leben mit meiner Krankheit. Erst einmal wurde ich von der Diabetes-und-Sport-Spezialistin Ulrike Thurm für meinen ersten Marathon gut beraten und erfuhr von der perfekten Betreuung durch die IDAA während des Laufs (alle 8km befanden sich Stände, an denen man seinen Blutzucker messen lassen und BEs deponieren konnte – ich weiß gar nicht, wie ich meine vier Teller Nudeln sonst transportiert hätte 😉 …).
Darüber hinaus – und das war der Hinweis meines Lebens! – wurde mir eine Insulinpumpe nahe gelegt, denn erst mit einer Pumpe könne man seine Einstellung wirklich problemlos, kurzfristig und effektiv realisieren.
Gesagt, getan und seitdem konnte mein Magen herausfinden, wie herrlich es ist, nur 4-6 BEs verdauen zu müssen! – und das ohne nachts aufzustehen, um zu messen, um fünf Uhr frühstücken usw.!

Unmittelbar nach dem ersten Marathon 2005 auf Pumpe umgestellt, genieße ich jetzt mein viel unbeschwerteres Leben, in dem Sport eine große Rolle einnimmt – ohne zum Problem zu werden.

Neue Pläne: Ultramarathons

Und da mein diesjähriger Berlin Marathon 2007 mit einer für mich sensationellen Zeit endete (3:19:20), habe ich bereits neue Pläne gefasst: Neben diversen Marathons (Hamburg, Berlin – langfristiger Plan unter drei Stunden) sind das vor allem der Rennsteiglauf (72km durch den Thüringer Wald) und der Swiss Alpine Marathon in Davos (78km mit 2320 Höhenmetern). Ob das alles klappt, darüber möchte ich hier berichten.

Gründe für den Blog: Diabetikern Mut machen, Sport zu treiben, und bei den notwendigen Therapieanpassungen ein Beispiel zur Orientierung bieten

Vor allem aber möchte ich mein Training dokumentieren und notieren, wie ich dabei meinen Diabetes einstelle, was für Konsequenzen ich aus Fehlern ziehe und welche Maßnahmen sich bewähren.
Dies mache ich nicht nur, um an meinem Beispiel zu zeigen, wie Sport mit Diabetes möglich ist, sondern auch, um Mut zu machen, es einfach zu probieren.

Wichtige Grundlagen dazu enthält dieser Beitrag:

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Tipps und ein Dankeschön:
Ulrike Thrum ist die Vorsitzende der IDAA, der Internationalen Vereinigung diabetischer Sportler (www.idaa.de), und hat ein sehr lesenwertes Buch geschrieben:

Sowohl Ulrike Thurm als auch der Verein und ihr Buch sind kompetente Ansprechpartner bei allen Fragen zu Sport und Diabetes. Von beiden habe ich sehr viel gelernt!
DANKE, ULRIKE!